14.07.2026

back home…

Zu den Ritualen einer Reise gehört am Ende immer eine Waschmaschinenparty – hier hängt die erste Ladung, gerade läuft die dritte, und Margit ist schon wieder zum Rosenstraßenstammtisch gegangen.

Trotz des überwiegend erbärmlichen Wetters war es eine schöne Reise. Insgesamt waren es 7.520 km, für unsere Verhältnisse also eher wenig. Am meisten hat mich die allgegenwärtige und immerwährende Freundlichkeit und Höflichkeit der Briten beeindruckt. Vom Kassierer in einem Supermarkt in irgendeinem Provinznest an der Westküste bis zu den teils erkennbar akademisch gebildeten Fremdenführer:innen begegnete uns Offenheit, Geduld und unangstrengt wirkende gute Laune.

Genervt hat uns die stetige Geldgier am Parkplatz. „Pay and display“ stand an jedem Eingang, manchmal höflicher „Have you payed and displayed?“ Bevor man auch nur die ersten Schritte in Richtung Stadtbummel oder Sehenswürdigkeit getan hatte, war man mindestens 5, in der Regel 7 Pfund pro Stunde los. Ehrlicherweise muss man auch sagen, dass die Sehenswürdigkeiten luxuriöse Preise aufrufen. Für Shakespeares Geburtshaus fand ich heute morgen umgewechselte 64,14 €, für eine knappe Stunde (o.k., WIR waren knapp) ein stolzer Preis. Westminster nimmt 28 Pfund von Senioren, da sind die 12 € für den Kölner Dom echt mickerig. Allerdings muss man natürlich auch wissen, dass die dortigen Gemeinden selbständige wirtschaftliche Einheiten sind, die für alles ihre Einkünfte selbst generieren müssen. Nicht jede Gemeinde hat allerdings 5 Millionen Besucher, die 28 Pfund abdrücken, und das merkt man den ländlichen durchaus an.

Wir haben viel Schönes gesehen, das meiste davon ist im Blog aufgetaucht. Am Ende der Reise ist mir deutlich geworden, dass Heinrich VIII für Klöster und Kultur tatsächlich so ähnlich gewirkt hat wie die Französische Revolution (by the way: …la jour de gloire- 14. Juli- est arrivée!) Und was der nicht geschafft hat, hast Cromwell vollendet.

Nach so einer Reise ist der heimische Kühlschrank leer, also war ein Großeinkauf dran. Zwei Dinge sind uns sehr aufgefallen: Erstens, natürlich, sind unsere Preise sehr viel günstiger. Wir haben keine Ahnung, wie sich die Engländer England leisten können, unser Warenkorb war immer 10 bis 30 % teurer als zuhause. Und die zweite Wahrnehmung: Wenn man an den Kassen die gesamten Leute, die anstanden, auf die Waage getrieben hätte, wären die Deutschen um glatte 30 % mickeriger gemessen worden. Die Briten wissen schon, warum sie eine Zuckersteuer haben.

In den nächsten Tagen werde ich die letzten zwei Wochen des Blogs noch ein bisschen aufbohren, ansonsten hat uns die Wirklichkeit wieder: Eine Baustelle lockt, eine andere wedelt von ferne, zuhause muss auch was getan werden, und vor allem:

Wenn dies unsere letzte große Reise war, im Zelt und aller Unabhängigkeit, dann muss die allerletzte große Reise 2027 zum Nordkap um so präziser geplant werden.

Ein paar kleinere nach Zypern, Island und hoffentlich Samarkand hängen nicht ganz so hoch.

13.07.2026

Reisetag

Hoek von Holland – Lübeck

12.07.2026

Colchester, Harwich, Stena

Ein schöner, sonniger Tag machte uns das Ende der Reise leichter – ein Aperol auf die schöne Zeit in einer Hafengaststätte in Harwich half zugleich den Durst zu löschen, der bei ständig über 25 Grad ganz von allein kommt.

Wie könnte es auch anders sein: Kaum steigst Du aus dem Auto, begegnet Dir die deutsche Gesichte in voller Schönheit!

Im selben Hafen an derselben Pier hat 1938 das erste Schiff mit jüdischen Kindern angelegt, die aus Nazi- Deutschland fliehen konnten, am Ende waren es gut 10.000, von denen die meisten ihre Verwandten niemals wieder gesehen haben. Letzten Sommer wollten wir in Estland die östlichste Ecke Europas an der Küste zum finnischen Meerbusen besichtigen und fanden: Ein Mahnmal für eine von den Nazis versenkte Evakuierungsflotte aus dem Balticum.

Dies war der leider realistische Schluss einer Reise, die mit den Ramsgate Tunnels begann. Macht mal wieder deutlich, wie dämlich das Gerede vom Schlussstrich ist.

Dieser Wehrmutstropfen ergänzte allerdings einen Reisetag, der mit einem „full English“ Frühstück, allerdings ohne black pudding, in einem Landgasthof begonnen hatte, unsere Stippvisite in Colchester war wirklich schön. Wieder mal normannisches Castle auf römischen Ruinen,

wieder mal schöne alte Stadt,

mit blauen Grüßen an Herrn W. aus L. und zahlreichen anderen interessanten, aber auch redundanten Wahrnehmungen: Kaputte Abtei 23.0

Am Ende des Tages sitzen wir auf bei Frau Stena auf einem Freideck, ich schreibe eine Kurzform des Blogs und gemeinsam reiten wir, wie es sich gehört, in die Abenddämmerung.

11.07.2026

Canterbury, Weg zur Fähre

Wahrscheinlich zum letzen Mal sind wir in unserem Zelt aufgewacht, mit dem wir Ende Juli 2006 unseren ersten Urlaub in der Bretagne gemacht haben, mit Florian und Kim, Björn und Leif. (Florian und Kim hatten ihr eigenes Zelt, soo groß ist unser nun auch nicht). Volle 20 Jahre mit Reisen von der Algarve bis zur russischen Grenze, von Helsinki bis zur Peleponnes, von Sizilien bis zu den Lofoten, von den Orkneys und den äußeren Hebriden bis nach Siebenbürgen. So enden Lebensabschnitte, immerhin bei strahlendem Sonnenschein.

Sonderbare Koinzidenz: Der Bauer, dem der aktuelle Agrarcampingplatz gehört, sammelt historische Fahrzeuge.

Das ist eine adäquate Interpretation der Tatsache, dass unser Lebensentwurf sozusagen sturmreif geschossen wurde durch die Diagnose.

Weil es so schön am Wege lag, sind wir noch einmal nach Cambridge gefahren: ein wunderbarer Ort, da zu studieren muss ungeheuer aufregend und bereichernd sein. Außer einer Altstadt im menschlichen Maße (höchstens vier Gebäudestockwerke) ist da jedes dritte Haus ein College,

jedes vierte eine Kirche und jedes fünfte ein Museum. Bei abgelesenen 35 Grad und massenhaft Besuchern m/w/d ist es schön, zu schlendern, es, verlockt aber nicht zum Bleiben.

English heritage kennt eine schöne Herrenhausanlage östlich von Cambridge, Audley End, „leider“ sei nur noch ein kümmerliches Drittel der ursprünglichen Anlage erhalten.

Die Ausstellung ist so designed, dass sie außer den vielfach dargestellen (auch bei Scott, z. B.) Belles Etages der Herrschaften auch die Lebensumstände der Dienerschicht erläutert. Aber leider waren wir zu spät und der Zugang in den engeren Bereich schon verschlossen.

Beim Weg vom Restaurant zum Shop konnten wir dennoch ein bisschen spicken. Neben der Küche

war ein Blick in die Waschküche möglich…

außerdem konnten wir einen ebenerdigen Trockenraum bestaunen, locker so groß wie unser ganzes Grundstück, mit einem Trockengestellt, das man ablassen und wieder hoch fieren konnte!

Aber auch an solchen Leuten ist der Personalmangel nach dem Brexit nicht vorübergegangen: Ein Blick hinter den San- Block auf der Herrentoilette…

10.07.2026

Coventry, Stratford on Avon

Die mittelalterliche Kathedrale von Coventry gibt ein ähnliches Bild ab wie die zahlreichen wegen Heinrich VIII dem Verfall ausgelieferten Abteien, aber ihr Zustand hat andere Gründe. Sie wurde wie die gesamte Stadt im November 1940 von der Deutschen Luftwaffe zerbombt.

Dabei hatte Coventry neben der militärischen – hier gab’s reichlich Rüstungsindustrie- auch eine politische Bedeutung: „Seht Euch das an, Ihr schnödesAlbion, wir können im Herzen Eures Landes eine ganze Stadt plattmachen.“ In der Tat wurden außer großen Teilen der Innenstadt 75 % der Industrieanlagen zerstört oder beschädigt, fast 600 Menschen kamen ums Leben, noch mehr wurden verwundet.

Die Entscheidung, Lübeck als Ziel eines Gegenschlages auszusuchen, wurde mit der Zerstörung einer historisch ähnlich wertvollen Stadt begründet, zum Glück war die Zahl menschlicher Opfer nur gut halb so groß, die Zerstörung historischer Bausubstanz war quantitativ geringer, qualitativ allerdings höher.

Bei den Aufräumarbeiten in den nächsten Tagen wurden im Schutt verkohlte Dach- oder Deckenbalken gefunden, die die Form eines Kreuzes hatten. Es wurde geborgen und konserviert und ist jetzt eines der mit Coventry verbundenen Symbole.

Die grauenhafte Erfahrung der Zerstörung führte in Coventy zu einer hochinteressanten, theologischen Aufarbeitung unter dem Thema „Versöhnung“, aus der über ein paar Schritte die Nagelkreuzbewegung enstand. Aus alten Dachnägeln war nach dem Angriff ein Kreuz geschmiedet worden, das repliziert und als Symobl der Versöhnung an andere Gemeinden übergeben wurde, die vom gleichen Schicksal betroffen waren. Das erste Kreuz ging zur Nikolaikirche in Kiel, auch in Marien Lübeck und Dresden gibt es welche. Dieser Themenkomplex ist zu differenziert, um ihn hier zu bearbeiten – das kommt, wenn wir wieder zuhause sind.

Das anrührende Versöhnungsgebet soll hier immerhin schon wiedergegeben werden. Natürlich haben wir es bei einem themennahen Gottesdienst in Marien gebetet.

Versöhnungsgebet von Coventry

Im Jahre 1959 wurde das Versöhnungsgebet von Coventry formuliert und wird seitdem an jedem Freitagmittag um 12.00 Uhr im Chorraum der Ruine der alten Kathedrale in Coventry gebetet.[1] Die deutsche Übersetzung, die seit Oktober 2015 von der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e. V. beschlossen ist, lautet:

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3,23 LUT)
Darum beten wir:
Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater, vergib.
Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist,
Vater, vergib.
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,
Vater, vergib.
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen,
Vater, vergib.
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,
Vater, vergib.
Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,
Vater, vergib.
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,
Vater, vergib.
Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, gleichwie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4,32 LUT)
AMEN

Natürlich haben die in Coventry wieder eine Kathedrale gebaut, ganz modern, nicht imitierend, höchstens mal zitierend.

Leider war der Tag schon etwas fortgeschritten, deshalb kam der Besuch im Geburtshaus von Shakespeare in Stratford on Aven etwas kurz. Allerdings waren wir hier auch leich angenervt, wie aus dem kahlen Haus mit bescheidenen Info- Ständern eine Art Shakespeare – Disney geworden ist. Das Bild unten zeigt die Rückseite, der Flügelbau rechts stammt von seinem Schwiegersohn, dessen Frau das Haus als Erbe in die Familie eingebracht hat.

09.07.2026

York

Die 15 Sonnenstunden haben wir gehabt, wir amüsieren uns köstlich: Alle Engländer, mit denen wir ins Gespräch kommen, sagen als zweites: „It’s too hot!“ Heiß finden wir es auch, aber wie buchen das unter Temperatursaldenausgleich. Noch geht’s uns gut damit.

Direkt vor dem Tor des Campingplatzes gehen Busse nach York, die haben wir mit Margits beruflich erworbener Routine mit Öffis entspannt nutzen können, nicht ohne die Wahrnehmung, dass die Manager offenbar eine gemeinsame Schulung mit den Kolllegen von der Deutschen Bahn gemacht haben.

Wir kamen direkt vor dem Stadttor an, Teil einer noch zu weiten Teilen vorhandenen Stadtmauer, vor allem aber wurden wir gleich daruf hingewiesen: Auf den Fundamenten eines römischen Stadttores errichtet.

York ist ein hübsches Kleinstädtchen mit viel alter Bausubstanz vor allem in einem Shambles genannten Quartier, in dem früher die Schlachter auf solchen shambles ihre frische Ware feilboten. Es gleicht dem Bremer Schrangen, ist nur VIEL durchkommerzialisierter.

Wenn man um die Ecke in die Ladenstraßen kommt, gibt es ein anderes Bild.

Klar gibt’s ein Castle mit wechselvoller Geschichte, schon ab 1068 auf einer normannischen Motte begründet,

von deren Dach hat man einen tollen Blick über die Stadt. und auf den hiesigen St. Peter.

der auch die längste Kirche England und wirklich hübsch, am spannendsten ist aber, dass unter der Krypta mit einem Heiligen, der heilig wurde, weil er so ein heiliges Leben geführt hatte, Ausgrabungen eines römischen Heerlagers gefunden wurden, die in der Präsentation zentimetergenau mit dem heutigen Münster abgeglichen sind. So etwas haben wir bislan, allerdings nicht annähernd so gut aufbereitet, nur unter dem Mailänder Dom gesehen.

Und jetzt sitze ich am Blog und freue mich nach all der kalten Regenzeit an so wunderbaren Bildern – gleich vor der Zelttür.

08.07.2026

Whitby und der Weg nach York

Heut endete der Teil der Reise, der wenigstens einigermaßen geplant war, auch wenn manchmal nur ein Schlagwort ein Ziel beschrieb. Je länger desto mehr waren auch die Umsetzungen des Reiseprogramms routinierte Impovisationen. Seis drum, ab heute sehen wir Abends nach: Wo sind wir denn morgen? Was kann man da? Wollen wir das oder nicht? Wo ist der nächste Zeltplatz?

Heute stand Whitby auf dem Zettel, 657 von einem der lokalen angelsächsischen Kleinkönige als Doppelkloster gestiftet, das unter seiner ersten Äbtissin, der Heiligen Hilde, schnell überregionale Bedeutung gewann. Nach der Zerstörung durch einen Wikingerüberfall 857 verfiel das Kloster und wurde erst 1077 neu begründet. Wie fast alle Abteien, die wir besucht haben, hatte sie eine wechselvolle Baugeschichte mit den drei Hauptakkorden: (Gründung als iroschottiesches/ angelsächsisches Missionskloster), Neugründung ab 1070 als normannische Infrastrukturmaßnahme, Um-, An- oder Neubau im 12. bis 14. Jahrhundert, Schließung durch den VIII Heinrich, Verfall. Manche wurden auch in eine City- Kathedrale umgewandelt.

Whitby war wohl so entlegen, dass sie nicht nur nach dem Wikingerüberfall, sondern auch nach Heinrich VIII einfach dem Verfall überlassen wurde. Das hat die Abtei allerdings schön hinbekommen.

Beim obligatorischen Gang durch den Shop wurden wir mit einer weiteren Skurrilität konfrontiert: Bram Stoker machte hier 1890 einen Urlaub und wurde von der „spooky“ Atmosphäre der Stadt und des Klosters zu einigen Aspekten von Dracula inspiriert. Es gibt sogar Bücher über Draculas Whitby. Uns fiel natürlich die Deutschordensburg Bram in Siebenbürgen ein, in der große Teile des Films gedreht wurden.

Anschließend haben wir mehrere Stunden mit der Suche nach einem Campingplatz verbracht, immerhin bei schönstem Sommerwetter. Offenbar ist York im Sommer ein beliebter Touristenort (Tagesticket für einen Parkplatz 22 Pfund), außerdem ist hier gerade irgendein Rennen, dessen Gäste offenbar die gesamte touristische Infrastruktur belegen. Immerhin beim vierten Versuch fanden wir einen hübschen Platz mit einer netten Besitzerin, die uns allerdings auch nur 2 Nächte anbieten konnte, weil offenbar auch sie für das Rennen ausgebucht ist.

Für morgen sind immmerhin 15 Sonnenstunden angesagt. Nach all dem Regen tut das gut.

07.07.2026

Durham oder nicht Durham…

Das war nicht der erfolgreichste Tag der Reise! Durham hat einen Ruf wie Donnerhall als eine der schönsten kleinen alten Städte Englands, die Kathedrale ist nach Meinung von 51 % aller dazu befragten Briten die schönste des Landes, und die Burg wurde gleich 1072 (sechs Jahre nach Hastings) errichtet. Weil wir im Hotel geschlafen hatten, mussten wir kein Zelt abbauen und waren entsprechend zeitig unterwegs.

Schon im Parkhaus und dann auf dem Weg zum Marktplatz wunderte ich mich, wieso hier so viele aufgeziegelte appetitliche Maiden herumliefen, auf dem Weg zur Kathedrale fielen uns dann auch die mit Anzug und Cape heraustaffierten jungen Männer auf, vor der Kathedrale gab es jede Menge davon, jetzt auch junge Frauen mit schwarzen und farbigen Capes und irgendwelchen farblich kontrastierenden Verbrämungen. Die alle nebst unschwer als Eltern und Geschwistern erkennbaren Mitmenschen machten mit dem üblichen grenzdebilen Lächeln Selfies von sich und anderen- da war was los.

Der Security- Mensch am Zuweg teilte uns dann mit, heute und morgen seien Graduation- Days in Durham, die Absolventen aller möglichen Studiengänge würden im Rahmen einer feierlichen Zeremonie in der Kathedrale Ihre Diplome erhalten. Bis 17 Uhr sei eine Feier nach der anderen, solange sei keine Besichtigung möglich.

Ein Geheimtipp eines City- Führers hatte Margit allerdings zu einem Schleichweg über den Kreuzgang zu einem Seiteneingang verholfen, der zwar auch bewacht wurde, aber die netten Security- Leute erlaubten wenigstens den Eintritt in das mit Glastüren abgetrennte Foyer.

Natürlich prickelt einen als erstes die wuchtige, geerdete romanisch- normannische Bauweise an, dann drängeln sich aber die Bildschirme vor, besser sieht man sie im südlichen Seitenschiff:

Dort wurden die Graduierten im Augenblick der Übergabe des Dokuments unter Nennung des Namens und der Fakultät dargestellt.

Von innen war nicht, also haben wir vom Kreuzgang den Vierungsturm eingefangen,

und von einer anderen Seite Hauptschiff und Westtürme.

Ein mächtiges und wuchtiges Bauwerk beeindruckte uns, aber, wie gesagt, von innen fiel aus. Denn als wir gegen 16:30 unseren Stadtspaziergang wieder hier enden ließen, hieß es bei der Security, vor 19:00 sei nichts öffentlich möglich, also haben wir uns enschlossen, ein Dach über dem Kopf zu suchen.

Leider war auch das Castle in die Graduierung eingebunden, dort trafen sich die Kandidat:innen m/w/d, also auch Fehlanzeige.

Immerhin konnten wir am Universitätsmuseum eine zauberhafte Bibliothek eines Chorherren aus dem frühen 17. (Zeit des 30-jährigen Krieges auf dem Kontinent) begucken. Dort liegt (im Keller unter Verschluss, weil schon einmal geklaut) eine der ganz seltenen ersten Folio- Ausgaben von Shakespeares gesammelten Werken.

Für seine Abteilungen hatte er ein starkes Ordnungsmerkmal gefunden. Anstatt zu schreiben: „Philosophe (der Antike) “ hatte er (natürlich fiktive) Porträtmedallions von Plato, Aristoteles und Epiktet oben an den Regalen anbringen lassen.

Weil wir anfangs noch gehofft hatten, um ca. 17 Uhr in den Dom zu gelangen, sind wir dieweil spazieren gegangen. Ehrlicherweise muss man sagen: Viel alte oder gar hübsche alte Bausubstanz gibt es in dem Städtchen nicht, darüberhinaus ist es auch erstaunlich klein. Es ist ein bisschen so, als ob man in Simmern auf dem Platz vor der Stefanskirche steht und in die Straßen darunter hineinsieht.

Zum passenden Abschluss des Tages haben wir auch im 3. Versuch keinen Campingplatz gefunden, der Strom für Zelte anbietet, so dass mein Akku gleich leer und der Blog für heute am Ende ist. Morgen freuen wir uns auf die Ruinen der Abtei in Whitby.

06.07.2026

Lindisfarne, Newcastle upon Tyne

Schon wieder so eine entlegene Ecke der Welt, die eine übernormale Bedeutung hat: Lindisfarne. Klingt erstmal richtig gut, fast elfisch.

Es gibt Orte, an denen man auch als beinharter protestantischer Realist das Gefühl hat, „als hätt‘ der Himmel (hier) die Erd still geküsst, daß sie im Blütenschimmer von ihm nur träumen müsst.“ Und wer seine Augen zum finalen Horizont erheben kann, spürt, dass die Seele hier „weit ihre Flüge aus“spannt, „als flöge sie nach Haus“. Ein solcher Ort ist Lindisfarne für mich, ein anderer die Hochebene von Tara, aber auch die Kirchinsel in Ratzeburg.

Mich fasste dieselbe intensiv – aufregende Be- Rührung an wie 2009, als wir zum ersten Mal dort waren.

So viel macht ein grauer Himmel aus, so wenig verändern sich alte Steine.

Lindisfarne ist, so sonderbar sich das anhört, ein in der großen Geschichte bedeutsamer Ort. Ich rede jetzt nicht von den iroschottischen Mönchen, die hierher neben dem Christentum auch Zivilisation und Kultur brachten, sondern, fast möchte ich sagen: Vom Gegenteil. Am 8. Juni 793 begann mit dem Überfall der Wikinger auf Lindisfarne (mit den üblichen Dreibastigkeiten, wie Siegfried Lenz so etwas aus Suleiken bezeichnet) die Ära der Wikingerüberfälle in ganz Europa. Hier erklang der Startschuss für eine fast 300 Jahre währende Zeit, in der man an dazu geeigneten Orten ständig damit rechnen musste, dass vor der Tür Leute standen mit dem Motto: „Kommst du in ein fremdes Land, verhau sie und beklau sie.“ (Torfrock) Die Wikinger zerstörten die Abtei und errichteten in England tatsächlich ein „Danelag“ (Raum dänischer Gesetzgebung) genanntes Phänomen. Für das Ende der Wikingerzeit steht nebst vielem anderen auch ein weiterer Ort, der den Norddeutschen unter uns wohlbekannt ist: Haithabu, diese Freihandelszone zwischen Nord- und Ostsee, Treene und Schlei. 1066 wurde der Ort von Slawen zerstört und erholte sich nie mehr davon. In England fand die Wikingerzeit ein Ende, als 1066 Wilhelm, Herzog der Normannen aus der Normandie, den aktuellen König ablöste.

Manche Dinge sind geradezu rührend. Gegenüber der Abtei ist eine fast genau so alte Gemeindekirche, der Maria geweiht, bis heute im Gebrauch, während Lindisfarne zum English Heritage gehört. Im Altarraum stolperte ich über diese etwas wunderliche Widmungstafel.

Am selben Tag, als ein Vertreter der Kirchengemeinde Trondheim aus dem dortigen Nidaros- Dom zur 1200 – jährigen Wiederkehr der Gemeinde in Lindisfarne diese Votivtafel überbrachte, alberte Margit in unserem norwegischen Ferienhaus in Begnadalen mit unserer neuesten Errungenschaft Leif herum.

Auch von so einem Ort muss man aufbrechen, die nächste Etappe war Newcastle upon Tyne. Auch dort waren wir mit unseren Jungs gewesen, BD wusste begeistert von der dortigen Skaterszene zu erzählen. Allerdings stellten wir damals schnell fest, dass der Ruf der „Geordies“ so heißen die Hiesigen im Vereinigten Königreich, völlig zu Recht bestand: Was die da sprechen, weiß keiner, aber Englisch ist es nicht. Als wir heut Abend im Hotel noch ein Feierabendbier tranken und es lebhafte Diskussionen über ein Tennisspiel in Wimbledon gab, stellten wir fest: So viel hat sich nicht geändert. Aber die Hotelleristin kann sich verständlich machen, wahrscheinlich ein Fall von Bevölkerungsaustausch.

Heute war unser Schwerpunkt das Ende des Hadrianswalles, der hier, sozusagen vor unseren Augen, auf den Tyne zuführte. Auf römisch heißt dieser Ort Segedunum.

Wir sehen (außer dm treuen Passat) die ergrabene knappe Hälfte einer römischen Garnisonsanlage am Ende oder am Anfang des Walles. Vorn mit dem sich abzeichnenden Atrium die Dienstwohnung des Kommandanten und seiner Familie, dahinter die offiziellen Diensträume für militärische und organisatorische Aufgaben, daran schließen sich Lagerräume an- „ohne Mampf kein Kampf“ war schon damals wahr, die restlichen Umrisse zeichnen Infanterie- und Kavalleriekasernengebäude nach, am wichtigsten ist allerdings das weiße Gebäude links: Die Bäderanlage. Auf dem Fluss kam Nachschub an Menschen und Material.

Was uns vorher nicht so klar war: Es gab eine Reihe von römischen Kasernenanlagen zur Unterfütterung des Walles. Die Meisten entstanden, um eine Art Vorwerk zu bilden, später wurden auch sie ausgebaut, als Antonius Pius einen zweiten Wall noch weiter nödlich veranlasste. Diese weitere Kaserne, auf römisch Arbeia geheißen, lag an der Einmündung des Tyne und sicherte die Flussmündung.

Die Anlage ist riesig und vermutlich vollflächig ergraben (in Segedunum ist vieles unter Straßen und Hafenanlagen verborgen.)

Wir haben uns durch einen Nachbau eines Tores in der Kasernenunfassungsmauer anlocken lassen.

Es ist nicht uninteressant, die Bauten in Originalgröße sehen zu können. Da bist Du ein armes, bemaltes Eisenzeitmännchen (vulgo Pikte) und stehst mit Deinem Speer vor so einem Turm, links und rechts auf die nächsten 122 km Mauer- Angriff keine so pfiffige Idee.

Spannend, aber auch erschreckend die nächste Rekonstruktion. Man sieht an den Grundmauern immer längliche Gebilde mit vielen Räumen. Da wohnten knapp 100 Mann, eine Centurie. Wie es sich gehört, hatten die Offiziere (Centurio, Chef über 100 Mann) etwas bessere Bedingungen (4 kleine Räume), die übrigen 99 Mann hausten mit jeweils 7 anderen in engen Kammern.

Römer sind sowieso kleiner… Wenn 8 Schlafplätze nicht reichen, muss eben etwas gestapelt werden.

Ein Tag voller Eindrücke.

05.07.2026

Rosslyn Chapel, Melrose- und Dryburgh- Abbey, Sir Walter Scott

Wenn man eine Reise vorbereitet, tauchen manche Ziele immer wieder auf: „Wie das schönste Beispiel x zeigt“, „anders als beim gleichzeitigen..“ Auf diese Weise kam die Rosslyn – Chapel auf die Liste, dazu noch günstig gelegen auf dem Weg von Edinburgh nach Lindisfarne. Was allerdings nie dabei stand: Fahrt da bloß nicht Sonntags hin. Erstens ist das eine aktive Gemeindekirche und vor 12 geht da gar nichts, und zweitens ist das Gebäude oben auf der Liste der „Edinburgh’s beautiful surroundings“ bei den Busunternehmern, und die häufen sich Sonntags, weil ihnen auch zwei Öffnungsstunden fehlen – keine Chance, da reinzukommmen, es reichte nur für ein Foto über Zaun und Mauer.

Der Blick und die Internetrecherche sagen allerdings auch: Außen noch schön schlicht, innen überladene englische Hochgotik. Also nächstes Ziel.

Sir Walter Scott (1771 – 1832) ist immer noch als der Erfinder des historischen Romans bekannt. Er war der erste, der bekannte historische Personen nach intensiver Recherche in ein fiktives Romangeflecht einband und auf diese Weise seine Leser in die Vergangenheit einlud. Ich weiß noch, dass wir in der Unterstufe seinen Ivanhoe lasen, Geschichten eines Ritters zur Zeit von Robin Hood und Johann Ohneland. Tatsächlich schwärmten sogar Goethe und Theodor Fontane von ihm und Washington Irving kam auf seiner Europareise vorbei.

Der Mann hat ein unglaubliches Geld gemacht, sich davon einen heruntergekommenen Bauernhof gekauft und daraus in ca. 30 Jahren ein Schlösschen entwickelt, das selbst ihn in den Ruin trieb. Dazu gehört ein riesiger Garten mit vielen Facetten, es gibt einen kleineren Nutzgarten, einen französischen Garten im Vorhof des Schlosses und jeder Menge Blumenbeeten entlang von Wegen und Mauern.

Auch von innen hat sich Scott ein Märchenschloss angelegt, das seinen Wünschen und seinem Geschmack entsprach, immerhin war er Sir Walter Scott. So ein Arbeitszimmer hätte ich auch gern gehabt…

Wohlgemerkt, das war sein Arbeitszimmer und wir sehen seinen Handapparat. In der Bibliothek gab es an prominenter Stelle (Stirnwand) eine Statue des bedeutendsten zeitgennössischen englischen Schriftstellers, ausgeführt vom besten und bedeutendsten englischen Bildhauer seiner Zeit. (An wen erinnert nur dieser Zungenschlang?)

Aber wir wollen fair sein: Es gab auch einen fast genauso großen Abguss der bekannten Büste des Speerschüttlers.

Unbedingt gesehen haben muss man lt. Reiseführern auch Melrose Abbay, nur ein paar Meilen weiter. Abgesehen davon, dass die zerfallene ehemalige Zisterzienserabtei außergewöhnlich pittoresk ist, soll dort das Herz von Robert the Bruce beerdigt sein, keiner weiß natürlich wo. Robert war, bevor er 1306 als der Erste dieses Namens in die schottische Königszählung einfloss, ein engagierter militärischer Freiheitskämpfer gewesen, und besaß damals noch mehr als heute einen Platz im Herzen der Schotten.

Ich vermute mal, dass die so ein Königsherz entweder direkt beim Altar oder im Chorraum oder in der Vierung beigesetzt haben, Heinrich der Löwe und Mathilde Plantagenet liegen in Braunschweig so, Heinrich II von England und Eleonore von Aquitanien jetzt in der Abtei Fontevraud.

Und noch ein „Das lohnt sich, da mal hinzufahren“ war in den letzten Tagen aufgetaucht. Auch in Dryburgh gibt es eine malerisch verfallene Praemonstratenser- Abtei, diese hat als Besonderheit den Sarkophag von Sir Walter Scott. Viel ist nicht übrig, aber immerhin ein bescheidenes Westportal (schließlich waren Abteikirchen keine Gemeindekirchen)… Im Hintergrund die südliche Vierungsmauer, davor, nur sehr schwach zu erkennen, die ersten Stufen der Nachttreppe ins Dormitorium oben.

Einigen von uns ist die nächstgelegene Praemonstratenserabtei wohlvertraut, Margit und ich sind gespannten und amüsierten Blicks durch die Ruine gestreift. Ein besonderes Fündlein war diese Nische.

Deklariert ist das als „book- cupboard“, auf die Rücksprünge im Mauerwerk zum Anbringen von Regalbrettern wird ausdrücklich verwiesen. Wir sehen also das Armarium, den Ort, an dem im Kloster die Bücher und Schriften gesammelt wurden. Wer, wie ich, das Privileg hatte, während der Sabbatical- Vertretung in Ratzeburg die dortige Bibliothek am selben Ort (Kreuzgang hinter der Tür bei Taufe und Sakristei) zu sehen, erkennt schon, dass es uns ohne Heinrich VIII besser ergangen ist.

Amüsant auch der Blick in den Kapitelsaal, den dier Kirchenführer wegen seiner Eleganz in den höchsten Tönen preist. Im Ratzeburger war während meiner Stippvisite dort ein oder zwei Male Kirchenkaffee, das fühlte sich anders an.

Aber auch „innen“ gibt es sehenswerte Reste, nach rechts hatten wir oben schon gespickt, links erkennt man die Torbögen zu den Ostkapellen der beiden nördlichen Seitenschiffe.

Wenn man sich da hinstellt, wo sich jetzt das Ehepaar aufhält und eine Kamera vors Auge nimmt, hat man folgendes Bild:

Der erste Blick fällt auf die Decke, die in der Tat so, wie sie ist, noch aus der ersten Bauzeit stammt, der zweite Blick gilt dem Doppelsarkophag, in dem Herr und Frau Scott beigesetzt sind.

04.07.2026

Edinburgh III

Schon wieder ein Tag mit fast nur Sonne, wenn auch bei starkem -immerhin erträglich warmem- Wind. Also haben wir uns erneut zum Holyroot- Palast aufgemacht.

Dieser Brunnen, dessen Wasser wegen der überbordenden Blumenpracht nicht zu sehen ist, wurde von Königin Viktoria zur Verschönerung der Anlage installiert. Er steht auf dem Schlossvorhof, im Hintergrund einer der beiden Türme, die Jakob V. 1528 zur Wehrertüchtigung des Schlosses bauen ließ. Besonders interessant ist der 2. Stock. Das Turmfenster gehörte zum Eßzimmer von Maria Stuart, das nächste Fenster zu ihrem Schlafgemach, und das dritte zur sogenannten Außenkammer, in der der 2. Ehemann von Maria Stuart mit einigen Kumpanen aus Eifersucht ihren Schreiber erdolchte und erdolchen ließ (26 Messerstiche, klingt wie die Horrorgeschichten aus der Presse). Im selben Raum hat sie sich immer wieder mit John Knox gestritten, weil der ihr die Teilnahme an katholischen Messen vorwarf.

Rechts von dem Brunnen steht aktuell ein Auto aus dem königlichen Fuhrpark, wir vermuten, es war der Rolls von Elisabeth, den Charles IV. anlässlich einer kürzlichen Gartenparty präsentierte.

Auch im Schloss waren Spuren des Aufenthaltes zu sehen:

Im Schloss durfte man natürlich nicht fotografieren, daher werden einige Bilder zuhause aus dem doch informativen offiziellen Touristen- Führer eingescannt und sollen die Eindrücke bereichern. So bleibt nur Text.

Klar, dass das Ganze ein Museum ist, allerdings eines, das gelegentlich revitalisiert wird. Da gibt es, wie könnte es anders sein, nebst vielem anderen einen Thronraum, ein Audienzzimmer und einen chicen Speiseraum. Im Führer gibt es ein Foto von Elisabeth II mit der damaligen Premierministerin Nicola Sturgeon im Audienzzimmer, heute vermissten wir im Speiseraum die silbernen Messer und Gabeln – die werden offenbar nach dem gestrigen Abendessen gerade gespült und poliert.

Die Bude ist voll und voller von Bildern aus der royalen Geschichte der Nutzung, von Robert the Bruce, zu dessen Zeit das bestimmt eine Burg aus Palisaden und Grassoden war, bis zu Elisabeth II. Gedanken, das intellektuelle Handtuch zu werfen, kommen spätestens, wenn nach Maria Stuart und ihrer Tante 2. Grades Elisabeth die Zeit kommt, in der Jakob VI von Schottland Jakob I von England und Schottland wird und deren Abkömmling sowohl der VII als auch der II sein konnten. Schon voriges Jahr in Frankreich (das waren die gleichen Figuren auf dieser Seite des Kanals) konnte ich die Knoten nicht entwirren und hatte den Eindruck, dieses royale Volk hatte nichts Anderes zu tun, als zu vö…, zu heiraten, und sich gegenseitig abzumurksen, um endlich neues Fleisch zum vö…, heiraten und abmurksen zu finden. O.k, ist Renaissance, aber trotzdem.

Wie immer ist es im Theater nicht nur nützlich, auf die Bühne zu blicken, sondern auch ins Publikum. Wieder sahen wir viele Leute wie uns (älteres Ehepaar mit teils wahrnehmbaren Einschränkungen, aber einer kultivierten Ausstrahlung), Schulklassen aus mehreren Ländern (auch aus Frankreich) vor allem aber jede Menge nett wirkender, gebildeter und liebevoll mit ihren Kindern umgehender Menschen, die qua Hautfarbe als Nichtschotten erkennbar waren, dazu eine große Zahl von Menschen, überwiegend, aber nicht nur jungen, auf deren Handies die von der QR- App aufgespielten Zeichen chinesisch oder japanisch waren.

Besonders gefreut haben wir uns auf die Ruine der Abteikirche.

Das königliche Schloss hatte zunehmend die Abtei verdrängt, teils überbaut, dennoch war die Kirche natürlich „sakrosanct“, sie bestand als Schlosskapelle weiter und wurde entsprechend zu Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen und sogar Begräbnissen genutzt, auch Krönungen fanden statt. In der Zeit, als auch Holyrood nicht mehr genutzt wurde, weil die royale Musik in Windsor spielte, verfiel die Kapelle. Nach vielen Jahren kam ein begabter junger Mann auf einer langen Reise durch England hierher und schrieb einem Freund:

„In der tiefen Dämmerung gingen wir heut nach dem Palaste, wo Königin Maria gelebt und geliebt hat. […] Der Kapelle daneben fehlt nun das Dach. Gras und Efeu wachsen viel darin, und am zerbrochenen Altar wurde Maria zur Königin von Schottland gekrönt. Es ist alles zerbrochen, morsch und der heitere Himmel scheint hinein. Ich glaube, ich habe heute da den Anfang meiner Schottischen Symphonie gefunden.“ (Wiki) Wir reden hier von Felix Mendelssohn- Bartholdy und seiner 3. Symphonie.

Jenseits der Kirche führt die Regie in die Gärten, nicht ohne den Hinweis, dass sie ein Herzensanliegen der II. Elisabeth waren. Hier wurden weitere Spuren der Abbaye eingekleidet.

Nach so viel Büldung war aber mal wieder Lebensgenuss an der Reihe. Ein erster Schritt war eine wärmende Schokolade (Kaffee ist hierzulande ungenießbar), dann ging’s zu einem Gin- Tasting, das Margit gebucht hat. Die Location ist die älteste Gin- Kneipe Edinburghs, dort gab es nach Auskunft des äußerst enthusiastischen Referenten schon in den 30er Jahren über 400 Sorten Schottischen Gins. Mehr ist nicht unbedingt besser, erkannte man damals, besser ist allenfalls besser: Also machte die Kneipe eine eigene Destille auf, die jetzt zu den ruHmreichsten (definitiv mit H!) des Landes zählt.

Wir wurden über Fertigungsprozesse, Rezepte und Genuss umfassend aufgeklärt, am Ende gab es eine wirklich bildende Verkostung.

und klar, dass wir eine gute Flasche mitgebracht haben. Wenn wir schon mal beim Genießen waren (klingt fast wie Urlaub-)), sind wir noch zu einem Abschiedsessen in Edinburgh gegangen: Typische Küche, SEHR bodenständig, aber angenehm sättigend.

Morgen früh geht es wieder auf die Straße, nebst manchem Anderen freuen wir uns auf einen Besuch bei Sir Walter Scott.

03.07.2026

Edinburgh

Am Ende gibt’s was Ernstes.

Heute wollten wir die Royal Mile von unten bis oben hochwandern und uns dabei viel Zeit zum Anschaun nehmen. Das erste Problem trat gleich an der ersten Station auf: Die Besitzer wollten ungestört sein.

König Charles III und seine Königin verbringen gerade ihre traditionelle Sommerwoche in Schottland, also hat der Pöbel keinen Zutritt. Mit der schönen Erinnerung an den Ostgiebel der alten Abtei, den wir wenige Minuten zuvor gesehen hatten,

machten wir uns auf den langen Marsch bis zum Castle, schon wissend, dass da auch dicht ist, weil völlig überlaufen. 2009 sind wir mit den Jungs noch ganz entspannt hineingewandert und haben uns auf dem Rückweg über die architektonische Barbarei namens Schottisches Parlament lustig gemacht. Das hätten wir heute immer noch tun können, wir sind aber, wie es die Pflicht uns befahl, das Kondensat schottischer Geschichte hinaufgestiegen, dabei begegnete uns bald dieses schmucke Beispiel für schottische Renaissance- Architektur.

Wenig später trafen wir auf diese Baustelle, das Haus, in dem wahrscheinlich möglicherweise John Knox, der Reformator Schottlands, gelebt hat. Der Mann hatte eine spannende Biografie, vom cleveren Kind armer Leute über eine katholische Priesterweihe nach einer Auszeit als französischer Galeerensklave folgte eine Ausbildung in reformierter Tradition (z. T. bei Calvin persönlich) zum lebenslangen Chefpriester an St. Giles, Edinburgh, (hieße auf dem Kontinent im Osten St. Äegidius).

Weiter auf dem Weg konnten wir lernen, was der gut gekleidete schottische Gentleman dieses Jahr zum Geschäftsessen trägt, apart die Allokation der Taschen für Handy, Flachmann und Autoschlüssel.

Amüsant und typisch, was einem an kreativer Provokation begegnet –

Dann kamen wir glücklich zu St. Giles, einer Kirche, die schon vor 1000 Jahren an diesem Ort gegründet wurde und, wie üblich, regelmäßig zerstört und neu aufgebaut wurde. Ganz im Osten findet man noch ein paar alte Säulen und vielleicht Wandstücke, der Rest ist 16./17. Jahrhundert, die Heimatkirche der schottischen Presbyterianer, geprägt von John Knox. Fast sympathisch wird er dadurch, dass er den liturgischen Heckmeck von Hochchor und Marientiedenkapelle rückstandslos entsorgt hat.

Die Engländer – und so gesehen sind auch Schotten tatsächlich Engländer- wären keine Engländer, wenn sie nicht jede Gelegenheit wahrnähmen, ihre Gotteshäuser in Heldenfriedhöfe umzugestalten. So gibt es hier tatsächlich, wirklich und wahrhaftig ein Kirchenfenster aus dem frühen 20., in dem der Dichter Robert Burns gewürdigt wird: Should auld aquaintance (etwa) be forgot and never brought to mind? Weniger ironisch hab ich auf das Epitaph von Robert Louis Stephenson reagiert, dessen Dr. Jeykill and Mr. Hyde ich als Schüler (o.k., die dürfen das) für das wunderbarste Stück englischer literarischer Sprache hielt, das mir bis dahin begegnet war.

Einen Block weiter an der Royal Mile findet man eine Eckkneipe, gegenüber einen Gang, die den Namen von Decan Brodie tragen, eines Schlossers und Tischlers und außerdem Stadtrates, der tagsüber eine hochrenommierte Stütze der edinburger Gesellschaft war, des Nachts aber als Einbrecher (schließlich hatte er den Leuten seine Schlösser verkauft) tätig war, um seine Spielsucht zu finanzieren. Klar, dass diese Geschichte Herrn Stephenson inspirierte.

Dann gab’s noch Zeit für ein Museum, wir besuchten das Schottische Nationalmuseum. So richtig prickelnd war das nicht, immerhin gab es einen piktischen Bildstein.

Pingere, pingo, pixi, pictum – so eine typische lateinerne Konjugation aus der Vokalbellernschule zeigt, wo zwar nicht die Leute, aber der Name herkommt: Pingere heißt malen, die Burschen waren großflächig blau tätowiert und brachten den Römern damit und mit ihrer kämpferischen Wildheit (es waren wohl Kelten) Respekt bei. Es gibt eine ganze Reihe von Steinen, die mit Symbolen oder als Buchstaben deutbaren Zeichen versehen sind, aber mehr weiß die Wissenschaft nicht zu sagen.

Ein spontaner Impuls von Margit gab uns um so mehr zu denken. Nach all der Lauferei in der Stadt hatte sie neben dem Ticket- Tresen Rollstühle entdeckt, die den Besucher:innen zur Verfügung gestellt werden und einen erbeten. Das wurde gern ermöglicht, und Margit nahm Platz. Plötzlich und unerwartet veränderte sich fast alles. Unglaublich! Meine schöne große, schlanke Frau hatte ihren Kopf plötzlich in Bauchnabelhöhe, sie musste für Augenkontakt nach oben blicken, ich nach unten schauen. Es fühlte sich an, als sei sie von jetzt auf gleich kleiner gworden, geschrumpft sozusagen. Es war nicht mehr so, dass ich beim Wandern hinter sie treten konnte und fragen: „Gehn wir jetzt ins nächste Geschoss?“ oder „Trinken wir jetzt mal einen Kaffee?“ Und es war auch nicht mehr so, dass wir miteinander von Vitrine zu Vitrine streiften. Weil Margit (für mich gefühlt) plötzlich langsam und sperrig geworden war, hab ich sie irgendwo abgestellt und mal geschaut, was interessant sein kann- und schon jetzt gesehen, dass die Auslagen und die Beschreibungen definitiv nicht „in Augenhöhe“ von Rolli- Fahrer:innen sind.

Jetzt ein Text von Margit: Da meine Beine schneller ermüden und ich immer Ausschau nach einer Bank oder einem Stuhl halte, dachte ich, wenn das Museum einen Mitnehmbaren anbietet, nehme ich den und probiere mal, wie sich das anfühlt. Der Schock war merklich. Von jetzt auf gleich war ich für die anderen Menschen nicht mehr vorhanden. Aus der Augenhöhe, aus dem Sinn. Man nahm mich nicht mehr wahr und wenn es eine Interaktion gab, lief sie über Uwe, als ob ich zu nichts mehr in der Lage sei. Ich befand mich auf Kinderhöhe und wenn Kinder das Gefühl so haben, wie ich heute Nachmittag, wundert es mich, dass es nicht mehr traumatisierte Kinder gibt. Die Tafeln der Artefakte waren für mich nicht zu lesen. Die Situation im Lift gruselig, die Leute stolperten über mich, ohne mich wahrzunehmen. Ich/wir waren immer ein Hindernis, zu breit, zu sperrig. Ich hatte uns ja mit der Idee ins kalte Wasser geschubst, ohne Vorbereitung etc. Aber ich fand es für meine eigene Wahrnehmung hilfreich. Ich werde anders mit Rolli Fahrer*innen und auch noch anders mit Kindern umgehen. Ein Museumsbesuch bisher lief bei uns so, dass wir beide die Ausstellungsstücke nach unserem je eigenen Tempo und Interesse anschauten. Wenn Uwe den Rollstuhl schob, blieben meine Interessen auf der Strecke und seine konnte ich nicht mitlesen. Also braucht es eine andere Kommunikation und solange es geht auch im Rollstuhl noch Eigenständigkeit. Beispiel: Uwe suchte nach dem Lift und parkte mich mit dem Rollstuhl halt gerade da, wo wir waren. Ohne dass er es wahrnahm, war es neben einer Guillotine. Für mich bekam das Ding Symbolwert, ich stand da in dem dunklen Raum allein neben einer Guillotine – das braucht kein Mensch. Also, wir merkten, auch die Entwicklung zu mehr Hilfsmitteln braucht eine intensive Vorbereitung und innere Schulung. Als Wahrnehmungshilfe, wie es anderen geht, die so leben müssen, war es perfekt.

02.07.2026

Von Inverness nach Edinburgh

Nachdem wir die Highlands mit all ihren Schafen, Bergen und Destillen wegen des dauernd erbärmlichen Wetters links liegen lassen, stellten wir noch vor der Hauptstadt der Higlands, Inverness, auf unserem Campingplatz fest, dass der Regen aufgehört hatte. Es war stürmisch über Nacht, aber unser Zelt war trocken geworden. Margit berichtete von einer Konversation mit einem Nachbarn in der Abwaschküche. „The wheather is not so bad this morning, is’nt it?“ „Yes, and it stopped raining!“ – „At least in the moment.“ Die kennen sich da aus, mit ihrem Wetter.

Vor uns lag ein ziemlicher Ritt, Margit hatte schon ein Hotel in Edinburgh gebucht. 300 km, dreieinviertel Stunde Fahrt, das ist trotz der immer wieder neuen Landschaft nicht besonders prickelnd. Interessanterweise sahen wir nach ca. 100 km ein sonderbares gelbes Gebilde am Himmel. Das Internet weiß alles und bezeichnete es als eine so genannte Sonne. Sie blieb uns den ganzen Tag treu, die trotzdem lebhaft tobenden Winde passten allerdings nicht zu dem, was Wiki unter Sonnenstürme beschrieb 😉

Anstandslos fanden wir am Stadtrand von Edinburgh unser Hotel und freuen uns jetzt auf drei trockene, warme Nächte. Und natürlich sind wir am späteren Nachmittag schon mal zum Scouten auf die Royal Mile gefahren, einem Straßenzug, der von der Burg bis zum Holyrood- Palast geht, wo Mendessohn die Idee für seine Schottische Synphonie hatte.

Außer dem Dudelsackpfeifer, der nach meiner Erinnerung schon 2009 dastand, trafen wir auch Statuen der lokalen Heroen, besonders prominent natürlich Adam Smith und David Hume, Moralphilosophen und Pioniere der Volkswirtschaftslehre, letzterer hat sogar den Königsberger zu seiner Kritik der reinen Vernunft inspiriert. Amüsanterweise zeigt die Deko der Statue einen Aspekt der Kritik an Adam Smith: Der hat doch einen Vogel, was hat Wirtschaft mit Moral- (Philosophie) zu tun?

Ein GANZ spannendes Phänomen begegnete uns beim Schlendern. Im oberen Drittel der Royal Mile, also im edelsten Teil, sahen wir schluchtartige Durchgänge zwischen den Häusern.

Erkennbar ist das die Edinburger Variante von Gängen, allerdings mit einem ganz anderen Profil. Auf Lübeck übertragen würden die zwischen der Breiten und der Königstraße liegen. Die Bebauung besteht auch nicht aus Ganghäusern, sondern aus richtig großen, bis zu dreistöckigen Gebäuden, teils auf kleiner, teils auf großer Fläche. Wer in Lübeck von der Rosenstraße durch Struß Thorweg zur Großen Burgstraße geht, sieht auf der rechten Seite von dem Häuschen von Steven bis zum Erwachsenenbildungszentrum der Awo vergleichbare Bausubstanz, allerdings sind die Gänge eng wie unsere, so dass das keine pittoreske Wohngegend ist.

Da es bekanntlich nichts gibt, was es nicht gibt, fanden wir dort in einem der Gänge an der Wand einer Kochschule aus dem 18. Jahrhundert zwei Rezepte aus der Lehrküche. Das schottische Nationalgericht Haggis ist offenbar eine Art Hardcore- Variante des Saumagens, ein Schafsmagen wird mit Schafsherz, Leber, Lunge, Haferflocken und Gewürzen gefüllt und gekocht…

modernen Geschmäcken zumutbarer scheinen Taubenklöße zu sein, wenn man die morgendlichen Krawallmacher durch Huhn ersetzt. (Challenge für Rika).

Wie gesagt, dies war nur mal scouten. Morgen starten wir in Holyrood, wandern die Royal Mile hinauf bis zum Castle und schaun mal, was zurückschaut.

01.07.2026

Von Stornoway nach Inverness

Gestern hatte ich noch in den Gewöllen von Stein und Eisenzeit herumgewühlt und heute fand sich bei der Recherche über Stornoway (neben dem S von Lewis) auf fast absurde Weise ein heftiges Stück 20. und 21. Jahrhundert. Die äußeren (bläulich) und die inneren (gräulich) Hebriden liegen in Schottland ganz hoch oben, so wie Föhr und Amrum in Deutschland.

Wir hatten noch etwas Zeit, bevor die Fähre aufs Festland ablegen sollte, also haben wir mal geschaut, was in Stornoway los ist oder war: Wenig, der Ort ist ungefähr so groß wie Ratzeburg oder Simmern, also gibts da nicht mehr als ein neugotisches Schlösschen und einen Hafen, bei der obwaltenden Kälte auch kein wirbeliges Straßenleben – aber einen kleinen Hinweis in der Abteilung „Geschichte“ bei Wiki. Berichtet wird, das 1919 kurz vor der Insel ein Schiff mit 200 demobilisierten Soldaten aus dem 1. Weltkrieg untergegangen ist. Weil es natürlich auch vorher schon Gefallene gegeben hatte, standen junge Frauen vor dem Nichts: Keine Hoffnung auf eine Ehe, auf Kinder, auf eine vertraute Zukunft. Folglich sind in jeden Jahren viele davon ausgewandert, nach Amerika, wie üblich.

Eine davon wird namentlich genannt, Mary Anne Macleod, 10. Kind eines Fischers und Krauters. Sie folgte dem Ruf der Hoffnung.

Einen letzten Blick wird sie auf den Hafen der Heimat geworfen haben, mit dem Schloss des Landlords und sich dann auf New York und die Freiheitsstatue gefreut haben. Seit Jahren hatte ich nicht mehr daran gedacht, in der Schule haben wir die Inschrift der Bronzeplakette der Lady Liberty gelesen, damals blieben die Halbsätze „Give me your tired, your poor… the wretches refuse of your teeming shore.“ hängen, mit denen als Suchworte „The new Colossus“ auftauchte:

The New Colossus

Not like the brazen giant of Greek fame,
With conquering limbs astride from land to land;
Here at our sea-washed, sunset gates shall stand
A mighty woman with a torch, whose flame
Is the imprisoned lightning, and her name
Mother of Exiles. From her beacon-hand
Glows world-wide welcome; her mild eyes command
The air-bridged harbor that twin cities frame.
„Keep, ancient lands, your storied pomp!“ cries she
With silent lips. „Give me your tired, your poor,
Your huddled masses yearning to breathe free,
The wretched refuse of your teeming shore.
Send these, the homeless, tempest-tost to me,
I lift my lamp beside the golden door!“

Emma Lazarus
November 2, 1883

Mary Anne Macleods Hoffnungen erfüllten sich durchaus, sie startete als Dienstmädchen und heiratete einen aufstrebenden Unternehmer, der es zum Millionär brachte. Ihr Sohn allerdings behauptete 2016, „dass eine Flut von Einwanderern, die schlecht bezahlte Jobs annehmen, die Löhne in den USA niedrig halten und die Erwerbslosigkeit hochtreiben würden und dass die Einwanderung solcher Wirtschaftsflüchtlinge deshalb reguliert werden müsse.“ (Wiki).

So kam es wohl, dass wir in einem der entlegensten Provinzkäffer der Welt in einer Seitenstraße in einem Schaufenster das folgende T- Shirt sahen:

Unglaublich, was einem beim Reisen so vor die Füße fällt!

Die Überfahrt war angenehm, der Campingplatz wollte allerdings für Zelte keinen Stromanschcluss zur Verfügung stellen, also haben wir bei typischstem schottischen Wetter

(so sieht ein Ort für männliche Notdurft gerade aus und so der Halteplatz einer fürsorglichen Ehefrau)

die Stunde von West nach Ost noch auf uns genommen und stehen jetzt auf einem sehr netten Platz bei Inverness. Wegen des elenden Wetters haben wir den Teil der Reise, der uns durch die Highlands und aufdie Orkneys führen sollte, gecancelt. Bessere Bilder von Scara Brae und den dortigen Steinkreisen kriegen wir jetzt definitiv nicht, und immer zwischen 9 und 15 Grad mit meistens nassem Zelt und klammen Klamotten zu reisen, ist niemals lustig, mit über 70 schon gar nicht.

Morgen warten, wir sind hier in Schottlnd, Macbeth und William the Bruce auf uns. Anschließend sind wir für drei trockene Nächte und zwei hoffentlich schöne Tage in Begleitung von Maria Stuart und Felix Mendessohn in Edinborough unterwegs.

30.06.2026

Lewis

Immer, wenn ich nachts wach wurde, hörte ich das leise Rauschen von Regen auf dem Zelt. Am Morgen war’s innen erfreulich trocken, das Zelt aber total nass. Von dem vielen Regen standen sogar Pfützen im Rasen des Zeltplatzes.

Die kamen nicht von ungefähr, so strahlte uns der Tag an, als wir die Inneren Hebriden (Skye) verließen, das änderte sich auch in den nächsten 2 Stunden nicht,

als wir auf den Äußeren (Harris & Lewis Island) ankamen. Einer der Gründe, sich an dieses Ende der Erde zu begeben, lag darin, dass wir hier noch nie waren, ein anderer ist mein nicht ganz kleiner Spleen mit der Globalisierung in Urgeschichte, Frühgeschichte und Altertum.

Man kann es kaum glauben, aber auf den Inseln, vor allem auf Lewis, finden sich zahlreiche megalithische Bauwerke (später mehr) und auch eine lange Reihe jüngerer aus Stein gestalteter Gebäude, Grabanlagen und Mahnmale. Und diese prähistorischen Anlagen waren schon im Altertum weltbekannt:

Diodorus Siculus (der von Sizilien) war einer der großen griechischen Historiker, der die erste Universalgeschichte der Menschheit schreiben wollte. Er war ein Zeitgenosse Caesars und ist berühmt für sein umfangreiches Quellenstudium (das er allerdings brutal plagiierte). Er war natürlich nie auf Lewis, das damals als eine Insel im Reich der Hyperboräer galt, greift aber einen offenbar bekannten Mythos über astronomische Bestrebungen und Kenntnisse in dieser Region auf.

Und in der Tat gibt es dort bei Calanais eine Stonhenge- Variante, die ebenfalls der Astronomie dient und die jahreszeitlichen (das Erntejahr betreffenden) Termine im Auge hat: Wintersonnenwende, Sommersonnenwende, Mondzyklen usw.

Auch dieses Bild ist, wie man an der Kleidung erkennt, bei schönstem Sommerregen aufgenommen, Es zeigt zunächst einen alle anderen überragenden zentralen Stein, möglicherweise war er schon lange vor dem Gesamtmonument am Platz und irgendwann hat einer gesagt: „Das edeln wir jetzt auf!“ Im nächsten Bauabschnitt kamen 13 Steine hinzu, die kreisförmig drum herum errichtet wurden, später kam eine Art Prozessionsallee nach Norden und drei strahlenförmig von der Anlage in alle drei verbleibenden Himmelsrichtungen abgehende Steinsetzungen. Teile der östlichen davon erkent man neben der Frau in der weißen Jacke.

Ganz faszinierend: Neben Calanais I gibt es ein volles weiteres Dutzend ähnlicher, allerdings kleinerer Anlagen, teils nur wenige 100 m entfernt.

Auch dies gehört zu den Themen, die zur Wiedervorlage im Winter beiseite gelegt werden.

Es gibt nämlich noch, ein gutes Dutzen Meilen nördlich, den „Dun Carloway“. Carloway ist dabei der Ortsname und Dun die Gattungsbezeichnung für wuchtige runde Türme, wie sie uns so nur in Schottland begegnen. Parallelen finden sich auf den Orkneys und in dem Areal zwischen Inverness und Aberdeen.

Aber das folgt morgen.

29.06.2026

Skye

„Diese Prinzessin treibt es auf die Spitze…“ las ich heute Morgen beim Scrollen durch die Info- Seiten, beim genaueren Hinsehen erkannte man Herzogin Kate mit Käppi, Outdoorjacke und Kapuze über dem Käppi. Im Rahmen einer Challenge ihres Krebs- Krankenhauses hat sie die drei höchsten Berge Großbritanniens bestiegen. Margit fragte: „Wo ist das denn?“ Ich machte das Zeltfenster auf und man sah live und in grauen Farbtönen genau dasselbe Schietwetter, den herabsprühenden Regen und die erbärmliche Sicht wie auf dem Foto. Es war am Ben Nevis aufgenommen worden, dem höchsten Berg Schottlands. Nicht einmal die hat vernünftiges Wetter!

Leider hatten auch wir es den ganzen Tag nicht, alle 10 Minuten änderte es sich, manchmal gab es kurze Zeiten, in denen die Sonne sogar richtig wärmte, meistens war es kühl und bewölkt, regelmäßig kamen kalte, stürmische Schauer dazwischen. Wenn wir auf einer Straße entlangfuhren, war alle drei Meilen anderes Wetter, als wir Abends die Reste einer mitelalterlichen Burg ansahen (ca. 1 km Hin- und 1 Rückweg) hatten wir den Wechselbefund zwei, drei Mal. Öde und gar nicht zum Verweilen einladend.

Jetzt sind wir auf der Hauptinsel der inneren Hebriden, Skye geheißen. Erstes Ziel war eine weitere Destille

Dann haben wir einen Campingplatz für unser Zelt gesucht, in der Bildmitte unter dem roten Dach und dem Autos steht es,

und dann haben wir uns noch auf den Weg zur typischen hebridischen Burg gemacht: Liegt auf einem Berg am Meer, hat einen enormen Ausblick und ist weitgehend frei von Nachbarn. Wenn die früher vorbeikamen, hatten sie immer ein paar Kumpels mit ganz langen Messern dabei. Jetzt ist das eine spektakuläre Ruine, und enorm zugig!

Noch ein paar Beispiele zum Thema Wetter und spektakuläre Gegend:

In die andere Richtung

28.06.2026

Ben Nevis

Es sind nicht die immer neuen Rekordmeldungen aus Deutschland, es sind eher die nassen und feuchten Tage und Näche hierzulande, die uns langsam mürbe machen. Auch ein Tag der so begint, kann um 21:00 Ortszeit 9 Grad Celsius mit Wind und Regen enden.

Unser Zelt hat einen mit Reißverschlüssen eingezogenen Boden, bei dem bildet sich durch die Nässe des Rasens von unten der Schuh ab, und unter z. B. den Koffern bildet sich über Nacht eine kleine Pfütze von Kondenswasser. Vier von fünf Wochen unter solchen Bedingungen schlagen auf die gute Laune, zumal bei Margit mehr noch als bei mir die Kälte auf die Knochen geht, und das tut ihr nicht gut.

Das hindert uns nicht, über Tag noch eine Besichtigung zu machen: Es war auch da kühl, aber immerhin schien noch die Sonne, als wir die Whisky- Destille Ben Nevis besichtigt haben.

Dies Bild ist zwar nicht sonderlich romantisch, weist aber auf gleich drei wichtige Aspekte hin. Da ist zunächst oberhalb des mittleren Baus in den Bergen die Konstruktion, die das Wasser aus der höchstgelegenen Quelle Englands (offenbar zusammen mit Regen und Schmelzwasser) sammelt und zu Tal bringt: Ein echtes Alleinstellungsmerkmal für Ben Nevis, zumal offenbar noch genug Regen übrigbleibt, um uns die Reisefreude zu trüben.

Der zweite wichtige Aspekt sind natürlich die modernen, großzügigen Produktionsanlagen. Hier wird einerseits eine 201 Jahre alte Tratidion der Familie MacDonald (klar, ist ein schottischer Clan, bis in jede Frittenbude hinein) fortgesetzt, andererseits ist seit den 80ern ein japanisches Konsortium eingestiegen und hat damit in seinem heimischen Portfolio ein richtiges Juwel für die PR- Abteilung.

Und drittens sind die Holzfässer von Bedeutung. Lt einem schottischen Gesetz muss Whisky mindestens drei Jahre im Holzfass reifen. Weil es so viele Fässer für so viele Destillen in ganz England nicht gibt, werden die gebraucht eingekauft, z. B. in Jerez de la Fontera und in Porto und jeweils angrenzenden Ortschaften, außerdem in Frankreich und sogar in den USA. Wenn also die ganz großen Kenner mit nachdenklichem Gesichtsausdruck außer dem „rauchigen Geschmack des schottischen Heideginsters“ auch noch die Anmutung von Vanille und einen subtilen Subtext von Lavendel herausschmecken, kennen wir nun das Geheimnis: Die überlagern den Geschmack von mediterraner Stieleiche.

Nach der Betriebsbesichtigung gab’s die obligatorische Verkostung, die natürlich die Unterschiede zwischen 5 und 10 Jahren Lagerung sowie aus einer Mälzung und Verschnitten schmeckbar macht.

Beim Abendessen haben wir darüber nachgedacht, den Rest der Reise etwas zu straffen. In den nächsten Tagen geht’s noch mal ins Unbekannte, auf die Hebriden und in die Highlands, ab dann aber wird’s redundant. Vieles von dem, was wir auf dem Reiseplan haben, ist uns schon mal im Sonnenschein begegnet.

27.06.2026

A nach B, Ben Nevis

Auf jeder Reise gibt es diese Tage, an denen der Weg das Ziel ist: Man muss ja dahinkommen, wo man sein will. Wir sind auf dem Weg zu den Hebriden, darum hat Margit heute den ganzen Tag auf dem Bock gesessen.

Irgendwo kamen wir an einem Schild vorbei „Welcome to Scotland“ und ab dann gab es eigenartige Déja vues: gleich hinter der Grenze fuhren wir durch Gretna Green, sogar an der (um die Tageszeit offenbar noch geschlossene) Schmiede des Ortes vorbei. Gretna Green ist nur für die Älteren unter uns ein Begriff. Als wir noch zur Schule gingen, tauchte in der Regenbogenpresse regelmäßig ein Bericht über irgendein prominentes Pärchen auf, das von einer Gesetzeslücke in Schottland Gebrauch gemacht hatte: Dort galt ein 1753 in London erlassenes Gesetz nicht, das für die Hochzeit von Minderjährigen die Zustimmung der Eltern erforderte. Im Gegenteil durften dort Kinder heiraten, wenn der Junge mindestens 14 und die Braut mindestens 12 Jahre alt war. Erst 1929 wurde das Mindestalter bei Hochzeiten auf 16 Jahre hochgesetzt. Hier waren wir 2009 mit unseren Jungs.

Der zweite Erinnerungssplitter stellte sich bei dem Verkehrsschild ein. 1988 explodierte über dem Ort in einem Flugzeug eine Sprengladung, die alle 259 Menschen an Bord in den Tod riß. Verantwortlich dafür war der Libysche Geheimdienst, der nach Aussage eines Ministers auf Anweisung des Staatspräsidenten Muammar al Ghaddafi gehandelt hatte.

Und noch eine Erinnerung tauchte aus den fast versunkenen Schultagen auf: By yon bonnie banks and by yon bonnie braes, where the sun shineth bright on Loch Lomond… inclusive Melodie, Obertertia, würde ich meinen. Auch hier wiesen erst Verkehrsschilder und dann der Augenschein auf das Gewässer hin. Den Sonnenschein haben wir ehrlich gesagt sehr vermisst, aber idyllisch ist es da (das wissen auch hunderte Touris, die trotz Schietwetter da herumwimmelten).

Der griese Wetter hat den Genuss am Ländchen einigermaßen beeinträchtigt, allerdings wird man es wohl für authentisch halten dürfen -)) Eindrucksvoll ist die Landschaft in jedem Fall, hier sind die hohen Berge Großbritanniens, hier sind die fast menschen- nicht aber tourileeren Landstriche, hier sind die freundlichen Menschen, deren Dialekt sehr viel englischer klingt als der in Cornwall und Wales.

Für dieses Bergmassiv halten die Touribusse und aus den SUV steigen Engländer:innen aller Farben zum Knipsen. Keine Ahnung, warum das „Three Sisters“ heißt, immerhin ist „der Berg“ doch maskulin.

Für Morgen hat Margit schon Tickets gebucht, wir wollen die Whiskydestille Ben Nevis besuchen. Den Probierschluck werden wir auf das Wohl von Björn- Dawid und Leif erheben, mit denen wir 2009 auch hier waren. Damals haben wir sogar auf demselben Campingplatz und nur knapp 80 m entfernt gestanden.

26.06.2026

Carlisle, Hadrianswall I

Nur ein paar Dutzend Kilometer nördlich des Lake- Distrcts ist England zuende. Im Westen ist letztes Haus an Grenze Carlisle, eine vermutlich keltische Gründung, die von den Römern übernommen und mit einem größeren Lager ausgebaut wurde. Nach dem Bau des Hadrianswalles sank Carlisle zu einer Art Garnisonsstandort herab.

Dann folgte das fast regelmäßige historische Schema: Nach dem Abzug der Römer „dark ages“, dann anglosächsische Kleinkönige, normannische Invasion und Neustart. In den folgenden Jahrhunderten war Carlisle ein Grenzort, als solcher unbedeutend, aber manchmal plötzlich total wichtig.

Und entsprechend bekam das alte befestigte Römerlager regelmäßig ein Update zur neuesten Wehrtechnik, Mauern wurden verdickt, mehrere Türme wurden verstärkt, weil die neuesten Kanonen noch schwerer waren als die alten, manches wurde ein bisschen kuschelig gemacht, weil die Könige, wenn sie schon mal in der Gegend zu tun hatten (meistens Friedens- und Grenzverhandlungen), wenigstens halbwegs den gewohnten Lebensstandard haben wollten. Dem schottischen König David I. hat die Burg wenigstens einen halbwegs kommodigen Sterbestandard geboten, während er von dort aus regierte, um Frieden verhandelte und Kriegszüge managte.

Ihre große Stunde in der Geschichte bekam die Burg, als Maria Stuart dort eine Zeitlang als politische Gangene einsaß. Der Turm, in dem sie mit ihrem Gefolge unter Hausarrest stand, wurde im Laufe der periodischen Umbaumaßnahmen bis auf ein paar Reste abgetragen, die aber immer noch signalisieren: Hier war das mal schön und wichtig.

Margit hatte als nächstes Ziel eine Klosterruine in Lanercost im Blick, die sie den Zisterziensern zurechnete. Allerdings erwies es sich, dass der normannische Begründer „zuhause“ schon gute Erfahrungen mit den Augustinern hatte, so dass er die castete. Das Gebäude ist auch ruiniert noch sehenswert und fest in den Händen der English Heritage, was uns ja immer den kostenlosen Zugang ermöglicht.

Von dort wurden wir direkt weitermotiviert nach Birdoswald, einem der Orte am Hadrianswall, von denen mit einem wuchtig positionierten und ausgestatteten Lager ein Abschnitt der Mauer kontrolliert und unterstützt wurde. Wieder fiel mir auf, dass der Satz „Man sieht nur, was man weiß“ eine enorme Berechtigung hat.

Im Vorbeifahren sah ich ein Gelände, das so aussah, als sei es mit einem Riesenkamm überzogen worden: 10, 15 m mit einigen parallel laufenden Wällen und Gräben, aber weit und breit nichts Gemauertes. (Reste eines Stückes vom Vallum, Sperrgräben, die Angreifern das Leben schwer machen sollten.) Und etwas später saß eine größere Gruppe frohgemuter Rentner (ohne -innen) auf einem ca. 8 – 10 m langen Stück Mauer, das da am Straßenrand einfach so rumstand. (Ein weiteres von zahlreichen unverbundenen Mauerstücken.) Dann begegnete uns am Straßenrand eine Steinstruktur, die genauso aussah, wie man sich das Fundament eines Turmes vorstellt, aber das Ding lag da einsam und verlassen in der Gegend herum.

Wie der Erklärtafel zu entnehmen ist, war die Struktur genau das: Einer der Wachttürme, von denen regelmäßig zwei zwischen den kleinen Kastellen standen, die alle römische Meile die Aufsicht und die Kontrolle über den Abschnitt gewährleisten.

Im Kastell, das ebenfalls in den Händen von English Heritage ist, fühlten wir uns beinahe wie zuhause: Es folgte erkennbar dem Bauplan, der auch in „Hartknott Roman Fort“ in den Höhenlagen des Lake- Districts angewendet wurde. Das ist kein Wunder, das war damals sozusagen „Römische Truppennorm“.

Die aktuelle Bemannung des Wachtraumes im Südportal lässt es angesichts der Temperaturen erkennbar an Einsatzbereitschaft mangeln.

Auch für den Hadrianswall gilt: Da muss ich noch mal gründlich nacharbeiten. Eigentlich gilt Hadrian ja als einer der minderen Caesaren, und mehr als die Mauer ist einem normalerweise nicht begegnet. Aber wenn man rumkommt in der Welt…

Das Theatre Maritimo in Tivoli bei Rom, ein auch ruiniert noch unglaublich schöner Baukomplex…

die Handriansbibliothek in Athen…

Ja, es gibt viel zu lernen und zu denken.

25.06.2026

Lake District: Römerlager, megalithischer Steinkreis, Schieferbergwerk

Derselbe Blick, am anderen Morgen. Nach einer kleinen Recherche zeigt er schon etwas Typisches, das uns den ganzen Tag optisch begleiten wird: Im Lake – District entstanden in den Eiszeiten sog. Trogtäler, mit allen über 3000 Fuß liegenden Plätzen in England (manche sagen auch Berge oder Hügel dazu).

Nach einer ausführlichen Anfahrt durch diverse „Trogtäler“ fanden wir „Hardknott Roman Fort“. Mit einem englischen Motorradfahrer kam ich ins Gespräch und fragte ihn, ob er Asterix kenne. „They ‚re mad, these Romans“. Wir waren uns einig. Wenn Hadrian (der war’s) damit hätte prahlen wollen, dass er nicht nur am, sonder im „Ende“ der Welt ein Fort gebaut habe, dann hätte er Hardknott anführen können und jede Gegenrede zum Verstummen gebracht. Hier sehen wir das Kernstück einer römischen Ansiedlung: Die Thermen.

Unsere nächste Station inspirierte nicht weniger zum Kopfschütteln.

Wir sehen durch das Südportal eines megalithischen Steinkreises auf das Nordtor am anderen Ende. Es fehlt jeder Hinweis auf ein „Henge“, eine Einfriedung durch Wall oder Graben – klar ist das jungsgeinzeitllich, aber mehr scheint nicht bekannt zu sein. Wie bei Hadrian: Am Ende der Welt ist ein Zeichen gesetzt, und niemand weiß, ob damals jemand eine Idee davon hatte, dass der Lake- District am Rande der bekannten Erde lag.

Das wussten die Besitzer der Schiefermine im Honister Pass genau,

Erkennbar in einem weiteren Trogtal gelegen, prahlt die Schiefergrube damit, die einzige aktive in Britain zu sein. Nach einem Betriebsende 1989 kaufte 1995 ein unternehmerisch gesinnter Mensch die Anlage und gab ihr ein prickelndes neues Profil.

Irgendwo wird da Schiefer abgebaut, verarbeitet und verkauft, aber das ist wohl nicht das Zentrum des Unternehmens. Das liegt in einer touristischen Erschließung der Abbauanlagen. Wir sind heute bei einer Führung mit 33 Leuten zu 25 Pfund Sterling (knapp 1000 €) durch eiskalte Schächte geführt worden und (ehrlich gesagt ziemlich schlecht) über die Geschichte und die Lebensumstände der Arbeiter unterrichtet worden. Außerdem gibt es am Ende der Führung einen Werbefilm, der zu Skywalks einlädt, im Grunde sind das „Seiltänzer-“ Workshops, daneben gibt es Climbing und alles Mögliche andere.

Ein Ziel fand dieser vielschichtige Tag in einem schönen Campingplatz am Ufer von einem der Seen, die dem District den Namen gegeben haben. Wir stehen am Nordufer des Derwentwater in Keswick.

Wenn diese schöne Frau sich umdreht, bleibt ihr kaum etwas Anderes übrig, als in meine Arme zu laufen.

24.06.2026

Liverpool, Lake District I

So kann ein Tag im Leben zweier Reisender aussehen:

Nach dem Zeltabbau und vor dem Startt in den neuen Tag…

Ein Trockendock, in dem schon Skavenschiffe repariert wurden vor den Beton- Glaspalästen, die nach dem Ende des alten liverpooler Dockgeländes gebaut wurden…

ein Blick in den Garten eines Schlosses im Lake District… und ein Blick aus dem Hotelfenster bei 27 Grad, eher im Norden des Lake Districts.

Erkennbar eine Fülle von Eindrücken, viele Sonden, die an Vergangenheit anglegt werden können, und vor allem: Viele neue Fragestellungen. Zunehmend beschäftigt mich die Industriepolitik von M. Thatcher, die einerseits etliche Fußangeln der Bewahrung von Überlebtem zerschnitten und entsorgt hat, andererseits in manchen Gebieten des vereinigten Königreiches eine Wirkung gehabt hat wie die deutsche Einheit in der Ehemaligen.

23.06.2026

Manchester, England, England…

Ein Tag, der sich fast nicht zusammendenken lässt.

Der Tagestrip nach Mamucium, lt Wiki keltisch römisch für brustförmiger Hügel, wobei wir sicher weniger an ein militärisches Sixpack denken müssen als an Mammografie, war geprägt von einer ungeheuren Spannweite an Eindrücken, Themen und Entwicklungen.

Wir kamen aus der Idylle und kamen an in einer architektonisch wild zusammengewürfelten Großstadt, ich kam mit inneren Bildern von Kindern und Frauen in Eisenbergwerken und fand flämische Tuchproduzenten im 14. Jahrhundert, in den Vitrinen lag ein Verkaufsprospekt von einer Sklavenauktion in Louisiana, den in Manchester nach dem Krieg erfundenen ersten elektronischen Speicher konnten wir bestaunen (Vorläufer des USB-Sticks) und den Rollstuhl von Stephan Hawking, der mit der lokalen Uni intensiv zusammmengearbeitet hat.

Ansonsten sind wir durch etliche Straßen gefahren, mit allem, was dazugehört, Schulen, Geschäften, Kirchen, Tankstellen – aber so etwas wie eine Stadt haben wir nicht gefunden, Agglomeration wäre wohl das richtigste Wort. Schwer begreifbar.

Und dann gibt’s da noch Friedrich Engels, der dort über 20 Jahre gelebt hat und mit seinen Analysen via Marx aus guten Gründen das entsetzliche Chaos vorbereitet hat, das der sog. Sozialismus auf der Welt angerichtet hat und Lebens- und Wirkungsorte von Emmeline Pankhurst, die mit ihren (weiblichen) Familienangehörigen den Kampf für das Frauenwahlrecht in GB immerhin erst 1928 gewonnen hat, das ging sogar im ehemaligen Preußen schneller. (Die Freiwilligen, die deren Wirkungsorte offenhalten, haben aber nur am Wochenende Zeit, so dass wir diesen Punkt gleich abhaken mussten.)

Wahrscheinlich sind andere klüger, ich hatte zum Thema industrielle Revolution immer die 40er Jahre des 19. Jahrhunderts im Kopf, eine Zeit, in der besonders in England Fabrikarbeiter mit ihren Familien dermaßen bis auf’s Blut ausgebeutet wurden, dass sich Gegenbewegungen bildeten. Schon in Wales war zu lernen, dass die ersten Arbeitsschutzgesetze in England 1832 erlassen wurden mit so menschenfreundlichen Gesetzen, dass Kinder unter 8 nicht mehr als 6 Stunden täglich arbeiten durften. Schon die Arbeiterwohnung in „The Big Pit“ bei Cardiff stammt von 1790, sie gehörte zu den Versuchen, die höllischen Arbeitsbedingungen erträglicher zu machen und zugleich die Arbeitskräfte über Wohnung und Companie- stores zu fesseln. Wiki redet von Aufständen un Plünderungen im Manchester des 1797.

Zur Dokumentation der erschwerten Arbeitsbedingungen wird ein Hilfsmittel ausgestellt: Der unermeßliche Radau in den Produktionssättten führte regelhaft dazu, dass die Arbeiter Hörschäden erlitten. Hier sehen wir ein Hörgerät aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, das solche Malaisen mindern sollte.

Ein spannendes und schreckliches Thema ist die Sklaverei. Auch Schiffe aus Manchester beteiligten sich an dem berüchtigten Dreieckshandel, bei dem billige Fertigprodukte aus Europa nach Afrika gebracht wurden, dort gegen versklavte Menschen getauscht wurden, die in die Karibik und nach den beiden Amerikas geschleppt wurden, von wo zunächst Rum und Zucker, später gigantische Mengen von Baumwolle zurückkamen. Die Händler wurden märchenhaft reich, Sklaven und Fabrikarbeiter lebten im Elend.

Aus dieser Quelle schöpfte übrigens auch Graf Schimmelmann, der Besitzer des Ahrensburger Schlosses, der außer der Rokokoausschmückung der Ahrensburger Schlosskirche, in der Margit und ich unsere Silberne gefeiert haben, auch einen aufstrebenden jungen Dichter gefördert hat, dem die Welt eine Standardschullektüre namens „die Räuber“ verdankt.

Langer Rede kurzer Sinn: Das ist zu groß für einen Blog, da werde ich mich einen Winter lang eindenken und einarbeiten.

P.S.: Nicht alle Leute sind Boomer, daher ein kleiner Hinweis: Die Ortsangabe oben „Manchester, England, England….“ ist natürlich eine Referenz an das Musical Hair, in dem der Song eine eindrucksvolle und bedrückende Szene begleitet.

22.06.2026

Chester

365

diese Zahl warf meine Tabellenkalkulation gestern Abend aus, als ich es endlich mal geschafft habe, die Liste zu vervollständigen, auf der vom 15. März 2022 bis zum 21. Juni 2026 alle Tage aufgeführt sind, die wir auf Auslandsreisen verbracht haben. Ich hab’s noch mal überprüft, es ist wirklich ein sonderbarer Zufall.

Natürlich haben wir meistens die erste und die letzte Nacht noch in Deutschland verbracht, bei Verwandten oder Freund:innen, um nicht gleich am ersten Tag mit 1000 km zu starten. Aber:

Ein volles Jahr unseres Lebens haben wir seit Mitte März 2022 auf Auslandsreisen verbracht. Die kleinen in den Naherholungsgebieten Travemünde, Leipzig, Nordheide oder Bayern sind nicht mitgezählt.

Heute führte uns unsere Auslandsreise ins idyllische Chester, wie erwähnt eine römische Gründung. Nach dem Abzug der Besatzungsarmee war da erstmal nix los, bis gut 200 Jahre später ein angelsächsischer König einen Ort gründete und eine Kirche baute, aber auch das mickerte vor sich hin, bis die Normannen den Ort als Grenzgarnison mit Burg und städtischer Infrastruktur begründeten. Richtig bedeutend wurde das nicht, und im Bürgerkrieg wurde vieles von dem, was da noch war, von Cromwells Truppen zerstört. 100 Jahre später wurde Chester zu so einer Art Industriebarone – Residenz, die in Manchester Geld verdienten, ihre Produkte in Liverpool einschifften und in Chester wohnten. Aus dieser Zeit gibt es noch einige Gebäude, die dann sozusagen stilbildend wurden: Hier ist Chester, hier bauen reiche Leute, aber gefälligst chic.

Es gibt eine ganze Reihe solcher Gebäude mit einem sehr speziellen Clou: Im ersten Stock gibt es – man erkennt es an den Geländerreihen- zurückspringende Galerien, die man zum Flanieren nutzen kann. Restaurants, Bäcker und Konditoren haben auf diesen Galerien ein paar Tische stehen, so dass man dort vor Sonne und Regen geschützt gemütlich sitzen und auf den Straßentrubel gucken kann, auch haben Geschäfte da ihre Auslagen.

Weil wir an einem heißen Montagmittag da waren, tobte das Leben (noch) nicht so. Der größte Teil der Stadt ist Fußgängerzone, so dass es mengenweise Straßengastronomie gibt. Hier konnen wir uns endlich den ersten Spritz gönnen, der traditionell seit 2019 in Coimbra zum Sommerprogramm gehört…

Anschließend sind wir noch ein Stück auf der alten Stadtmauer entlanggewandert, die über mehrere Zwischenstufen tatsächlich immer noch auf den römischen Fundamenten ruht und von der die Presseabteilung von Chester immer wieder betont, dass sie die einzige vollständig erhaltene Stadtmauer Englands sei.

Dann zog es uns wieder zurück zu den gemütlichen Rindviechern und einem schönen Sonnenuntergang.

21.06.2026

Birch Bank Farm

Die Kühe auf der Weide direkt neben unserem Zelt waren weiter entfernt von unserem luftigen Matratzenlager als die Lübecker Müllabfuhr in der Gröpelgrube von unserem Wasserbett. Vor allem haben Sie weniger Radau gemacht.

Beim Frühstück haben wir natürlich zuerst an unsere Tochter und ihren Geburtstag gedacht, uns dann entschlossen, heute mal nix zu machen, zur Ruhe zu kommen, mit Geraffel und Gedanken aufzuräumen und die Planungen der nächsten Stationen voranzutreiben.

So haben wir einen warmen, sonnigen und ruhigen Tag verbracht und das wenig Tun sehr genossen. Nun kommt Chester morgen, dann planen wir eine Tagetour nach Manchester. Die Baumwollspinnerei Ermen & Engels werden wir wohl nicht mehr finden, in der der Sohn des einen Eigentümers, der junge Friedrich, seine Ausbildung vervollständigte. Aber Wiki verheißt einige Museen und Gedenkorte für die Umbruchzeit im 2. und 3. Quartal des 19. Jahrhunderts.

Etwas eindeutiger ist die Möglichkeit, eine der Wohnungen von Emmeline Pankhurst zu besuchen, die für einen anderen Faden steht, dessen Anfang in Manchester geknüpft wurde.

20.06.2026

Conwy & Chester

Leider konnten wir auf dem Campingplatz nur eine Nacht buchen, also ging’s heut morgen gleich weiter nach Conwy.

Dort steht der letzte der 5 Castle- Neubauten, die Edward I errichten ließ, weitere 14 hat er den Walisern abgenommen oder bei seinen Verbündeten ertüchtigt und aufgebohrt.

Diese Burg sei seine schönste und auch architektonisch die qualitätvollste, die aus dem Mittelalter in England überlebt hat. Man kann das glauben, weil in der Kernburg noch alle Geschossdecken vorhanden sind und mancherorts, wie z. B. in der Kapelle, spürbar wird, dass diese Burg „gemütlich“ werden solle und vielleicht war.

Sowas Hübsches haben wir in den anderen Burgen nicht gesehen. Dass Edward mit der Burg „ernste Absichten“ hatte, merkt man auch daran, dass er wie in Caernarfon direkt an die Burg anschließend sogar von denselben Arbeitern ein großes Areal mit Stadtmauern umfasste und sicherte. Leider lässt sich das wegen der Weitläufigkeit nicht besonders gut fotografieren, andererseits ist unten alles, was nicht grün ist, innerhalb der Stadtmauer.

Das Bemerkenswerte daran ist, dass Edward – wie z. B. die Sowjets im Balticum, in Weißrussland und der Ukraine- in eroberten und beanspruchten Landstrichen eigene Bevölkerung ansiedelt, die dort eine Zukunft erwartet, die eigene Kultur mitbringt und zu implementieren trachtet und die den Herrschenden das Gefühl gibt, wenigstens „ein Stück weit“ zuhause“ in vertrauten Gefilden zu sein.

Rechts im Hintergrund sieht man die stadtwärts offenen D- Türme über die Bebauung gucken, aber viel ist da nicht erkennbar. Interessant ist die Kirche in der Mitte. Sie steht an der Stelle einer ehemaligen Zisterzienserabtei, die umgepflockt wurde. Teile der Turmfront, vor allem die hübschen und zierlichen Fenster, sind noch zisterziensisch. Die neue Kirche war nicht mehr Klosterkirche mit einer Ecke für die Nichtmönche, sondern, heut würden wir sagen, Gemeindekirche.

Einer unserer lieben Freunde sagte vor der Reise ein bisschen ironisch, er freue sich wieder auf viele schöne Bilder von Margit mit ihren blauen Sommerkleidern. Ich hab mal nachgeguckt: In diesem Blog trägt Margit beharrlich ihre blaue Funktionsjacke. Seit gestern Abend hat immerhin der Regen aufgehört (wie lange?) und tags scheint die Sonne, aber von kuscheligem Sommerwetter sind wir noch weit weg.

Dann ging’s zurück nach England, next station Chester. Schon der Wiki- Artikel macht Lust auf diese römisch gegründete (Castra) und seither stetig bewohnte Stadt. Von den Römern ist nicht viel übrig geblieben, außer einem Blick in einen Kellerraum mit der (symbolischen) „Garnisonskasse“ , etlichen Überresten im lokalen Museum und ein kleiner Park mit – wie unsere Kinder sagen würden „random“ Funden. Einzig wahrnehmbar ist das Amphitheater, das tatsächlich beeindruckt. Eigentlich sind „Amphi“- Theater ja zwei Theater, die einander so gegenüberliegen, dass die typische Gestalt erscheint.

Hier allerdings ist erkennbar nur eine Hälfte ausgegraben und die andere überbaut. Ein Teil des Geländes und nicht wenig der bearbeiteten Steine wird von einer St. John- Kirche genutzt, die als zweite oder dritte an diesem Ort die Überwindung der römischen und später anglosächsischen Okkupation abbildet. Johannes als Stammheiliger ist immer ein Hinweis auf Alter, weil sein Job ja das Taufen war und er also den ganz frühen Missionaren ein leuchtendes Vorbild. Besichtigen konnten wir die Kirche nicht, weil es der Gemeinde an Freiwilligen fehlt, die sie offen halten können.

Die waren offenbar zahlreich an der Kathedrale von Chester tätig. Auf dem Weg dorthin schlenderten wir durch den wirklich ganz besonders schönen und eindrucksvollen Ort.

Dies Foto soll Appetit machen, morgen mehr.

Dies Lego-Modell zeigt eindrucksvoll, dass auch diese Kathedrale riesig ist, und mit den üblichen Bauphasen aufwartet: Kirchenschiff mit Ostwand, später angebaute Vierung mit Turm und Chor, noch später die Marienkapelle. Anfangs spürte ich eine leichte Irritation beim Blick auf das Gebäude. Die Farbe ist, wie sich das für einen Norddeutschen gehört, ein kernige Ziegelrot. Die Anmutung ist also vertraut. Je näher man aber kommt, desto mehr irritiert, dass das gar keine Ziegel sind, sondern aus ortsnahen Steinbrüchen herangeführtes Material – dasselbe, das schon die Römer nutzten.

Wenn so eine Kathedrale mal Abbaye war, gibt es einen Kreuzgang mit dem entsprechenden Innenhöfchen.

In Zeiten der Klöster waren das dürre Orte, an denen die Mönche beim Herumgehen die Probleme der Welt bedenken und lösen konnten, wenn der Bruder Infirmarius (Chef der Heiler) Kräuterfex war, grünten dort die Heilkräuter, manchmal findet man ein Brünnlein zum Händewaschen vor dem Gottesdienst. Heutzutage sind die Kreuzganghöfe oftmal wahre Paradiese des Blühens und der Ruhe. Hier in Chester gibt es offenbar Ehrenamtliche, die 10 grüne finger haben.

Dann begann der Abenteuerurlaub des Tages. Der erste Campingplatz wollte keine Leute mit Zelt, beim zweiten war absolut keine Rezeption zu entdecken, beim dritten war nicht erkennbar, wo man sich anmelden könnte. Wir fragten einen anderen Camper, der sagte, der Bauer sei wohl gerade bei der Arbeit und komme wieder. Wir haben uns dann einen schönen Platz in der Nähe einer Steckdose gesucht und aufgebaut. Als wir schon beim Abendessen waren, mäandrierte ein älterer Mann auf uns zu, bei dem wir dann erstmal für zwei Nächte buchten.

Teils (sehr) schlichte Campingplätze gibt es in GB oft an Bauernhöfen. Dazu zählt dieser, die Sanitäranlagen sind in einem kleinen Schuppen. Küche, Waschküche und solchen Luxus gibt’s nicht, aber der Rasen ist eben und gut gemäht, es ist nicht besonders voll und ansonsten die schiere Idylle. Ich fühle mich fast wie in der Kindheit in Hohenhorst. Direkt neben dem Stellplatz ist eine Weide, auf der Rinder laufen, sogar ein Bulle ist dabei – niederschwellige Zucht. In den modernen landwirtschaftlichen Produktionsstätten, die nicht mehr BauernHOF heißen, wie früher, sondern „Betrieb“ geht das anders.

Wir haben beschlossen, hier ein paar Tage zu bleiben, Tagesausflüge zu machen und vor allem: Weiter zu planen.

19.06.2026

Caernarfon, Anglesay

Was für eine hübsche Idee! Im Erdgeschoss des königlichen Wohnturms in Caernarfon gibt es eine Zeitleiste vom späten 11. Jahrhundert (Nachfolge des Eroberers) bis ins späte 14. Jahrhundert (Konsolidierung) mit (ausgedachten) Statuen der handelnden Personen.

Während man am Boden die Chronologie der Ereigneisse nachvollzieht, findet man sich immer wieder face to face mit den Heroen: Links in der Ecke William I, etwas reserviert dargestellt, weil sein unpräziser Umgang mit der Erbfolge zweihundertfünfzig Jahre Schlamassel verursacht hat, links von mir einer der Marching Lords, der mit seinem Gaul zur nächsten Schlacht eilt, in der Mitte Johann Ohneland mit kleiner abgebildeten walisischen Prinzen.

Caernarfon war nach Harlech die zweite von vier Burgen, die Edward I wie eine geballte Faust im Grenzbereich des noch zu erobernden Wales anlegen ließ, und es war die Größte.

Auf der runden schwarzen Fläche im gegenüberliegenden Teil der Burg wurde 1959 Charles, als er noch nicht König, sondern erst Prinz war von seiner damals noch erstaunlich jugendlich wirkenden Mutter Elisabeth II zum Prince of Wales ernannt, damit war er der erste seit 1301. Damals ernannte König Edward I. seinen dort geborenen Sohn Edward zum Prinzen of Wales, um sozusagen einen Nagel in den Boden zu treiben. Wohlgemerkt: die meisten anderen Kronprinzen trugen denselben Titel, sind aber nicht hier „geweiht“ worden.

Das Castle ist trotzt heftiger „Gebrauchsspuren“ wunderbar erhalten, vor allem zeigt es, mit welcher enormen Kreativität der Mason in Chief den Auftrag umgesetzt hat: Bau hier mal was, das unseren Anspruch auf Wales unterstreicht, tunlichst nicht zu erobern ist und außerdem einigermaßen gemütlich, wenn wir mal hier sind.

Für den König war der Eagle – Tower vorgesehen, der ziemlich zu Baubeginn angelegt wurde. In der Mitte eines jeden der drei Geschosse war ein runder Raum, unten: Empfangsraum, drüber Raum für (Arbeits-) Essen, oben Schlafzimmer und Homeoffice. Das Geniale an dem Entwurf: Die Mauern sind besonders stark ausgelegt, teil laufen in ihnen Gänge und Treppen. Um die zentralen Räume sind zunächst Nebenräume angelegt (man kann der Flucht rundum folgen) dann folgt eine weitere Mauer und der Zentralraum.

Bemerkenswert, dass nicht gleich am Anfang, aber sehr bald ein „Watergate“ angelegt wurde, über das schnell und unbemerkt Boten eingelassen werden konnten, die direkt mit dem Boot ankamen.

Die Mauer, die sich links anschließt, ist übrigens die gleichzeitig angelegte Mauer für die Stadtbevölkerung, die zur logistischen Unterstützung der Burgbewohner erforderlich war. Da wurde groß und zügig gedacht.

Schon bei der Fütterung des Navi fiel Margit zum Glück auf, dass das Schiefer- Museum vorübergehnd geschlossen ist. Besonders kränkte uns das nicht, weil der Regen schon in der Burg lästig geworden war Also machten wir aus auf den Weg nach Anglesay, der Druideninsel, wo es auch eine Burg zu bestaunen gibt.

Kurzexkurs zum Thema Burgen: Weil Wales als letztes Rückzugsgebiet bei sämtlichen Invasionen (die Kelten waren die ersten, dann kamen die Angelsachsen, die Wikinger, die Normannen und später gelegentlich die Franzosen) sowohl defensive als auch offensive Logistik brauchte, finden sich jetzt auf dem aktuell als Wales bezeichneten Gebietes (nur 1/6 größer als SH) Spuren von mindestens 600 Burgen. Immerhin noch 100 davon sind auch für Leute sichtbar, deren Augen nicht von einem Archäologiestudium geschärft sind, Ein paar Dutzend von denen machen genug her, um sie als touristisch erschlossene Ziele zu vermarkten.

Dazu gehört auch Beaumaris (guter Marsch), die älteste Bauruine der Welt. Auch sie wurde von Edward I. geplant und veranlasst, allerdings fehlte ihm bald wegen eines Feldzuges gegen die Schotten das Geld, aler er ein Dutzend Jahre später wieder bei Kasse war, wurde zwar weitergebaut, aber nur halbherzig und nach seinem Tod gar nicht mehr.

Beaumarais ist als Wasseschloss angelegt, mit umlaufendem Burggraben und zudem mit einer ganz umlaufenden Mauer. So entstand rund um die Burg ein Zwinger, in dem Feinde von den reichlich vorhandenen Burgtürmen hätten bekämpft werden können.

Weil das wehrtechnologisch damals hypermoderne Bauwerk niemals fertiggestellt wurde, ist es auch nie bekämpft und zerstört worden. Innen macht das Hauptgebäude einen großzügigen und schönen Eindruck. Das ganze mit Farbe und Butzenscheiben wäre schon enorm eindrucksvoll.

Man kann nicht nach Wales und vor allem nach Anglesay fahren, ohne dieses Foto zu machen.

Trotz des trüben Wetters erkennt man das Bahnhofsgebäude mit dem längsten Ortsnamen mindestens Europas. Ausgedacht hat sich den ein lokaler PR- Stratege, als die Bahn gebaut wurde. Das war ein Alleinstellungsmerkmal und so gab es EINEN Grund, da mal hinzufahren und anzuhalten. Tatsächlich hat das funktioniert (klappt ja bis heute, sie dieser Blog) und das Kaff ist ein Touri- Hotspot. Mir kommt das so ähnlich vor wie Kim Kardashian. Nichts macht diese Frau irgendwie bedeutend, im Netz stand mal zu lesen: Ist berühmt, weil sie berühmt ist. Der Trick hat also schon vor 150 Jahren in Wales funktioniert. Die ganz Eifrigen können Nippes kaufen (oder im Netz nachsehen), um zu erfahren was das heißt: „Marienkirche in einer Mulde in der Nähe des schnellen Wirbels und der Tysiliokirche bei der roten Höhle“. Klar, muss man unbedingt hin.

Wir sind nach genügend Zeit, ein paar Fotos für den Blog zu machen, bei Nieselregen weitergerauscht zu einem weiteren unglaublich aufregenden historischen Ort:

Dieser Teich / See liegt mitten im Land bei Llyn Penryn herum und ist eine eisenzeitliche Opferstätte! Beim Ausbau eines benachbarten Flughafens der Royal Air- Force wurde am Boden des Sees alles möglich alte Zeug gefunden, eine Sklavenkette mit sechs Halsringen, absichtlich verbogene Schwerter und Bronzepötte, Münzen und Gebrauchsgegenstände, die von den Archäologen in die Zeit von 200 vor bis 300 nach datiert wurden. Gefunden wurden auch Reste vonverbranntem Holz und Knochen mit Wunden, die von Zähnen herrühren können und Teile eingeschlagener Schädel. Ob hier Verbrennungen von Toten oder Menschenopfer mit eventuell sogar Spuren von rituellem Kannibalismus vorliegen, wird heiß diskutiert, ebenso, die Frage, wie man sich so einen Opferplatz wohl vorstellen kann. Gab es kultische Gegenstände wie Altar oder Statuen? Die Funde sind in Cardiff zu besichtigen.

Mir fielen die beiden Holzidole im Museum in Gottorp ein, die ebenfalls au s einem See geborgen wurden Da lohnt sich wohl auch Recherche.

Tatsächlich war das Ende der spannenden Sehenswürdigkeiten noch nicht erreicht. Weiter ging’s nach Brynn Celli Ddu, wo uns eines dieser steinzeitlichen Sonnenobservatorien erwartete. Die Anlage ist nicht besonders groß, hat aber eine Bauweise, die uns schon einmal begegnet ist. Hier zunächst die mickerige Variante…

Wir sehen eine Steinumwallung (einen Henge!) und dahinter eine megalithische Anlage, die von einem Hügel geschützt war. Innen ist das nach Art einer Allée couverte angelegt mit einem Zugangstunnel und einer (Grab?- Kammer. Die Ausrichtung ermöglicht es, das letzte Licht des Sonnenuntergangs am Mittsommertag in die Kammer zu leiten. Bilden sich da erste Ideen von Zeitlichkeit und Ewigkeit ab, die mit dem Licht in Austausch kommen? Weiß keiner. Jetzt aber die Super- Deluxe – Anlage desselben Entwurfes:

Wir sehen eine (verantwortlich!) restaurierte gleiche, aber viel größere Anlage in Newgrange nahe der Ostküste Irlands, lt. Navi knapp 200 km entfernt und mit der Autofähre in 3 Stunden 25 min zu erreichen. Noch überraschender (aber schon ziemlich speziell, geb ich ja zu): In Brynn Celli Ddu wurden Megalithen mit eingravierten Mustern gefunden.

Auch in Cardiff zu besichtigen, in Newgrange gib es da einen noch viel chiceren Altarstein zu bestaunen.

Und jetzt noch die Druiden: Wir können mindestens in Wales (wie auch in Stonehenge) damit rechnen, dass Esoteriker und Neuheiden morgen Abend da rumtanzen werden und die Druiden beschwören oder sogar imitieren. Das ist hanebüchener Quatsch! Die späteren Anlagen der Megalithkultur stammen von ca. 2000 vor, hier reden wir von Steinzeit. Dann kommt die Bronzezeit ab 2000 vor bis ca. 500 vor, dann ab ca. 1000 vor die Eisenzeit. Die zeitlichen Asymmetrien erklären sich natürlich aus Verbreitungswegen. Wenn 1000 vor irgendeiner in der Tiefebene nördlich des Kaspischen und des Schwarzen Meeres die Eisenverhüttung erfindet, ist das noch lange nicht in Wales. Die Druiden sind Kelten, also Eisenzeit.

Die wesentlichen Kenntnisse über diese Männer verdanken wir dem Universalgelehrten Gaius Julius Caesar, der in seinem De Bello Gallico nach intensivem Literaturstudium bei Poseidonius erläutert, dass die Duiden Männer aus der politischen Elite waren, die sich mit Philosophie, Kunst und Religion auskannten.

Zwar wird man unbedingt sagen müssen, dass das Druidentum zur Zeit von Caesar und Poseidonius (noch) in hoher Blüte stand, aber genauso gilt: Keiner von denen hat jemals einen davon auch nur aus der Ferne gesehen.

18.06.2026

Harlech, Snowdonia

Wie gesagt, 2009,

waren wir mit Björn und Leif auf einer Englandreise, viele der Ziele, die wir jetzt berühren, haben wir damals auch gesehen. Darunter war eine Whisky- Destillerie in Schottland, deren Produkt „The famous Grouse“ wir heute Abend in dem Hotel gefunden haben, in das uns das scheußliche Wetter getrieben hat.

Unser Hotelchen ist ein Phänomen eigener Art, Typ: Ehemaliges Wochenendhaus einer SEHR wohlhabenden Familie, das irgendwann zum Wohnhaus wurde und nach Auszug der Kinder eine superedle Form von B& B anbietet. Wir sitzen gerade in der Bibliothek mit – klar-haufenweise Büchern, darunter ein Stapel National Geographic, vor allem aber Familienfotos vom schulischen und beruflichen Werdegang der Kinder. Das Ganze natürlich vertäfelt und mit einem Kamin mit Sichtmauerwerk aus behauenen lokalen Steinen.

Eigentlich trinken wir gar nicht so gern Whisky, aber der 18. Juni ist immer einen wert: Heute wäre Margits Mutter 113 Jahre alt geworden. Wir haben auf ihre Erinnerung angestoßen.

Obwohl der Tag trocken und beinahe sonnig startete, änderte sich das bald. Unser erstes Ziel, die Burg Harlech, haben wir noch wolkig begucken können, aber bei der Fahrt durch das Naturschutzgebiet Snowdonia um den namensgebenden Berg herum wurde es immer schlechter, nebeliger und zuletzt regnerischer.

Harlech ist eine der Festungen, die zuerst gegen die aufmüpfigen Waliser angelegt wurde, dann eine Zeitlang von denen beherrscht und schließlich von den englischen Königen durch Regionalfürsten ertüchtigt und beherrscht wurde.

Früher war die Küste noch sehr viel dichter an der Burg, sie muss eindruckvoll ausgesehen haben, wenn man sich von See in böser Absicht näherte. Dass es etliche Leute gegeben hat, die das getan haben, zeigen die Harlecher in einem Seitenraum des Haupttores: eine Auswahl steinerner Kanonenkugeln, die bei den Renovierungen gefunden wurden.

Nächstes Ziel sollte Tre ‚ r Ceili sein, eine steinzeitliche (nicht eisenzeitliche, dazwischen liegen mindestens 2000 Jahre) Hügelfestung mit etlichen originalen Häuserfundamenten und sogar nicht nur kniehohen Wandstümpfen.

Leider liegt die Hügelfestung, wie ihr Name sagt, oben auf dem Hügel, und den haben wir uns bei dem Wetter und angesichts unseres Erhaltungszustandes nicht zugetraut. Also haben wir uns auf den Weg zu einem Schiefermuseum gemacht, das bei unserer Ankunft aber leider schon geschlossen hatte. Dann haben wir uns eben ein Zimmer gesucht, sind essen gegangen, haben auf Oma Martha angestoßen und freuen und jetzt auf ein warmes Bett. Das folgende Foto „Alter Mann, Blog schreibend“ wird auf Wunsch meiner Eheliebsten eingefügt.

Morgen geht’s nach Caernavon, ins Schiefermuseum und auf die Druideninsel Angelsay.

17.06.2026

St. Brynach , Vorgeschichte

2009 waren wir zuletzt hier, mit BD und Leif. St. Brynach ist einer der Heiligen aus der angelsächsischen Zeit, vor Hastings, wie gestern St. David. Ihm ist diese Kirche geweiht, die wohl auch schon in seiner Zeit (vor 700) einen hölzernen Vorgänger hatte. Auch damals gab es- logisch – einen Friedhof, und auf einem der Gräber wurde ein Stein errichtet, von dem ich ein Detail vergrößert habe. Der Kern des aktuellen Baus stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Bei den parallelen Linien an der Ecke, ca. 50 cm unterhalb der Spitze, handelt es sich um Ockham – Schriftzeichen. Weitere sind in der Kirche anzutreffen, in Syntax und Inhalt ähneln sie den Runenzeichen auf wikingischen Grabsteinen: „Paul setzte diesen Stein für seinen Vater/ Gefährten Fritz, der hier oder dort starb.“ Diese sSchriftzeichen sind der Grund, zu diesem St. Brynach (es gibt dutzende Kirchen mit seinem Patrozinium) zu kommen. Kulturgeschichtlich eingeordnet handelt es sich bei Brynach und Consorten um christliche Kelten, was so ungewöhnlich nicht ist, hat doch immerhin der Apostel Paulus denen einen Brief geschrieben, allerdings lebten die in der türkischen Provinz Galatrien. (Für Insider: Auch in Galataseray Istanbul leben die Burschen fort und spielen einen ordentlichen Fußball.)

Die Kelten geistern durch die Geschichtsbücher als Volk, das zwar eine eigene (Hallstatt-) Kultur zustande gebracht hat mit sehr ansprechender Gebrauchskunst (Latène, nimmt Jugendstilelemente vorweg), aber keine Schrift kannte. Diese Schriftzeichen in der Kirche (natürlich eine am Ort gefundene Grabplatte aus der noch keltischen Zeit) und auf dem Grabstein relativieren solche Aussagen. Der Rückweg zum Auto durch die stimmungsvoll- mystisch wirkende Allee uralter Eiben rundete das Bild von einem sehr besonderen Ort ab.

Bei unserem Urlaub in Portugal 2019 (Margit hat damals noch gearbeitet) hat in einem vertrockneten Flusstal mit Steinritzungen (überwiegend steinbockartige Tierherden) von ca. 25.000 vor ein Fremdenführer eine Bemerkung gemacht, die mich seither nicht mehr losgelassen hat: „Ähnliches finden Sie in Skandinavien und auf dem Balkan.“ Auf die Frage eines Bsuchers, wie das denn angehen könne, sagte er: „Nicht nur Waren sind von den Händlern verbreitet worden, sondern auch Gedanken und Ideen.“

Wer jetzt mal die ganz große Europakarte aufzieht und zur britischen Isel guckt, sieht links unten einen Zipfel: Cornwall. Etwas darüber ist eine Beule: Wales. Da sind wir gerade und blicken bei Harlech auf den Atlantik. In den nächsten Wochen werden wir zu den Hebriden kommen, da wird meine Landkarte schon grau, weil das Inseln auf dem Weg nach Island sind. Mehr Ende der Welt geht nicht.

Und dann lächelt einen da in Pentre Ifan dieser schmucke Cromlech an.

Der Deckstein ist ein Bluestone, der aus demselben Steinbruch stammt wie die Bluestones in Stonehenge. Von hier sind es 13 km mit dem Auto. Weil wir nicht davon ausgehen können, dass die Jungs in der Steinzeit das Trumm in der Luftlinie über die teils richtig hohen Berge und Hügel gewuchtet haben, wird der Transportweg sicherlich etwas, aber nicht viel kürzer gewesen sein. Nach Stonehenge sind es 278 km, hier gehen die Archäologen davon aus, dass die Steine große Teile der Strecke auf dem Seeweg transportiert worden sind, am Ende vielleicht sogar bis vor die Stonehenger Haustür den Avon hinauf. Der Steinbruch in Carn Meini war also so etwas wie ein steinzeitliches Carara!

Unklar ist, wie fast immer, wozu der Cromlech diente. Die nächstliegende Vermutung ist dann „Hühnengrab“, exponierte Stelle für immer wieder belegte „Familiengräber“. Hier fehlen allerdings die auch nur kleinsten Knöchelchen. Im Vordergrund liegt ein weiterer, erkennbar abgeflachter, also bearbeiteter Stein – vielleicht gehörte er zu einer größeren Grabanlage. Wir lassen die Archäologen respektvoll beim Spekulieren zurück und wenden uns ihren Kollegen in Castell Henllys Iron Village zu.

Wer Iron Age Hillfort in die Suchmaschine eingibt, kriegt außer diesem Hügelfort auch das in Otzenhausen in Rheinland Pfalz, gleich um die Ecke beim Hunsrück. Hier, am Ende der Welt wurde um etwa 600 vor auf einem vorhandenen Hügel (der sich als Historiker outende junge Mann sprach ernsthaft von einem „spur“, auf dem das Dorf angelegt worden sei. Spur = Sporn, da sind wir bei den Spornburgen an allen Ecken und Enden der Erde. Schon die eisenzeitlichen Strategen suchten sich Orte, von denen sie weit gucken und eventuellen Feinden was auf den Kopf schmeißen konnten.

Hier wurde ein vorhandener Hügel durch die beim Nivellieren der oberen Spitze überflüssigen Erde mit einem Ringwall umgeben, der vermutlich eine Holzpalisade trug und mit einem Tor gesichert wurde.

Wie viele vorgeschichtliche Anlagen ist auch diese erst Ende des 20. Jahrhunderts gefunden und ergraben worden, jetzt befindet sich dort eine Art steinzeiliches Schulungszentrum, sehr zugewandt und liebevoll bespielt. Wir haben ein Stück einer Führung durch den schon erwähnten jungen Historiker mitgemacht, der über Pfostenlöcher und Steigungswinkel bei Reetdächern referierte, sehr eindrucksvoll. Die sind für die „Rekonstruktion zur Veranschaulichung“ zu den „Thatchers“ gegangen und haben gefragt, wie Reetdächer funktioniern. Bei zu viel oder zuwenig Steigung führen die kein Wasser ab, also gab es Winkelfenster, Gewichte des nassen Materials, die eine Mindestsparrendicke erforderten… Spannend.

16.06.2026

Pembroke Castle, St. David

In manchen Mails klingt eine unterschwellige Frage mit: Wie geht es Euch eigentlich da? Das Konzept war ja, dass wir nach Margits Diagnose dem alten Spruch folgen: „Du kannst dem Leben nicht mehr Zeit geben, aber der Zeit mehr Leben“. Damit sind wir ja sowieso ganz gut, aber jetzt soll der Satz eine Art basso continuo sein.

Nun, erstens läuft es wirklich ziemlich gut. Aber: Wir haben großes Pech mit dem hiesigen Sommer. Wie die Briten so sind, sagen sie: „So ein Wetter kannst Du immer mal haben, trotzdem kommt der Sommer dieses Jahr besonders spät.“ Richtig schönes, richtig schönes heißes und sonniges Sommerwetter hatten wir nur drei Tage lang in London (3 Tage Ende Mai), angenehm sonnig war es auch nur drei Tage am letzen Wochenende. Ansonsten: Tag und Nacht Regenschauer bei Temperaturen zwischen 10 und 15, selten mehr und ausnahmsweise auch 20 Grad.

Zwar kriegen wir das Zelt fast immer ziemlich trocken ins Auto, aber z. B. die Handtücher sind dauerhaft klamm. Außerdem geht die Kälte auf die Knochen. Die Treppen in den historischen Gemäuern waren schon bei der Konstruktion schwierig, nach jahrhundertelangem Gebrauch oder sogar planmäßigem Vergammeln geht es enorm auf die Knie, da wieder hinunterzuklettern. Für uns beide ist eine auch körperlich anstrengende Lebensweise bei den Temperaturen und der dauernden Feuchtigkeit anstrengend. Bei mir äußert sich das in mehr Pausen bei hohen Treppen, bei Margit nehmen wir schnellere Erschöpfung wahr: Sie tänzelt nicht mehr ganz so locker die Treppen hoch und blickt gelegentlich ihrem Ehegreis auf die spiegelnde Kopfhaut, sondern sie geht langsamer, braucht häufiger eine Bank und machnmal eine stützende Hand. Beide werden wir Abends schneller und stärker müde. Das ist normal für Leute unseres Alters, würd ich mal denken, aber wir hatten bislang andere Standards. Allerdings verstärkt die klamme Kühle um uns herum diese Phänomene erheblich.

Wir machen nichts anders als in den Jahren zuvor, klettern auf Hügel, erklimmen Treppen (und kommen da auch wieder heil herunter). Aber, bei Margit noch mehr als bei mir, fordern Alter und Krankheiten (ALS, Herzinsuffizient und Knie) Entschleunigung bei Strafe von Schmerzen. Oder: Altwerden ist nichts für Feiglinge.

Diese Gedanke und díe damit verbundenen Gespräche haben ihre Zeit beansprucht, daher nur noch einige Blitzlichter. Klar, dass wir auch heute on tour gewesen sind, heut gibt es aber nur ein paar Blitze.

Das Castle des Tages hat dem Ort Pembroke den Namen und eine ziemliche Bedeutung in der englischen Geschicht gegeben.

Wer dieses trutzige Tor aus der 3. Bauphase (14. Jahrh.) durchschreitet, blickt auf die eigentliche Burg, schon im 11. Jahrhundert über einer Holzburg erbaut und im 12. auf den modernen Stand gebracht.

Erbaut wurde sie zur Eroberung des westlichen Wales von einem der dort „Marching Lords“ genannten normannischen adeligen Eroberer, die hier ihr Vermögen vermehren wollten, später war das Gemäuer ein Sitz für einen Regionalmagnaten. Einer von denen war William Marshall, der einzige Ritter der nach damaliger Erzählung über 350 Tourniere siegreich bestanden hat (alle, an denen er teilgenommen hat) und der sogar den Löwenherzigen geschlagen hat.Ihm verdankt die Burg den ungeheuren Donjon, angeblich den größten Europas, mit einer steinernen von oben bis heute begehbaren Gewölbedecke.

Die Welt verdankt ihm aber mehr, er gehörte federführend zu denen, die zusammen mit anderen Magnaten (den „Baronen“) seinem alten Kumpel Johann (Bruder von Richard und immer als der „ohne Land“ bezeichnet) die Magna Charta abtrotzte. Wir haben ja eines der letzen vier in Salisbury besichtigt, ein anderes haben die Pilgerväter auf der Mayflower mit sich geführt. Als sich die amerikanischen Provinzen vom Joch der englischen Krone befreien wollten, fand sich die Magna Charta noch im Archiv ihr Inhalt und Duktus floss in die Declaration of Independence ein. Das interessante Thema „Niemand steht über dem Gesetz, auch der König nicht“ sollte am 4. Juli nicht vertieft werden, sonst gibt’s Sonderzölle.

Außer all dem und sehr vielem mehr legen die in Pembroke großen Wert darauf, dass auf dem Schloss (es ist umstritten, ob in einem der bewohnbar gemachten Festungstürme oder in einem Gebäude im Burghof) ein Knabe geboren wurde, der als Henry VII der erste Tudor – König werden sollte.

Margit und ich haben uns hinterher sehr amüsiert. Unser Guide war offenbar ein studierter Geisteswissenschaftler, der mit Zahlen und Namen und „the Helen of Wales“ nur so um sich schmiss, einige Teilnehmer gingen unterwegs immer wieder verloren. Wir waren uns hinterher einig, dass wir ca. 95 % von dem, was er gesagt hatte, anstandslos verstanden haben. Das geht uns an jeder Ladentheke anders, da reicht es manchmal nur für den roten Faden. Das Englisch, das die uns in Bad Segeberg und Simmern beigebracht haben, ist offenbar so eine Art Hochenglisch für Hochgebildete.

Next Station: St. David’s, das so ziemlich an der Spitze der Halbinsel liegt, die Wales am weitesten nach Westen ausstreckt. Der Mann war ein lokaler Heiliger, der schon im 6. Jahrhundert eine Kirche und ein Kloster begründete, das einer der „Marching Lords“ dann normannisch überbaute.

Dieser Teil sei, bis auf die Decke, noch im Urzustand, jenseits der Chorschranke beginnt der erste Anbau, der übliche Hochchor, dann folgt, wie auch schon mehrfach beobachtet, ein „Zwischenraum“ sozusagen als Westwerk des Gegenchors eine kleine Kapelle und dann die Ladies Chapel. In einem Seitenschiff liegt – angeblich- einer der walisischen Anführer, die als Gegenkönige den Normannen das Leben schwer gemacht haben.

Der Ort ist jetzt finstere Provinz, außer der Kathedrale gibt es hier weit und breit nichts, daher fehlt es erfreulicherweise offenbar auch am Geld, die historische Würde wegzurenovieren. Sehr gut erkennt man die Bauphasen.

15.06.2026

Cardiff Castle & Caerphilly

Dieses Castle ist eine unglaubliche Anomalie! Wer sich auf den Weg macht, geht erstmal längere Zeit an Mauern mit regelmäßigen Türmen entlang, die an Teile der Stadtmauer Splits in Kroatien erinnern. Auch das Format fühlt sich vertraut an: Die Burg bedeckt eine Fläche von 200 x185 m, in Split sind es 215 x 180 m. Ziemlich genau dasselbe Format hatte die Kaserne in Caerleon, so dass wir die Maße wohl als eine Art Normalvorlage aus dem römischen Qualitätshandbuch für militärische Einrichtungen ansehen können. Hier in Cardiff wurde in der Römerzeit viermal gebaut, alles jeweils auf den Resten des Vorherigen. Die Reste der letzten Anlage wurden bei einer der zahlreichen Renovierungen und Restaurationen gefunden, die Familie Bute durchführen ließ. Und weil man gerade so gut in Fahrt war, wurde die Römermauer unter Integration der alten Teile kurzerhand aufgebaut.

Auch sonst kannte die Familie wenig Skrupel, ihre Spleens auszuleben. Das (ohne Mauer) nicht als Burg, sondern als Schloss darstehende alte Herrenhaus wurde mehrfach überplant, Ende des 19. mit einem Architekten, der einen Gotikfimmel hatte- entsprechend wurde „wieder zurückgeführt“, „kongenial ergänzt“ und mit modernen Möglichkeiten das Altmodische ins Bild gesetzt.

Vorgabe der Butes war, dass jeder Raum innen ein eigenes Profil haben sollte. So kamen proportionsignorante Scheußlichkeiten wie „the arab room“ zustande…

Falls man zu sagen versucht wäre: „Alhambra lässt grüßen“ würde ich eher sagen: Dazu zeigt die Alhambra den Mittelfinger. Mehr Geschmack wurde in der Bibliothek an den Tag gelegt. Es gibt fünf solcher Nischen mit unterschiedlichen Themenkreisen.

Zur Burg, als sie noch Burg war und nicht Schloss, gehörte natürlich ein Donjon als letzte Fluchtburg.

Der Donjon liegt auf einer Motte (so heißen die künstlich aufgeschütteten Hügel für Befestigungen), die auf die Normannische Eroberung zurückgeht. Bilder (Gemälde, Zeichnungen) des Donjon auf der Motte aus dem 18. und 19. Jahrhundert machen deutlich, dass nichts von dem, was wir sehen, wirklich alt ist, schon gar nicht normannisch. Auch hier hat sich Familie Bute als Rekonstrukteur der Vergangenheit, die eine Form von phantasierter Gegenwart ist, gezeigt.

Hier muss ich noch etwas nacharbeiten, den Führer haben wir erst heute gekauft. Das gilt auch für das nächste Gebäude.

Caerphilly, mal gerade 13 km entfernt, gehörte auch Familie Bute, zuzeiten hat sie auch daran herumrenoviert.

Die haben da einen schiefen Festungsturm, von dem sie stolz vermelden, er sei noch schiefer als der in Pisa. Stimmt nach meiner Erinnung genau. Auf dem Bild ist eine etwa anderthalbmal überlebensgroße menschliche Figur zu erkennen, die irgendeinen der 3., 4. oder 5. Marquess von Bute zeigt, der den Verfall aufhalten will.

Auch diese Burg ist eine der zahlreichen, die direkt nach der normannischen Eroberung angefangen und wenig später fertiggestellt wurden. Eigentlich jedesmal, wenn wir eine der „Sehenswürdigkeiten“ im Süden des Vereinigten Königreiches betraten, war zu lesen: Wurde schon 106..7, 8 oder 9 von diesem oder jenem Lehnsmannn des Erobereres in Besitz genommen und als Burg befestigt. Genauso haben sich diese Burschen regelmäßig über die vorhandenen Kirchen hergemacht und unter Absingen selbstbeweihräuchernder Lieder eine neue Kircheninfrastruktur „in Angriff genommen“.

Auch in Caerphilly tauchte eines Tages ein französischer Adeliger auf und erklärte, das sei jetzt seins. Der bisherige Besitzer konnte das nicht gleich einsehen und kam im Folgejahr mit ein paar schwerbewaffeneten Kumpels, vertrieb die französischen Normannen und zertrümmerte an der Burg, was er konnte. Der neue Besitzer konnte das nicht einsehen und kam im Folgejahr…. und baute weiter.

Caerfilly ist angeblich die zweitgrößte der englischen Burgen und war damals an der vordersten Front der Festungsbaukust- auch dazu kommt morgen mehr, weil ich es noch nicht geschafft habe, den Guide durchzulesen.

Das muss ich morgen auch noch recherchieren: Angeblich wohnten ein roter und ein weißer Drache unter dem Burgberg, hier ist jetzt das Drachengehege, zu dem Eltern ihre Kinder bringen. Ach ja, wer kennt das noch: „Puff, the magic dragon… : Dragons live forever, not so litttle boys.“

14.06.2026

Tintern Abbaye, Blaenavon Eisenwerk, Big Pit

Eine schöne romantische Perspektive ist das erste Bild des Tages:

Zu sehen ist die Nordostecke der Vierung in der Zisterzienserabtei von Tintern, die zweitälteste dieses Ordens (1131) in England. Wie viele andere habe ich allerdings bei Tintern ein anderes Bild vor dem inneren Auge…

Ich muss es wohl zugeben: William Turner konnte 1794 eindeutig besser fotografieren als ich. -))

Jede dieser zahlreichen (bei uns entsteht der Eindruck: zahllosen) Abteien hatte logischerweise ihr sehr eigenes Schicksal, Tintern wurde, wie es sich für Zisterzienser gehörte, tief in der Einöde und in der wünschenswerten Schlichtheit errichtet. Auch die Grundelemente des Bauschemas sind zu entdecken. Die Abtei hatte allerdings viele Länderein und einen hyperaktiven Sponsor, so dass sie schon nach gut 150 Jahren (1301) in der jetzt erkennbaren noblen französisch geprägten Gotik quasi neu erbaut wurde.

Dann ging die Kirchengeschichte ihren typischen Gang, Aufhebung 1538, Verkauf, Plünderung, Verfall, in der Romantik kamen dann Leute wie Turner vorbei und lenkten das Augenmerk auf die pittoresken Ruinen, späterhin entstanden Denkmalsbehörden und -listen. Deren Nachfahren machen gerade Nägel mit Köpfen und eine denkmalgerechte Restauration. Ein deutlich schöneres als das aktuelle Bild der Ruine findet man übrigens bei Wikipedia.

Wales ist immer, auch unter englischer Dominanz, eine eigene politische, wirtschafliche und emotionale Provinz gewesen. Selbst William mit seiner schönen Frau und den lieblichen Kindern ist noch: Prince of Wales“. Im House of Parliament hat es garantiert immer geheißen: „Those over there in Wales…“ versus „As a Welshman I say…“ Heute würden wir von einer walisischen Identität reden, die den Einwohnern eignet (e) und von den Hausgenossen im United Kingdom zur Kenntnis genommen wird.

Dieser Vorspann ist für das Folgende wichtig, es folgen nämlich einige beinahe unglaubliche Fakten.

In einem Agrarstaat entsteht der größte Teil der Wirtschaftsleistung aus der Landwirtschaft, dort arbeiten auch die meisten Menschen. In einem Industriestaat findet die Wertschöpfung entsprechend im technisch- industriellen Bereich statt.

In diesem Sinne war Wales die erste Industrienation der Welt! 1850 arbeiteten mehr Menschen in der Industrie als in der Landwirtschaft. Auf der Druideninsel Anglesay war die größte Kupfermine der Welt ansässig, und sie war nicht die Einzige. 1845 wurde 55% allen Kupfers der Welt in Wales geschmolzen, zwischen 1855 und 1913 wurde Cardiff zum größten Kohleexport- Hafen der Welt. In dem Ländchen, mit 20.000 Quadratkilometern wenig größer als Schläfrig- Holstein (17.000), gab es in dieser Zeit bis zu 620 Kohleminen.

Hier entstanden Arbeitsplätze, natürlich auch durch Zuwanderung aus England („das sind die Leute, die kein Walisisch sprechen und die heimische Leitkultur nicht verstehen“) und es entstanden teils märchenhafte Vermögen. Am Ende waren es die weltweiten Umwälzungen der neueren Zeit, die dem walisichen Eigenleben ein Ende setzte. Kohle als Energieträger Nr. 1 wurde zunehmend durch Öl und Gas ersetzt, neue Marktteilnehmer traten auf den Plan: China für alles, Australien und Polen für Kohle, Südamerika für Kupfer usw. Da die weitflächigen Stillegungen vor der Wahrnehmung der Klimakrise erfolgt waren, traten ökologische Fragestellungen in den politischen Kämpfen noch nicht auf.

Viel Text, musste jetzt aber sein.

So sieht einen hier in Wales die Vergangenheit mit leeren Augen an. Nicht mehr mit Eisen oder Seelenheil wird hier Geld verdient, sondern mit Eintritt und Cafés.

Die vergangene Industriekultur ist seit einigen Jahren erkennbar ein Thema geworden. Wir haben in Blaenavon eine Produktionsstätte für Eisen und eine Kohlenmine besucht. Gerade für Norddeutsche, die nur touristisch unter Tag fahren, war das sehr beeindruckend. Das gesamte Areal, zu dem auch ein paar andere historische Zeugnisse gehören, ist Welterbe.

Als eine der Folgen der Aufklärung erhielten die Wissenschaften und ihre Konzepte erhebliche Aufmerksamkeit und lösten massenhaft neue Ideen aus. Außer der „reinen“ Forschung und dem „reinen“ Denken kam ab ca. 1750 ein im Wesentlichen neuer Gedanke auf: „Was kann man damit?“ Es entwickelten sich Nutzanwendungen, die, sowie sie in der Welt waren, ein Eigenleben entwickelten: „Was der sich ausgedacht hat, ist Klasse. Ich hab noch eine bessere Idee…“ Es wurden Nutzanwendungen entwickelt und mit immer größerer Geschwindigkeit optimiert. Der Fachausddruck dafür ist „industrielle Revolution“, die ihre Initialzündung in England hatte, besonders tatsächlich in Wales.

Interessanterweise ist eine der bedeutenden Entdeckungen genau hier in Blaenavon gemacht worden, ein Thomas Gilchrist fand mit einem Cousin zusammen 1875 das „Thomas- Verfahren“, mittels dessen der Phosphoranteil in verhüttetem Eisen reduziert werden konnte und die Bruchfestigkeit stark verbessert wurde. Schon 1879 wurde das Verfahren patentiert und international verkauft, so ging es für eine Viertelmilion Dollar auch nach Amerika. Zahllose Eisenbahnschinen und – brücken wurden mit dem hochertigen Stahl erzeugt, wie übrigens auch der Eifelturm.

Wales war das ideale Biotop für solche Entwicklungen, das lag auch an einer grandiosen Großzügigkeit der Natur: Es gab alles im Überfluss, was damals gebraucht wurde.

In Wales gibt es in der Erde jede Menge Erze wie Eisen, Kupfer, Zinn. Die haben (und hatten) natürlich einen riesigen Wert. Um den aber zu erschließen, musste man die Metalle verfügbar machen. Dazu waren Unmengen Energie nötig, die teils in Muskelkraft, teils aber auch als Kohle eingesetzt werden konnte. Und weil es davon in Wales beliebige Mengen gab, hatten die alle Jackpots gleichzeitig gewonnen!

Die Minen lagen logischerweise auf irgendjemandes Grund. Es waren wohl vor allem aufgeschlossene, auch kreative Landlords, die die Minen hatten öffnen lassen und sie späterhin immer weiter entwickelten. So hat ein Marquis de Bute an seinem Schmelzofen Reihenhäuser bauen lassen, in denen die Minenarbeiter arbeitsplatznah untergebracht waren. Die ältesten wurden hier 1790 bezogen.

Die Museumspädagogen des Industriedenkmals haben in diesem und einem zweiten „Reihenhaus“ die Wohnungen so ausstaffiert, dass sie die Entwicklung der Wohnkultur und die Veränderung der Lebensbedingungen darstellten. Waren 1790

einfachste Möbelstücke im Gebrauch und Farbe alles, was zur Verschönerung möglich war,

tauchten im Lauf der Jahre Teppiche, und Bilder (meistens fromme) auf, im 20. Jahrhundert Grammophon, Elektroheizung, Radios, Fernsehen, Telefon, hier ein Beispiel von 1965

Interessant für Lübecker war die Bauweise. Es gab 2 Räume, vorn Küche/ Lebensraum, hinten ein kleines Schlafzimmer. Wie man oben sehen kann, gab es auch ein Obergeschoss, dort fanden sich im Laufe der Entwicklung ein oder zwei Schlafzimmer. Das hatte haargenau dieselbe Struktur wie unsere Ganghäuser.

Das war natürlich nicht reine Menschenfreundlichkeit der Landlords. Die Arbeit in den Minen und an den Hochöfen galt in den frühesten Zeiten als höllisch. Es gibt für eine Untersuchungskommission des Parlaments eine Ilustration von 1832, die eine gekrümmte Frau zeigt, die mit einem Geschirr einen Erzwagen durch einen niedrigen Gang zieht, hinten schieben zwei Kinder, vermutlich ihre. Im folgenden Jahrzehnt wurde Kinderarbeit verboten, allerdings endete die Kindheit damals mit dem 12. Geburtstag.

Wer unter solchen Bedingungen Arbeitskräfte finden und binden wollte, musste sich etwas einfallen lassen. Einfache, aber an Dach und Fach dichte und sogar noch eigene Wohungen gehörten dazu (die natürlich auch nicht umsonst waren). Zudem gab es natürlich auch Geschäfte, in denen die Angestellten kaufen konnten. Weil die Alternativen lange Wege erforderten, die Zeit kosteten, die niemand hatte (Frauen und Kinder mussten regelmäßig Tätigkeiten übernehmen) wurde dort gekauft und über kurz oder lang landeten die Familien in der Schuldknechtschaft. Was hier aus dem England der Mitte des 19. Jahrhunderts zu erfahren ist, bildet sich in dem bekannten Lied von Merle Travis von 1947 für die Vereinigten Staaten ab, allerdings ist unklar, ob er nicht ein schon vorhandenes Taditional modifiziert hat. „Another day older and deeper in dept. Saint Peter, don’t call me, ‚cause I can‘ t go, I owe my soul to the company store.“ Eins der zahlreichen Cover hat Jonny Cash gesungen.

Diese Mine und auch das Eisenwerk gehörten der Familie vom Marquess de Bute, deren Mitglieder unter verschiedenen Namen (man erwarb schließlich immer mal was dazu und erwarb den Namen gleich mit) viel Land besaßen, das sie auf verschiedene Weise zu Finanzquellen machten. Dieser Zweig der Familie hatte ernomes Glück, weil er auf’s richtige Pferd (industrielle Revolution) gesetzt hatte. Zu den Besitztümern gehörte auch der größte Teil von Cardiff, dazu morgen mehr.

13.06.2026

Cardiff I

Das Keyboard leidet unter erheblichen Leistungsschwankungen, heut morgen konnte ich den Text von Gestern reparieren und hab schon mal die Überschriften für heut Abend fertig gemacht. -) Jetzt ist Abend…

Zuerst einmal wollten wir uns Cardiff Castle begucken, ein Riesenteil mit der üblichen wechselvollen Geschichte, erweitert aber um ein neues Kapitel: Im späteren 19. Jahrhundert haben sich etliche industrielle Nabobs die alten Kästen gekauft und sie teils renoviert, teils modern aufgebohrt zugrunde gerichtet, Da wär im Castle einiges zu lernen gewesen, aber: Es war besetzt! Der Wächter am Tor teilte uns mit, für heute und morgen sei das Haus wegen einer Veranstaltung gesperrt.

Während wir uns zur Nationalgalerie aufmachten, stellten wir fest, dass die Flächen vor den Mauern und auf den Wegen bunt belebt waren;

und auch die Mauerkrone war entsprechend beflaggt: Hier wurde Cardiff Pride gefeiert, und genauso quirlig war das Straßenbild. Einmal stöckelte vor uns eine richtig große Frau mit knappen Hotpants her, dazu ein bauchfreies Top – ein echter Hingucker! Es gab auch händchenhaltende Herren mit Regenbogen- T- Shirts in XXXXXXL, einmal kamen uns zwei absolut entzückende junge Frauen in der heutigen Unisex- Mode: Sneeker, Stoffhose, T- Shirt mit irgendwelchen Slogans, hübsch geschminkt, mit aufgemalten Bartstoppeln und vergnügt blitzenden Augen entgegen.

Die Burg hat schon weniger gut gelaunte Belager:innen m/w/d gesehen.

Cardiff ist die Hauptstadt von Wales, was sich unter anderem darin zeigt, dass hier buchstäblich alles, vom Straßenschild über die Erläuterungen in der Nationalgalerie zu komplexen kulturgeschichtlichen Hintergründen bis zum Türschild vor den öffentlichen Klos, zweisprachig ausgeschildert ist, und zwar das Gälische zuerst. Auch im Supermarkt sind die Auschilderungen über den Gängen zweisprachig: Waschmittel – Fertiggerichte – Cerealien etc.

Außerdem wohnen in der Stadt knapp 390.000 Leute, im Großraum sogar 1,1 Mio. Die Hälfte ist stetig auf den Straßen unterwegs, so dass man für 3,8 Miles schon mal 25 Minuten brauchen kann. Sowas kannten wir bisher nur aus Palermo.

Ohne das Castle rutschte die nächste Sehenswürdigkeit nach oben: Das Nationalmuseum, auch innenstadtnah gelegen und reichlich groß. Begrüßt wurde man von diesem Burschen.

Das Museum ließ es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass es sich bei diesem Mammutskelett um einen 3 – D- Druck handelt. Es waren allerdings nicht alte Knochen, sondern mittelalte Bilder, die uns angezogen hatten. Durch großzügige Sponsoren sollte die Nationalgalerie einige frühe Impressionisten ihr Eigen nennen, und die mögen wir immer wieder gern. Zum Beispiel diesen:

So ganz spontan käme man nicht auf ihn, aber einige Hinweise gibt es schon: die roten Haare und der Pastellteint…

Richtig spannend fanden wir einen Blick in die Werkstatt von Auguste Rodin. Da steht eine wuchtige bronzene Statue, „The Kiss“ die außer seinem Denker sein bekanntestes Werk ist. Allerdings hat er sich mit diesem Motiv jahrelang beschäftigt, es gibt verschiedene Vorstufen und sogar verschiedene finale Realisationen in verschiedenen Materialien, in Marmor und Bronze. In Cardiff stehen zwei Vorarbeiten in Marmor, beide nicht in Lebensgröße.

In beiden Entwürfen ist der weibliche Körper sehr viel weiter entwickelt, der männliche Aspekt erkennbar noch nicht zuende gedacht. So ist es dann geworden…

Noch einige andere prickelnde Fündlein haben wir gemacht, so hängt dort ein typischer El Greco – dem bin ich innerlich verbunden, seitdem ich in Toledo in seinem Atelier gewesen bin und in einen Spiegel geblickt habe.

In der Abteilung „Italienische Kunst im 16. Jahrhundert“ fand sich diese Familienidylle aus Maria, Josef, Jesus und Johannes dem Täufer, ein Motiv, das uns in der Villa Borghese in mehrfacher Ausführung begegnet ist, ansonsten aber nie. Wär schon spannend herauszufinden, warum die im 16. Jahrhundert in Italien Jesus einen etwa gleichaltrigen „Bruder“ angepflegt haben. (Der künftige Täufer trägt schon mal eine „härene“ Windel.)

Außerdem hing dort ein Bild herum, das ich noch vor einer Woche keines Blickes gewürdigt hätte…

nun aber für eines der größten Kunstwerke des vergangenen halben Jahrhunderts erklären muss, weil David Hockney gestorben ist und die Rezensentenwelt ihn in den Olymp zu seinen Kumpels Dürer, Bounarotti, Rubens und Turner erhoben hat, mit dessen wunderbarem „Sturm“ unser Besuch endete.

Damit endete aber noch lange nicht der Tag, weiter ging es in ein sehenswertes, aber etwas unstrukturiertes Freilichtmuseum à la Molfsee, aber schon 50 Jahre älter. Teils sind überkommene Gebäude umgesetzt worden, weil es sich wegen Abrissgefahr oder Baufälligkeit anbot, teils sind Gebäude mit Tradition, die ihre Bedeutung verloren hatten, für das Museum gecastet worden.

Hier handelt es sich um ein typisches Projekt: Viele der Gewinner des industriellen Aufschwungs im mittleren und späten 19. Jahrhundert haben für ihre Abhängigen Bildungseinrichtungen geschaffen, in denen Kinder von 5 – 12, später bis 15 lernen konnten und die älteren oder sogar deren Eltern die Möglichkeit hatten, sich Bücher auszuleihen oder Zeitungen zu lesen.

Anschließend sind wir zum Zelt gefahren, ziemlich zufrieden mit einem vollen Tag, vor allem aber fast glücklich, weil wir seit gut einer Woche den ersten Tag mit durchgängigem Sonnenschein hatten. Es war kein besonders warmer Tag, aber ein trockener. Es ist wohl kein Zufall, dass die Pride – Leute bunt und manchmal auch leicht gekleidet daherkamen.

12.06.2026

Caerleon & Gloucester

Heute wieder nur mit Bildschirmtastatur, also weniger gestaltet und kürzer. Sorry.

Ein veritables Amphithearter für ca. 5.000 Besucher am Ende der römischen Welt? Aber ja! Der größte Feldherr des Altertums hatte ja auch beim zweiten Versuch, die Insel zu erobern, keinen dauerhaften Erfolg, also versuchte es Claudius ab 43 nach mit mehr Nachdruck, mehr Soldaten und mehr Material.

In zähen, wechselhaften Kämpfen wurde das römisch dominierte Britannien bis an die Grenzen des heutigen Wales und Schottland vorgeschoben. Zur Sicherung wurden wie üblich Besatzungslager angelegt, wie ich sie so noch 1972 in Bielefeld angetroffen habe.

Wohl auch Björn-Dawid werden die architektonischen Parallelen auffallen.

Im Örtchen gibt es ein nettes kleines Museum zu den lokalen Funden, wertig gemacht und sehr informativ. Im Rahmen der dortzulande immer grassierenden Artus- Begeisterung hat jemand Caerleon und Camelot parallelisiert, weil wohl alles mythisch ist, macht auch dieser Unsinn keinen Schaden.

Unter den mancherlei Besonderheiten der englischen Geschichte findet sich auch die Kathedrale von Gloucester. Diese architektonische Schönheit war ursprünglich eine Abtei und hätte nach 1539 (Aufhebung der Klöster) ruiniert werden müssen.

Allerdings hatte Heinrich VlII in dieser Kirche noch eine Leiche im Keller, Genau genommen Edward II, der als einziger der englischen Könige hier, und nicht in Westminster gekrönt wurde und der hier auch von seinem Sohn Edward III die unten abgebildete chice Grabstelle spendiert bekam.

Der Mann war eine komplexe, schillernde Gestalt und wurde am Schluss sowohl abgesetzt als auch ermordet. Um dieses königlichen Ahnen willen wurde die Kirche nicht verhökert und abgerissen, sondern zur Kathedrale von Gloucester ernannt, was ihr eine nur von den üblichen historischen Verschlingungen beeinträchtigte Zukunft ermöglichte.

Anders als in Wells (und in Spuren in Glastonbury ist den hiesigen Baumeistern eine zierlicvhe, geradezu filigrane Lösung für die statische Ertüchtigung dees Vierungsturmes eingefallen.

Erhalten ist z. B. das Waschhaus,, in dem die Mönche, wenn sie aus der Klausur zur Messe gingen, zuvor ihre Hände wuschen…

Auch der Kreuzgang ist vollständig erhalten, für unseren Geschmack eindeutig too much, trotzdem aber schön.

All der für die englische Hochgotik typische Überschwang steht andererseits auf dicken normannischen Säulen.

Der Blick über den Kreuzgang zeigt erneut den blauen Himmel, den wir hier heute einen langen Nachmittag erleben durften. Sobald wir den Secvern auf der Princve – of- Wales- Brücvke überquert hatten, hatten wir erst Sprühregen und dann regelmäßige Schauer.

11.06.2026

Wells & Bath

Von Glastonbury nach Wells sind es nur 6 Miles, trotzdem stand da schon die nächste schmucke Kathedrale, wie sie alle mit einer speziellen Baugeschichte und einigen Besonderheiten. Dazu gehört die Westfassade, die zu den figurenreichsten im Vereinigten Königreich gehört.

Berühmt ist Wells tatsächlich auch, weil ihren Baumeistern als ersten eine Möglichkeit eingefallen ist die durch Vierungstürme statisch überforderten Fundamente zu entlasten: Die cissor- arches sind ein fester Begriff.

Ein Meisterwerk der Symmetrie ist der Kapitelraum, wie in mehreren der südenglischen Kathedralabteien erst spät und besonders schön hinzugefügt.

Nur gut 50 Miles entfernt steht die nächste dieser Abteikathedralen, in Bath. Diesen Ort hatten wir besonders im Blick, weil hier über einer heißen Quelle schon in der Eisenzeit Hinweise auf Besiedelung und das wird sicher heißen: Nutzung der Quelle, stattgefunden hat. Sogar das war wohl schon so berühmt, dass die Römer bei der Eroberung umgehend ein Corps aussandten, um diesen Ort sozusagen zu bergen. Das ist – natürlich, was wollen so ein paar Eisenzeitonkels schon einer Legion entgegensetzen- gelungen und die Römer haben sich erstmal nach dem wohlmeinenden Gott erkundigt, dem solche Wohltat zuverdanken sein. Als ihnen die Zuständigkeit einer weiblichen Göttin erklärt wurde, sagten die Römer in bewährter Weise: „Die kennen wir, bei uns heißt sie Minerva.“

Dann aber wurden Nägel mit Köpfen gemacht. Gebaut wurde eine richtige echte chice römische Therme mit allen zugehörigen Bädern, Umkleide und Muckibude.

Man wird uns glauben können, dass wir schon mengenweise Thermen in fast allen Erhaltungszuständen gesehen haben, in Ostia Antica, Pompeij, Herculaneum, Olympia, Nemea, in Albanien und sogar in Trier, aber nirgends sind die Reste der Anlagen so vollständig erhalten und ausgegraben und so sachgerecht erläutert. Ganz große Klasse. Als erstes wurde mal die heidnische Quelle würdig gefasst und in eine Thermenanlage integriert.

Heißes Wasser wurde in die die entsprechenden Becken umgeleitet, anderes sozusagen auch als Fußbodenheizung eingesetzt. Allerdings gab es auch unter den Bädern mit heißem und warmem Wasser und in Sozialräumen noch Hypokausten, das gehörte dazu und so gehörte es sich eigentlich.

Als wir 1979 in Bath waren, gab es nur das zentrale Becken, das wie ein großer Swimmingpool in einem von Mauern umgebenen zum Himmel offen zu bestaunen war. Oben auf den Mauern standen römische Skulpturen, und an einer Seite konnte man sozusagen in den Keller des Nachbargebäudes sehen, dort seien auch noch Funde. Seither ist das gesamte Areal, und das ist mit allen Nebengebäuden nicht klein, ausgegraben und gesichert worden. Von allem was dazugehört sind Mauerreste gefunden worden, man geht jetzt quasi durch einen großen Keller und i.d.R. bis zur Bauchnabelhöhe gibt es römische Substanz, alles darüber ist seit römischer Zeit zusammengefallen und gestohlen worden, so fand sich ein Eckstein eines Altares aus dem Quellengarten in selber Funktion in einem Gebäude im Ort.

Dies Bild gibt ganz wunderbar die Anlage wieder: Es wurde fast alles gefunden und ausgegraben. Weil das meiste Oberirdische fehlt, wirkt die ziemlich große Anlage wie ein Keller mit Ausstellungsstücken. Dies sehe ich schon heute als einen der Höhepunkte dieser Reise an.

Zum Glück hatten wir die Kathedrale schon vorher besucht, sonst hätten wir das wohl gelassen. Amüsant und spannend fand ich die Westwand.

An den beiden Fronten der Türme des Hauptschiffs sind Leitern erkennbar, jedem halbwegs mitteleuropäisch gebildeten Menschen fällt dazu die Himmelsleiter aus Jakobs Traum in Bethel 1. Mose 28 ein. Dort (wie auch hier in Stein) klettern Engel zwischen Himmel und Erde empor und hinab. „Hier ist nichts anderes als Gottes Haus und hier ist die Pforte des Himmels“ -et voilá, zwischen den Türmen am Boden der Tatsachen ist das Westportal der Kirche. Verkündigung mit dem Steinmetzhammer, darauf muss man erstmal kommen.

Innen ist auch diese Kirche wieder ein Friedhof…

Und wie die Engländer so sind: 973 wurde ein Edgar von England in der angelsächsichen Vorgängerkirche an diesem Ort zum Highkönig erwählt, 1000 Jahre später war das eine Messe wert: 1000 Jahre Monarchie in England. Die amtierende Monarchin kam mit ihrem Herzog vorbei, um das zu feiern. An der Stelle, wo die beiden (nach Aussage eines Erklärbären an einer Säule) gekniet haben, ist jetzt eine Steintafel im Boden.

Ein zentrales Thema hier in England ist bisher kaum zur Sprache gekommen: Das Wetter. Heut sind wir genau drei Wochen auf der Reise, und eigentlich war es immer zu kalt und zu nass. Mit Ausnahme von 3 oder 4 wirklich heißenn Tagen, die wir unpassenderweise in London elebt haben, war es eigentlich immer zwischen 12 und 20 Grad, allermeistens über Tag auch mal 15 bis 18 Grad.

Auch, wenn manchmal frühmorgens beim Gang in die Porzellanabteilung die Sonne strahlend am Himmel steht, bedeutet das nicht, dass einem beim Aufstehen zwei Stunden später nicht ein trommelnder kalter Regen von mittelstarkem Wind ins Gesicht geschossen wird. (später mehr dazu)

10.06.2026

Glastonbury

Wir haben aber den längsten…

Klosterkirchenbau in Südengland!… scheint im 11. und 12. Jahrhundert die Devise der kirchlichen Bauherren gewesen zu sein. Auch Glastonbury reklamiert dieses Prädikat für sich, das Erklärbüchlein nennt 176 m, übertroffen werde es nur noch von Old. St. Paul in London. In Salisbury haben wir das auch gelesen, dort war eine Kirche in Liverpool noch länger. Dann gibt es immer auch Listen, in denen ein gutes Dutzend Kirchen von über 160 m Länge aufgeführt werden, der Lübecker Dom bringt es mit dem später dranmontierten gotischen Ostchor mal gerade auf 130 m, unsere Maria auf bescheidene 102 m.

Nur, dass das klar ist: Dies Gebäude gehört gar nicht zu den 176 m, zudem ist es eine bauliche Anomalie. Die seit dem 7. Jahrhundert anschwellende Marienverehrung war um die Jahrtausendwende soweit in Schwung gekommen, dass es ähnlich wie im Kirchenjahr mit dem Leben Jesu für alle wichtigen Lebensphasen von Maria auch kirchliche Festtage gab. Klar, dass man für so eine wichtige Person stringenterweise auch gottesdienstliche Räume brauchte, in denen die Anbetung und liturgische Gebete vorgenommen wurden. Tatsächlich gibt es in sehr vielen Kirchen „Marientiden- Kapellen“, Räume, in denen die Tageszeitengebete für Maria gesprochen wurden, so ähnlich wie die Stundengebete in den Klöstern. Natürlich konnten die Lübecker es sich nicht leisten, so etwas nicht zu haben, eine Marienkirche hatten sie ja schon.

Die heiligste Ecke einer Kirche ist immer der Osten, die Himmelsrichtung, aus der das Licht kommt, (also Christus, der das Licht der Welt ist), und aus der er am jüngsten Tage zum Weltgericht auf den Wolken des Himmels erscheint. Wie in allen anderen katholischen Kirchen, die so viel Aufwand treiben konnten und wollten, wurde die Kapelle so weit wie möglich im Osten angebaut (jetzt ist es die Taufkapelle mit einem sehr schönen Marientiden- Altar). Wenn Jesus also zum Weltgericht erscheint, muss er sich erstmal bei seiner Mutter anmelden, bevor er sich mit den Gläubigen befassen kann -))

Der langen Vorrede Sinn: Diese Marienkapelle steht auf der falschen Seite, nämlich im weitesten Westen. Jeder halbgebildete protestantische Theologe könnte eine Rechtfertigung aus dem Beschluss des Konzils von Ephesus (die junge Menschenfrau gebiert den von Geburt an göttlichen Knaben) herleiten: Die Menschlichkeit Jesu Christi (wahrer Mensch und wahrer Gott, Konzil von Chalzedon 451) kann nicht besser dargestellt werden, als indem seiner Mutter, einer Menschin, ein Gebäude im Westen errichtet wird. Ist doch die Ostseite die des Göttlichen, so ist die Westseite, die Seite, von der die Menschen der Welt (vorbei an der Taufe, die ebenfalls im Westen zu stehen hat) gen Osten zum Altar streben, die Seite des Menschlichen. Da gehört Maria lt. Chalzedon hin.

Mangels Marienverehrung stellen sich solche theologischen Fragen den Protestanten weniger, um so weniger sind wir auch enttäuscht über die schnöde Begründung der lokalen Kirchenväter: Leider war kurz vorher die Kirche abgebrannt, und der Neubau war in vollem Gange. Weil ein Kirchbau im Osten startete, war der Ort der Marienkapelle leider noch gar nicht richtig festgelegt. Um der Wichtigkeit wegen wurde sie schon mal im Westen gebaut, und das trotz allen romanisch- normannischen Traditionsbewusstseins mit hübschen gotischen Elementen.

Die Südseite des Kirchenschiffes, des Teils für die umwohnenden zugehörigen Gemeindeglieder, endete dort, wo die niedrige Steinmauer ihren Bogen macht.

Jetzt ein Sprung in die Kirche: rechts die Südmauer des Hauptschiffes, ein Dutzend Schritte hinter uns die Westwand, von der außer dem Portal nichts mehr steht. Das Portal und die hohen Säulen im Hintergrund sind die beiden östlichen Säulenfüße des Vierungsturmes, die westlichen fehlen.

Stehen wir jetzt mit dem Rücken zur Westwand, stehen wir auf dem nächsten Bild mit dem Rücken an der Ostwand. Die Kollegin hat den Blick auf das gesamte Gotteshaus vor sich. Der dunkle Bogen ist das Westportal, die beiden Türmchen stehen im Nordwesten und im Südosten der Marienkapelle, siehe oben.

Auch hier könnte man sich mit Mythen und Legenden richtig gut austoben, so soll das Kloster schon im Jahre 63 durch Josef von Arimathia, dem Jünger Jesu, der sein Grab für die Beisetzung freigab, begründet worden sein. Lt. katholischer Geschichtsschreibung wurde Josef wegen Leichendiebstahls (Auferstehung) zu 30 Jahren Haft verurteilt, nach Verbüßen der Strafe zog er mit 11 Jüngern und dem Heiligen Gral nach Glastonbury, wo er den Kelch am Fuß des Tor vergrub, wodurch die Heilige Quelle (mit stark eisenhaltigem Wasser, das sich aus dem Blut Christi im Kelch erklärt) entstand.

Weiter haben wir auch noch Artus im Angebot, dessen Grab, das er mit (s)einer Frau Guiniviere teilte, zufällig gefunden wurde, als die alte Kirche abgebrannt war. Das wichtige Pärchen wurde in das Schiff der neuen Kirche umgebettet, bei der Allokation haben sich die (Chor-) Herren nicht lumpen lassen. Das von Ketten umgebene Areal ist der Sitz des Hauptaltares.

Dieser glückliche Umstand führte dazu, dass viele Pilger sich diesen wichtigen Ort ansehen wollten und so der Wiederaufbau des Gotteshauses nach dem Brand chic werden konnte.

Viele von uns kennen ja die schwögige Schwarte „Die Nebel von Avalon“ von Marion Zimmer Bradley, die in den 80ern ein Superseller war. Avalon wird mit Glastonbury identifiziert, auch im Buch selbst. Amüsanterweise haben wir im vorigen Jahr Ende Mai Beaume besucht, einen Ort in Burgund, in dessen Nähe „Avallon“ liegt. Dort ist Riothamus gestorben, ein anglo- romanischer Heerführer (Warlord), der auch in das mythologische Aufgabenprofil von Artus passt.

Seit langem ist Glastonbury eine Art Welthauptstadt der Spinner. Als wir das letzte Mal hier waren, wurde allerorten für einen wichtigen internationalen Kongress geworben: Latest Knowledges about Cropcircles. (Neueste Erkenntnis über Getreidekreise, gemeint waren diese rätselhaften Kreise in Getreidefeldern, die gelegentlich auftreten und je nach Geschmack auf Ufos, Erdstrahlen oder fiese Ackerchemie zurückgeführt werden). Wer unbedingt England vom Joch der Heiden befeien will, kann das Schwert Excalibur in fünf, sechs Läden kaufen und muss es noch nicht einmal aus irgendeinem Felsen reißen.Es gibt haufenweise Läden mit Heilenden Steinen, Bücher über Magie und Zauberei, vegane Heilkräuter, Mörser zum Stampfen von Heilpflanzenpesto und immer so weiter. In diesem Jahr haben wir den Geruch nach Shit sehr vermisst, allerdings führen wir das auf den starken Wind zurück. Nach Augenschein sind die Nutzer dieses sympathischen Tabakzusatzes reichlich vorhanden. Lustig dann sowas:

Die Hexenmagie scheint es möglich zu machen, dass ein fehlendes C über eine falsche Präteritumsbildung generelle Zweifel an den Fähigkeiten der Ladenbetreiber sät, so dass nicht zu verwundern ist, dass sie sowohl closed als auch lost sind -))

Und dann gibt es da noch den Tor. Den, nicht das. Der Tor ist ein ganz besonders hoher Hügel, der offenbar natürlichen Ursprungs ist, jedenfalls habe ich nie etwas anderes gelesen. Es gibt Spuren von Bewohnern / Besuchern aus der Steinzeit, die Römer hatten da wohl einen Beobachtunsstützpunkt, und auch später wurde immer mal wieder ein Stück militärisches Metall verloren. Klar, dass da im Mittelalter eine Kirche draufgestanden hat, außer dem hohlen Turm ist aber nichts übrig.

Da hochzukriechen war für einen herzkranken Greis und eine energische Dame mit ALS- Befund eine Herausforderung, allerdings werfen wir bei solchen Gelegenheiten gern unsere Lebenszeit in die Waagschale: Wenn wir ein paar Pausen mehr machen, geht es zwar langsamer, aber das lässt sich verschmerzen, und die, die Nasen und Stirnen über solche Unvernunft runzeln, haben auf dem Totenbett nicht die amüsante Erinnerung auf die Besteigung des Tor mit einer der wundervollsten Frauen der Welt.

Wenn man hier ist, hat man ca. 2 / 3 des Aufstiegs schon hinter sich. Oben hatte man weite Sicht und reichlich Wind…

Bei einer der vielen Pausen auf dem Weg zum Gipfel fanden wir diese hübsche Diestel.

Margits Bestimm- App sagte: Nickende Diestel. Sie kam uns bekannt vor:

Auch die heißt „Nickende Diestel“, ist allerdings weiter entwickelt und wächst unter freundlicheren Bedingungen auf der Mani, einem der drei Finger der Peleponnes!

09.06.2026

Tintagel, Cornwall

Verlässlich funktioniert der Rechner noch nicht, aber manches geht schon.

English Heritage ist eine Einrichtung (keine Ahnung, welche Rechtsform), die sich um bewahrenswerte Elemente aus der englischen Geschichte kümmert, für die sich sonst niemand wertschätzend und erhaltend einsetzen würde. Dover Castle gehörte dazu, Stonehenge, und jetzt wieder Tintagel. Margit hatte recherchiert, also sind wir für ein Jahr Mitglieder geworden und haben schon jetzt aus der Ersparnis der Eintrittspreise einen Reibach gemacht, vor allem aber aus der Visite der Denkmäler. Tintagel ist eine kleine Burg am A…nde der Welt, an der Cornischen Küste gegenüber von Cork in Irland gelegen.

Hier und heute haben wir einen neuen historischen Begriff kennengelernt, der uns zwar vertraut vorkam, aber ein anderes Zeitfenster im Blick hat: The dark ages. Klingt wie „Die dunklen Jahrhunderte“ im postmykenischen „Griechenland“, und beschreibt die 2 bis 3 Jahrhunderte in England nach dem Abzug der römischen Truppen, für den das Jahr 400 nach ziemlich einprägsam und außerdem ziemlich sachgerecht ist.

Anschließend entstanden zahlreiche regionale Herrschaften, deren Chefs sich gerne König nannten. „Das müssen Sie sich so vorstellen wie einen Dorfbürgermeister“ wurden wir im Seminar „Geschichte Israels“ über die Organisaionsstrukturen dieser Epochen belehrt.

Damit nicht jeder Dorfbürgermeister seine jungen Männer in blöden Grundstücksgrenzstreitigkeiten verschleißen musste, brauchte es Metastrukturen, so eine Art Oberkönig, der damals dortzulande gern „Highking“ genannt wurde. Tintagel war eines dieser Kleinkönigreiche, wegen der besonderen Lage auf einer fast nicht einnehmbaren Insel ein geeigneter Ort für Phantadien und Mythen. So soll hier König Artus gezeugt worden sein, was einige Jahrhunderte später einen der ganz neuen normannischen Herren bewog, den Ort zu kaufen und im Licht der alten Mythen zu erbauen. Er w0sollte eine Art ritterliches Kompetenzzentrum errichten, allerdings wurde es wegen der entlegenen Lage nur ein aufgeedeltes Ferienhaus, an das sich auch wieder Mythen hafteten: Es soll ein Liebesnest von Tristan und Isolde gewesen sein.

Das Bild auf dem Auto zeigt gut die fortifikatorische Situation. Kurz oberhalb des hinteren Radkastens sieht man eine Treppe, über die im Mittelalter die feindlichen Heere kommen wollten, wenn sie denselben grandiosen Ausblick genießen wollten wie die Besitzer.

Anschließend haben wir uns die Zeit genommen, über ländliche Straßen durch zahlreiche Dörfer zur nächsten Station zu fahren, um einen Eindruck vom Land selbst und der Weise zu gewinnen, wie dort gelebt werden kann.

Weit und schön ist das Land, unter hohem Himmel, der gerne regnet, aber auch strahlen kann.

Die Knicks heimeln einen Norddeutschen an. Nach wie vor gibt es auf dem Lande die kleinen, teils nur einspurigen Sträßchen, die links und rechts von Steinwällen gerahmt und oben von Alleartigen Bäumen überwolbt sind. Die Wälle blühen geradezu wie die Straßenränder in Italien und Griechenland.

08.06.2026

Lands End

Leider ist meine Tastatur kaputt gegangen und ich doktere an alternativen Vorgehensweisen. Das ist ziemlich mühsam und wird fehlerhafte Zwischenstände abilden, weil ich nicht den ganzen Tag am Rechner bastele.

Seit dem Altertum (1500 vor?) wird hier Zinn gefördert und exportiert. 1920 wurde 20 % des weltweit erzeugten Zinns aus Cornwall exportiert, mit der ökonomischen Entwicklung in einigen damals sog. Drittweltländern ging diese Epoche (aus Preisgründen) 1990 zuende. Das Bild zeigt eine damals technologieoffene hocheffiziente Förder- und Verarbeitungsanlage. Bemerkenswert: Hier ist die ganze Küste mit solchen Anlagen aus sämtlichen historischen Epochen (nicht immer) verziert. Spontan denkt man: „So‘ n Schiet, die schöne Küste“ , wenn man aber weiß, dass die Förderschächte zuletzt 2,5 km unterhalb der Meeresspiegels und bis über 450 m tief lagen, wird der sonderbare Zustand erklärlich:

Ein Schacht vom Ende des 17. Jahrhunderts…

07.06.2026

Cockington, Buckfast Abbaye & Plymouth

Wir haben den Jungbrunnen gefunden! Vorher…

nachher. Verjüngt um volle 47 Jahre.

So lange ist es her, dass Margit mit ihrer Schulfreundin Susi im Rahmen einer Sprachreise Cockington besucht hat, damals wurden die Mädelz von den Veranstaltern in ein Nostalgiedorf eingeladen, mit alter Mühle, alten Handwerken und wahrscheinlich Tee und Kuchen. Auf diesen Pfaden sind wir heute gewandelt, viel hat bei Margit nicht geklingelt, aber nicht nur sie, sondern auch das Dorf ist vom Lauf der Jahre gebeutelt worden.

Zuvor waren wir an dem Strand bei Torquay, an dem das gestrige Foto entstanden ist: Auch hier hat sich enorm viel verändert, jetzt ist er eine dieser Geld-aus-Gästen-herausholen Maschinen geworden. Aber das Wasser ist immer noch nass, und wir beide haben zum ersten Mal Sportgeräte gesehen, die uns bisher unbekannt waren: Sowas wie Surfboards ohne Mast und Segel, dafür aber offenbar mit einem sehr leistungsfähigen Elektroantrieb, der das Board mitsamt dem Passagier bei großer Geschwindigkeit ca. 40 cm aus dem Wasser hob. Irre.

Auf dem Weg nach Plymouth kamen wir an Buckfast Abbaye vorbei, das wir 1979 auch besucht hatten. Der erste Blick zeigte ein eindrucksvoll – harmonisches Ensemble, offenbar war in Teilen des Gebäudes ein Hochdrucksandstrahler eingesetzt worden.

Auch das Kirchenschiff sah bestens gepflegt aus, vor allem das Gewölbe, so dass ich zu Margit sagte: „Das wirkt ja wie ein Neubau.“

Wie meistens fiel unser erstes Interesse auf Unterschiedliches, so dass sich unsere Wege trennten. Mir fiel beim Schlendern auf, dass dies kein Friedhof war: Keine Gedenktafel für Kleriker, Künster, Soldaten oder Politiker! Da kam Margit und sagte: „Weißt Du was, das ist ein Neubau von 1937.“ „1937 hat kein Mensch solche Dinger gebaut!“ war meine spontane Antwort, aber:

Das ursprünglichste Gebäude wurde 1018 (!) vom damaligen Landlord gegründet, 1138 schloss es eine Kongregation mit dem Zisterzienserkloster Savigny, irgendwo in der Normandie gelegen. Bis zur Auflösung der Klöster durch den VIII. Heinrich blieb es dabei, anschließend wurde sie, wie so viele andere, zerstört und die Steine als Baumaterial verwendet. 1800 kaufte ein Samuel Berry die Reste und machte alles Oberirdische final platt. Das Grundstück mit den Grundmauern wurde 1882 von aus Frankreich verbannten und in Ramsgate ansässigen Benediktinern erst gemietet und dann gekauft. Die Mönche bauten das Kloster in eigener Arbeit auf und unternahmen dabei die Archäologie ihres eigenen Gebäudes. Ab 1907 erbauten sie auf den mittelalterlichen Fundamenten die neue Abtei, nach 30 Jahren wurde sie in Dienst genommen und ist heute eines der wenigen aktiven Klöster in England. Die „Deko“ oder das Meublement sind Kopien (z. T. aus deutschen Domen) und wirken in ihrer reduzierten Schlichheit sehr wohltuend. Was es nicht alles gibt, auf dieser schönen weiten Welt.

Der nächste Fake begegnete uns in Plymouth, dem westlichsten bedeutenden Hafen Südenglands. Er ist eine angelsächsische Gründung (9. Jahrhundert) sein Platz in den Geschichtsbüchern verdankt sich zwei Phänomenen: Die Stadt liegt am Ärmelkanal, gegenüber in Frankreich liegt etwa Roscoff in der Normandie. 1339 wurde die Stadt nur zwei Jahre nach dem Ausbruch des 100- jährgen Krieges von Frankreich attakiert, allerdings schlug der Schwarze Prinz (siehe weiter unten im Blog) 1355 zurück, die Franzosen meldeten sich 1377, 1400 nd 1403 erneut vor den Toren. Schon eine Generation früher hatten die Ratsherren eine zündende Geschäftsidee mit dem zusätzlichen Vorteil, dass das Risiko völlig outgesourced wurde, wie die aktuelle Gemeindeverwaltung unumwunden zugibt:

„Wir haben die professionelle Piraterie erfunden und sie fast 600 Jahre unterstützt.“ Die Sklaverei war zu diesem Zeitpunkt im britischen Hoheitsbereich schon volle 46 Jahre abgeschafft, Piraterie blieb erlaubt.

Dieses völlig unhistorische Deko- Portal steht an der Stelle des Hafens, an der möglichweise, vielleicht, aller Wahrscheinlichkeit nach unter Umständen die Mayflower 1620 zum letzten Mal vom englischen Boden die Anker lichtete. Irgendwo anders im Hafen hatte Sir Francis Drake, Weltumsegler und Pirat der Königin (Elisbeth I) offenbar einen Liegeplatz im Abo. Von hier aus ist auch James Cook, der Entdecker und Kartograf ein paarmal aufgebrochen, eines seiner Hobbies war die Bekämpfung des Skorbuts (Mangelkrankheit bei Fehlen von Vitamin C). Auch Charles Darwin ist mit seiner Beagle von hier zur Weltreise und zur Entdeckung der Evolutionstheorie aufgebrochen, ebenso Ernest Shackelton bei seinen Wettrennen zum Südpol mit Roald Amundsen.

Auch nicht zu vergessen: Natürlich waren in Plymouth Aufklärungsschiffe stationiert, die in der Biskaya ein Auge auf die Aktivitäten von Philpp II in Spanien hatten.. Seine Armada wurde 1588 erstmals von Plymouth aus angegriffen.

06.06.2026

Maiden Castle & Exeter

Man kann nicht immer nur Glück haben, nicht einmal wir beide. Nachdem wir heute unser Zelt ziemlich trocken ins Auto bekommen haben, strebten wir zum „Maiden Castle“ in der tiefsten Pampa Dorsets. Es wurde immer düsterer, der Regen wurde immer intensiver, und den Bäumen sah man an: Auch der Wind wurde stärker. Glücklich am Ziel angekommen, warteten wir erstmal eine gute halbe Stunde, bis wir uns trauten, das Auto zu verlassen. Nach wenigen hundert Metern haben wir uns entschlossen: Das ziehen wir jetzt durch.

Das Gehen, eigentlich Klettern, war widerlich. Es wehte ein eisiger starker Wind, außerdem regnete es ziemlich energisch. Die Regentropfen wurden wie Hagelkörner gegen unsere Jacken geschossen, der Versuch,, die Kapuze festzuhalten führte dazu, dass einem das Wasser in die Ärmel getrieben wurde. Trotz Outdooorjacken waren wir beide, zurück im Auto, teilweise bis auf die Haut nass und eisig kalt.

Bei diesem Schietwetter konnten wir gerade mal zu Dokuzwecken knipsen, an vernünftiges Fotografieren war nicht zu denken. Darum helfe ich mir heute mit Fotos von unserem Besuch 1979.

Hier erkennt man 1. Margit, nicht bis an die Haarspitzen verhüllt, 2., dass es auch 1979 an einem normalen Sommertag sehr windig war und 3. eine Perspektive auf das sog. Maiden Castle. Eine bessere gibt es hier, auch von 1979…

Warum die Anlage Maiden Castle heißt, weiß keiner. Die älteste Schicht ist eine neolithische Hügelanlage aus der Zeit vor Stonehenge. Möglicherweise war das ein Treffpunkt nach Art eines Jahrmarktes / Kirmes für Menschen von nah und fern, vielleicht auch wenigstens teilweise befestigt. Die sind irgenwannn verschwunden, warum weiß keiner, Margit und ich hegen die Vermutung, wegen des ewigen Windes. Wenn man es zwei Wochen vor der Sommersonnenwende nicht aushalten kann, ist es im Herbst und Winter wahrscheinlich eine Kältehölle.

Die nächsten bekannten Bewohner, die die Anlage auch noch vergrößerten, waren jene eisenzeitlichen Vorläufer der Kelten, deren Zeitgenossen wir auch schon in Old Sarum getroffen hatten, die Höhenburgen bauten, von denen aus die Bewohner des Areals ihr Gebiet kontrollierten. Das Bild oben zeigt eine gestaffelte Anlage, die wir uns aber günstigstenfalls mit Palisaden verstärkt vorstellen dürfen: Palisaden um ein Areal von ca. 24 ha in fünf Ringen zu bemannen, hätte mehr Kämpfer erfordert, als damals überhaupt in Südengland lebten.

Dann kamen wie immer die Römer. In der Tat gibt es in einem Gräberfeld ein gutes Dutzend Opfern von kriegerischer Gewalt, von denen einige wenige Reste eines römischen Pfeiles im Gebein hatten. Aber auch die Römer bliebeb nicht lange, wir vermuten, dass es den wärmeverwöhnten Bewohnern des Appenien dort in der zugigen Höhe nicht so gefiel.

Anschließend kam natürlich jeder Eroberer vorbei, eroberte und hinterließ, vermutlich wegen des Wetters, über kurz (nix mit lang) das Areal seinem Schicksal.

Dies Bild, nach ca. 90 % unserer Wanderung bei „Blitz und Donner, Sturm und Graus“, zeigt eine schöne, völlig durchgefrorene Frau und rechts oberhalb des Baumes in der Mitte einen hellen Fleck. Das ist der Parkplatz, auf dem wir unseren verlässlichen Passat abgestellt hatten.

Wie sagte doch einer der Fußballphilosophen: Erst hatten wir kein Glück, und dann kam auch noch Pech dazu. Eine Fahrstunde später waren wir halbwegs wieder warm und begehrten Einlass in St. Peter zu Exeter, die lokale Ausprägung einer romanisch- normannisch- frühgotischen Kathedrale. Eine sehr nette und äußerst zugewandte junge Dame erklärte uns bedauernd, dass man in 5 Minuten schließen würde – um 15:00 an einem Sonnabend, die Vorbereitungen für die diversen englischen Gebetszeiten und Gottesdienste standen vor der Tür, aber wenn wir schnell gucken würden, könne sie uns noch hineinlassen, was sie dann sogar ohne Eintritt tat.

Noch eine der zahlreichen Schönheiten am A…nde der Welt mit der üblichen Geschichte: Vorgängerkirche, die Angelsächsischen Könige haben was Dekoratives gebaut, die Normannen etwas noch Dekorativeres, ab dann dynastische Wellenschläge, aber immer wurde die Kirche schöner und größer.

Auch hier einer der besondes prächtigen Hochchöre und eine Andachtskapelle im Ostschiff für irgendeinen besonders sündhaften, also besonders fürbittbedürftigen Chefkleriker…

Und noch ein schneller Blick in die Architektur:

Das Domcafé war weniger auf Gottesdienstvorbereitung fokussiert, also konnten wir uns noch bei einer guten Schokolade aufwärmen. Abschließend ging es ins berühmte Torquay, an die „britische Riviera“, die so heißt, weil hier einige winterfeste Palmen wachsen. Hier hat Margit 1969 mit ihrer Freundin Susi an einer Sprachreise teilgenommen, aber außer Sprache gab es auch noch Disco und Strand.

Irgendsoein Glückspilz kriegt eines Tages so eine Schönheit ab. Beneidenswert, der Mann!

05.06.2026

Winchester Cathedral

Winchester Cathedral, you’re bringing me down. You stood and you watched as / my baby left town.

You could have done something, but you did’nt try. You did’nt do nothing, you let her walk by.

Now everyone knows just how much I needed that gal. She would’nt have gone far away if only you’d startet ringing your bell.

4 wie 1

Heut gabs anderes Wetter, anderes Licht und eine striktere Besucherführung.

Damals hatten wir nichts außer unserer Liebe, der in jenen goldenen Tagen verbreiteten Zukunftshoffnung und dem Willen, Daraus etwas zu machen. Heute haben wir unsere reicher und reifqer gewordene Liebe, ganz viel Leben ziemlich erfolgreich gemeistert und gehen Hand in Hand auf die Ewigkeit zu.

Alle Älteren von uns kennen diese Schnulze von der New Vaudeville Band aus dem Jahr 1966. Es waren die Jahre, in denen die Pilzköpfe und ihre (N-Wort)-Musik die ältere Generation aufregte, in denen wir plötzlich feststellten, dass Mädchen nicht nur doof sind, (vor allem die mit den ganz kurzen Röcken wie z. B. Margit B. aus S.), in denen die Veränderungen der Welt und die Veränderung in unserem juvenilen Hormonhaushalt das Leben kompliziert und aufregend machten.

Klar, dass einem alten Mann so etwas einfällt, wenn er mal wieder einen Besuch der Kathedrale in Winchester vorbereitet, ebenso klar logischerweise, dass die Dämlichkeit der Lyrik einen für historisches Selbstschämen prädestiniert: Die Freiheit der Wahl eines Gebäudes, mit den Glocken zu wackeln,um einem jungen Mann zu ersparen, dass ihm die Liebste durchgeht, wird damals wie heute als überschaubar anzusehen sein.

Ironie beiseite: Gestern war unsere Zieleliste um genau eine Position zu lang, daher haben wir uns entschlossen, noch einen Tag zu bleiben und den Besuch heute nachzuholen.

Wiki weiß zu berichten, dass dies die zweitlängste Kirche der Welt ist. katholisch.de betont natürlich stolz, dass der Petersdom die längste ist, nennt aber eine Kirche in Liverpool als die zweitlängste. Sei’s drum, in jedem Fall ist auffällig, dass in England in allen möglichen Klein- und Mittelstädten (Canterbury 55.000 Einwohner:innen, Rochester 63.000, Chichester 29.000, Salisbury 41.000, Winchester 48.000) riesige Kathedralen aus dem Mittelalter stehen.

Vom Westwerk bis zur Vierung – hier hätte Jakobi leicht Platz, zumal es keine Seitenschiffe hat. Hinter der Chorsperre findet sich – natürlich- der Chor mit den schmucken Gestühlen und dem Hauptaltar…

Hinter diesem Chor, wo in „unseren“ Kirchen nur nochKapellenumgänge sind, findet sich eine Art Gegenchor mit einer lokalen Spezialität: Die Herren Oberkleriker haben sich – wie andernorts auch- schmucke Sarkophage errichten lassen, hier aber in der mega- deluxe – Ausgabe: Um die Sarkophage herum sind im Kirchenraum Minikapellen mit Altären, Retabeln und Kerzen errichtet worden, in denen überschaubare Gemeinden (oder der mit den Fürbitten beauftragte Vikar) Messen für das Seelenheil lesen konnten, man beachte die Tür in die „Kapelle“.

Auch hier war die Kirche noch nicht zuende, ganz gen Osten folgte eine Marienkapelle, sicher doppelt so groß wie die Marientiden- Scheitelkapelle in St. Marien Lübeck. Ganz genau kann man das natürlich an einem Abend im Zelt nicht verifizieren, aber ich bin fast sicher, dass man jenseits der Chorschranke am Ende des Kirchenschiffes flächenmäßig St. Petri unterbringen könnte, das Querschiff bietet genug Platz für Aegidien oder Katharinen. Unfassbar.

Ein anderer Aspekt englischer Kirchen ist uns erneut und vertieft aufgefallen: Sie sind eine wie die andere gigantische Friedhöfe. Wie in Südeuropa in jeder Mauerspalte noch eine Mariendarstellung anzutreffen ist, kann man sich in England darauf verlassen, dass an jeder Säule auf allen vier Seiten mindestens drei Stiftungstafeln für Kleriker und ihre Angehörigen durch die Jahrhunderte, Militärs höheren Ranges aus jeder Weltgegend und verdiente Mitarbeiter des Volkes im öffenltichen Dienst, der Gesundheits-und der Wohlfahrtspflege anzutreffen sind. So gibt es diesen „Taucher“, der um die letzte Jahrhundertwende große Verdienste um die statische Sicherung der Kathedrale erworben hat. Warum er mehrfach als „Taucher“ angesprochen wird, ob das sein Beruf war oder ober damit viel Geld für sein teueres Hobby verdient hat, kann ich nicht sagen. Es gibt Fotos, die ihn bis zum Leib in der Krypta im Wasser stehend zigen, aber tauchen muss er da nicht.

Zum Kopfschütteln auch dieses Epitaph:

Es wird zweier Soldaten gedacht, der linke ist als junger Mann in einer Auseinandersetzung in Uganda unter dem Komando des rechten, seines Bruders, gefallen. Der Engel mit dem (gerade mal wieder hochmodernen) Faltenwurf auf der linken Schulter hält liebevoll den Lorbeerkranz um das Medaillon des Jüngeren und guckt nur ein kleines bisschen missmutig, weil sein Blick wie in Stein gemeißelt dem Faltenwurf des Schleiers in ihrer Leibesmitte gilt, sein großer Bruder interessiert sich mehr für den Bauchnabel.

Wen wir da auch noch getroffen haben: Knut den Großen, einen Wikingerkönig um die letzte Jahrtausendwende, der außer über Norwegen und Dänemark sowie Teile von Schwedens auch über Teile Englands als König herrschte.

Und jetzt hab ich noch kein Wort zu den historischn Bauphasen und deren Widerspiegelung in den ethnischen (Angelsachsen, Wikinger, Normannen) Irrungen und Wirrungen des mittleren und späteren Mittelalters gesagt!

04.06.2026

Salisbury: Designerkirche von 1220

Die ganze Geschichte bgann um 460 vor. Unbekannte Ureinwohner, vermutlich Kelten, legten auf einer natürlichen Anhöhe unter gewaltigem Aufwand eine riesige Höhenfestung an. Nach all den Jahren sind die Gräben unterhalb der Zitadelle immer noch vorhanden und beeindruckend.Man muss schon genau hingucken, um Margit in ihrer blauen Windjacke vor einer Erklärtafel zu finden. Auch die Zugbrücke rechts gibt einen Eindruck von den Dimensionen.

Vermutlich stand oben auf dem Anhügel noch eine dieser keltischen Wehrmauern aus vorn und hinten Baumsstämmen und dazwischen Erdreich und Steine, also mussten schon die Römer kommen, um die Festung zu erobern. Nachdem sie sich um ca. 400 nach zurückgezogen hatten, herrschten hier erstmal die Angelsachsenkönige, bis die Wikinger sie mit Überfällen und Heerzügen drangsalierten. So weit im Süden Englands konnten sie sich aber nicht festsetzen, das taten um so erfolgreicher die Normannen. Schon der Eroberer besetzte die Burg mit einem Gefolgsmann und wertete sie fortifikatorisch und baulich auf, die weiteren frühen Normannenkönige bauten weiter aus und verbrachten hier gern Zeit, so Heinrich I weil er so stolz darauf war, König geworden zu sein, Johann Ohneland zum Jagen, Heinrich II mit Eleonore von Aquitanien (die ihre 15- jährige eheliche Verbannung hier verbrachte, und der junge Heinrich III, dessen Verwalter sich mit dem lokalen Bischof dermaßen überwarf, dass der sagte: Jetzt bau ich mir meine eigene Kirche.

Wenn der König aus dem FEnster blickte, sah er in der einen Richtung eine kleine, aber feine romanische Kirche auf seinem eigenen Grundstück dicht unterhalb der Burg,

auf der anderen Seite sah er nicht allzuweit entfernt die Baustelle des Bischofs. Der wollte Nägel mit Köpfen machen und erbaute mit französischen Architekten in nur 38 Jahren eine riesige Kirche, topmoderne Gotik und absolut aus einem Guss, sozusagen eine hochbeinige Schönheit.

In Salisbury bewundere ich jedes Mal das Taufbecken, eine moderne Interpretation der vier Ströme des Paradieses, die zum Stuten und zum Staunen einlädt: NICHTS stört oder trübt gar die makellose Oberfläche.

Margit hat sich vor den rechten Abfluss gestellt und Himmel und Erde zusammengebracht:

Neben der bewundernswerten Architektur ist Salisbury noch aus einem anderen Grund berühmt: Dort ist in einer Nebenkapelle eines von nur vier (von 13) erhaltenen Originale der Magna Charta zu bestaunen: Ein Rechtsdokument, das man mit guen Gründen für die erste Erklärung von Menschenrechten bezeichnen kann.

Unser Routenplan für heute war allerdings noch länger, die nächste Station war Romsey, wo die dortige ehemalige Abteikirche als eines der besterhaltenen normannischen Kirchengebäude gilt. Beide lieben wir die englische romanisch- normannische Architektur. Sie ist zutiefst erdverbunden, steht mit beiden Beinen (allen Säulen) auf dem Boden der Wirklichkeit. Dabei wirkt sie, vor allem durch die verwendeten Baumaterialien und die zurückhaltende Verzierung, hell und leicht. Und schließlich kommt, tatsächlich und symbolisch, das Licht der Welt von oben, aus den Fenstern im Obergaden.

Auch damit war der Tag noch nicht zuende, unser nächstes Ziel war Portchester, ein Gemäuer mit aufregender Geschichte. Der alte Diokletetian, in dessen Weinkeller zu Split wir 2024 eine wundervolle Nacht verbracht haben (so hieß die Ferienwohnung) war genervt von den sächsischen Barbaren und forcierte den Ausbau von Fortifikationen an den gefährdeten Küsten Britanniens. Eine wurde in Portchester nahe Southhampton angelegt und gilt als die besterhaltene römische Festung in England.

Tatsächlich begegnet uns ein nahezu quadratisches, von einer Mauer umgebenes und von mehreren der D- förmigen Türmen geschütztes Areal. Ich möchte noch einmal die Grundflächen vergleichen, ich vermute, Diokletians Rentnerpalast und diese Garnison sind ziemlich gleich groß.

Auch diese Befestigung ist von den Angelsachsen und später von den Normannen aufgegriffen und sozusagen aktualisiert worden. Hier kamen wir auf den letzten Drücker, wir wurden tatsächlich nur noch eingelassen, weil wir Mitglieder der „English Heritage“ sind, daher muss ich im Infobüchlein noch Genaueres nachlesen.

Hier ein paar Fotos zur Illustration:

Rein römisch, obwohl ein Bastionsturm fehlt)…

Ein Blick vom normannischen Donjon…

Erkennbar gibt es da vieles auszuarbeiten, für heute soll’s genug sein mit einem Fündlein aus Old Sarum. Dort gibt es natürlich aus normannischer Zeit einen Donjon, einen dieser zentralen Festungstürme im Herzen einer solchen Anlage. Dort konnte man (wenn der Feind nicht sehr viel Zeit mitgebracht hatte) lange überleben. Mit der mittelalterlichen Umwandlung der Gemäuer von Burgen zu Schlössern verlor der defensive Charakter an Bedeutung. Weil die Räume aber schon mal da waren und so schön sicher, wurden sie zunehmend als Verliese genutzt: Vom Donjon zum Dungeon. Interessante Warnehmung aus Old Sarum.

Anschließend sind wir noch in der Nähe unseres Campingplatzes im „Stonehenge Inn“ Englisch essen gegangen. Fühlt sich fast an wie Urlaub -))

03.06.2026

In Stonehenge haben die Druiden Weihnachten gefeiert…

Ungefähr so abenteuerlich wie meine heutige Tagesüberschrift sind etliche der Theorien und Vermutungen, die wir heute bei unserer Feldforschung im näheren Umkreis von Stonehenge kennengelernt haben. Jede/r von uns hat, wenn er/ sie „Stonehenge“ hört diese riesigen Wackersteine vor Augen, die meisten haben auch gehört, dass das Ganze was mit Kalender und Jahreszeiten zu tun hat.

So ein William Stukeley hat sich ca. 1700 ausgedacht, dass nicht, wie bis dahin vermutet, die Römer Stonehenge gebaut haben, sondern dass es älter sein müsse. Dazu fielen ihm die Kelten ein und er stellte die These in den Raum, dass deren Druiden da Mittsommerparties gefeiert haben, weswegen zahllose Neudruiden, Esoteriker und Event- Spinner / Spanner dort am Sommeranfang auflaufen. Allerdings liegen zwischen den Steinkreisen und den Druiden locker mindestens 1500 Jahre.

Der aktuelle wissenschaftliche Stand ist noch viel abenteuerlicher. Der erste Bauabschnitt von Stonehenge datiert etwa 3.000 vor, und was gebaut wurde, findet sich in der näheren (bis 300 km) Umgebung mehrfach und sogar noch viel größer: Eine runde Fläche, hier ca. 100 m im Durchmesser, mit einem umlaufenden Graben, dessen Aushub innen einen höheren und außen einen flacheren Wall bildete. So etwas nennt sich „henge“. Das etwas jüngere Avebury hatte einen Graben von 9 m Tiefe und einen Durchmesser von 427 m, in dem zwei Steinkreise von ca. 100 m(ungefähr Stonehenge) lagen!

Die „Möblierung“ der Henges ist sehr unterschiedlich. Manche liegen einfach da wie Pizzen mit einem dicken Rand, Stonehenge mit seinen inneren Steinsetzungen (Hufeisen, Kreise, die im Lauf der Jahrhunderte mal ergänzt, mal entfernt, und mal übergstylt wurden, bildet dabei das andere Extrem.

Ein nahe Stonehenge gelegenes Woodhenge ist ein anderes Beispiel mit einer anderen Geschichte. Da wurde ein Henge gebaut, und in dem standen (zu gewissen Zeiten sogar in mehreren Kreisen angeordnete) Holzpoller, angeblich bis zu 9 m hoch. Die Phantasien der Wissenschaftler gehen von zunächst einzelnen Pfählen à la Totempfahl bis hin zu von vielen Säulen getragenen Überdachungen.

Woodhenge – Phantasieillustration, ca. 2500 vor

Pömmelte in Sachsen – Anhalt, ca. 2300 vor

Diese Strukturen sind natürlich nicht vom Himmel gefallen, irgendwann (um 3000 vor) wurden sie modern und von den umliegend wohnenden Bevölkerungen erbaut und entsprechend lokalen Bedürfnissen (und Bräuchen / Traditionen?) fortentwickelt. Es gibt zahlreiche Hinweise, dass in dieser Ecke Wiltshires seit mehreren Jahrtausenden Menschen gelebt hattem, die von der Gunst der natürlichen Verhältnisse angezogen wurden. Außerdemm finden sich starke Hinweise, dass an verschiedenen Plätzen regelmäßige Treffen vieler Menschen stattgefunden haben. Die Archäologen interpretieren große Haufen von Schweineknochen, konzentriert in einer Sammelgrube, in unterschiedlichen Zeitabständen entstanden, als Folge von Großversammlungen mit rituellem Schweinefleischverzehr- so ähnlich, wie einen Müllwagen voller Scherben von Punschbechern vom Weihnachtsmarkt. Dabei ist der Weihnachtsmarkt als Beispiel nicht zufällig gewählt: Offenbar kann man aus den Schweinknochen (die Viecher haben immerhin eine saisonale Brunst) ablesen, dass die Großveranstaltungen im Winter stattgefunden haben.

Iin der Region finden sich auch einige unterschiedlich große „Avenuen“, Areale. die wie die Henges mit einem Graben und Wällen umgeben waren, aber auch andere, die wie hier bei Avebury von Steinlinien gerahmt wurden, wie wir sie aus Carnac kennen…

Dendrochronologie macht fast alles möglich, es scheint also, als ob einige der Henges (vor allem Stonehenge) am Ende einer solchen Avenue angelegt worden sind, aber es gibt auch Hinweise, dass erst das Henge da war und dann die Avenue.

Bezüglich Stonehenge gibt es eine interessante Analyse im schönen Heft der English Heritage. Die Anlage ist bekanntlich so ausgerichtet, dass der Sonnenaufgang am 21. Juni und der Sonnenuntergang am 21. Dezember als Zeitenwenden spektakulär erkennbar und begehbar sind, siehe die Druiden im Sommer. Ein etwa gleichzeitiges, aber architektonisch völlig anderes Kultzentrum in Newgrange in Irland (richtig chic renoviert) bildet nun als den Höhepunkt des Jahres die Wintersonnenwende ab. Dort scheint die untergehende Sonne über einen Altarstein am 21. Dezember in einen Kultraum.

Das Fabula docet dieser „Fakten“-zusammenstellung: In einer agrarisch geprägten Welt von Bauern und immer noch Jägern und Sammlern ist der Beginn der neuen Vegetationsperiode das ultimative, wichtigste Fest des Jahres. Durch etliche historische, kulturelle und religiöse Tunnel gekrochen, stellen wir 2026 nach Christi Geburt fest: Das Fest des neuen Lebens hat eine erstaunliche Resilienz bewiesen.

Diese Blitzlichter auf die neolithische Kultur in Wiltshire und umliegenden Ortschaften sind in jeder Hinsicht unvollständig und oberflächlich, da muss ich im Winter noch mal eine Woche nacharbeiten.

02.06.2026

Stonehenge

Das Internet ist hier unglaublich schwach, daher dauert alles ewig oder endet im Nirvana. Wir geben unser Bestes, aber es wird nicht viel sein können.

Seit über 200 Jahren wird mit steigender Intensität und stetig wachsender Qualität in und über Stonehenge geforscht. Dadurch können z. B. mit gentechnischen Untersuchungen und Isotopenanalysen Feststellungen über Herkunftszeiten und – orte gemacht werden, die früher undenkbar waren. Angesichts der völligen Präzedenzlosigkeit der Anlage eröffnet das in der Regel mehr Fragehorizonte als Klarheiten. Das kann man nicht in einem Blog nachvollziehen, ein Aufsatz wäre die mildeste Beabeitungsform, sachgereccht wäre allerdings wohl eine dreibändige dickleibige Monografie.

Selbst für den Blog muss noch einiges recherchiert werden, also geht’s morgen weiter.

Wir sind heue- ohne großes Bedauern- aus London abgereist und haben uns in der Nähe von Stonehenge einen hübschen Campingplatz gesucht, von dem als Basislager wir morgen weiter der Steinzeit nachsüren wollen, übermorgen kommen die Kathedralen in Winchester und Salisbury sowie das normannische Kloster in Romsey.

Hier ist leider das Netz noch schlechter als in Niedersachsen, also schaun wir mal.

01.06.2026

London III

Der Vollständigkeit halber haben wir heute Westminster Abbey besucht. Offenbar hatten wir in der Vergangenheit ein gutes Gespür für do or don’t. Die verzeichnen über eine Million Besucher im Jahr, Sonntags ist dicht, heißt: Es war voll wie an einem Kinoausgang.

Wenige Schritte vom Nordeingang entfernt findet sich die obige Grabplatte, unter der die Asche des bekennenden Atheisten Stephen Hawking beigesetzt ist, weil auch er zu den kulturellen Leistungs- und Bedeutungsträgern des United Kingdom gehört. Für uns ist er immer das bekannte Beispiel für die Krankheit, die bei Margit Anfang des Jahres diagnostiziert wurde: Bulbäre ALS. Ihn hat offenbar eine chronisch juvenile Ausprägung betroffen, die bei allen zunehmenden Einschränkungen ein doch vergleichsweise langes Leben möglich machte.

Natürlich ist das eine schöne Kirche, noch 1065 von Edward dem Confessor für seine Beerdigung aufgebohrt, mehrfach übergestylt, ein prächtiges Beispiel für englische Gotik bis in die letzten Verästelungen des perpendicular style in den Decken der Grabkapellen von Maria Stuart und Elisabeth I.

Davon abgesehen ist das ganze Ding eine Art gigantischer dreidimensionaler Friedhof, auch wenn die immer von Krönungen und Hochzeiten schwögen.

Neben einer ziemlich vollständigen Sammlung von mehr oder weniger aufwändigen Sarkophagen von Edward the Confessor 1065 über die erste Elisabeth und ihre Intimfeindin Maria Stuart bis Georg II 1760 inclusive 12 teils offenbar ungetauft – namenlosen- Kindern von irgendeiner Königin Anne und immer so weiter, finden sich im Boden und vor den Wänden und Säulen Honoratioren aus Wissenschaft (Isaak Newton, Charles Livingstone, Charles Darwin, Stephen Hawking und vielen anderen) und Kunst (Händel, Chaucer, Dickens und Lawrence von Arabien nebst zahlreichen anderen), hinzu kommen wohl hunderte, wenn nicht tausende verdienstvolle 8. Viscounts von Sonstwoher, die tapfer ihr Leben in China, Indien, Nord- und Südafrika sowie Nordamerika (oder auf dem Meer) gelassen haben, gar nicht zu vergessen diejenigen, die im Great War und 39/45 zu Tode gekommen sind, dazu kommen mengenweise 8. Earls und 5. Vicounts, die auf die entsagungsvollste Weise ihr Leben in den Dienst dieses oder jenes Politikers gestellt haben, der drei Säulen weiter mit seiner liebenden dritten Ehefrau und einigen gemeinsamen Kindern den ewigen Frieden gefunden hat. Das klingt jetzt wie völlig übertriebene Schaumschlägerei eines lübschen Bürgers, der sich an der hypertrophen Syntax unseres ersten Nobelpreisträgers ein schlechtes Beispiel genommen hat, ist aber in Wirklichkeit norddeutsch – dürre Untertreibung dessen, was die Augen wie ein Stroboskop in der Disco fordert.

31.05.2026

London II

Der 31. Mai ist für mich immer ein bedeutsamer Tag, 1972 hat man uns den Zettel ausgehändigt, auf dem von allgemeiner Hochschulreife die Rede war. Eine (zuletzt) schöne Zeit fand ihr Ende, die spannendste Zeit begann: Das Studium, die Zeit, in der man alles denken konnte und im nächsten Semester das Gegenteil, im übernächsten Semster fiel aus einer anderen Perspektive ein anderes Licht darauf, und alle (Zwischen-) Ergebnisse wurden zur Wiedervorlage in einer neuen Situation gespeichert. Das schöne Dictum von Helmut Schelski über den Protestantismus als institutionaliserte Dauerreflektion begegnete einem nicht gleich am Anfang, aber zusammen mit dem „sola scriptura“ unseres Wittenberger Dicken hat es mich bis heute geprägt. Vor etwas Anderem als der Bibel als intellektuellem Scheuerpfahl und dem bildlosen Gott Respekt oder Ehrfurcht zu haben, würde mich umgehends in die Protestantenhölle führen: Dann müsste man Sachen glauben, die andere Leute sagen, oder die schon immer so waren – ein anderes Wort für tot sein, auch wenn man den Kadaver noch durch die Zeit schleppt. Und hinterher gibt’s Mecker.

Da passte es gut, dass uns der 31. ins Globe – Theater führte, einen neuen Nachbau wenige 100 m von seinem ursprünglichen Standort. Wie so häufig war das Glück uns hold: Auf den letzten Drücker, fünf vor 1, trafen wir ein und uns wurde bedeuetet, die einzige Chance, das Theater zu besichtigen, wäre der Kauf einer Eintrittskarte für 25 Pfund. Allerdings müssten wir uns beeilen denn um 1 beginne das Stück. So kamen wir dann sogar noch zu Sitzplätzen, die zwar nicht den Blick auf die vordere Bühnenrampe boten, aber einen wundervollen auf die Tiefe derselben, die in dem vielschichtigen Sommernachtstraum, der gegeben wurde, eine bedeutende Rolls spielte.

Die Aufführung war zwar eine Art später Matinée, aber von einem tollen Ensemble hochengagiert gespielt. Wie heutzutage häufig, wurden manchmal mehrere Rollen von einem Schauspieler verkörpert, was auf geniale Weise das verwirrende Hin und Her des Stücks mit all den Irrungen und Wandlungen unterstrich. Sehr auffällig: Das Ensemble bildete die Multikulturalität Londons perfekt ab, so war Nick Zettel ein Schwarzer mit einer Figur, als könne er allein ein Klavier in den ersten Stock tragen, dabei behende wie ein Eichhörnchen, Puck war ein großer langer schmaler Engländer, und Titania stammte erkennbar aus dem indischen Kulturkreis, eine ausdrucksstarke Schönheit mit enormer Präsenz. Der einzige Wermutstropfen war, dass auch die englischen Engländer nicht unbedingt allerbestes Oxford- Englisch sprachen, zusammen mit dem Hörrohr, das für so etwas nicht designed ist, konnte ich maximal 20 % verstehen. Aber die Inszenierung lebte vor allem aus Bewegung, Musik, Theatralik, verrückten Ideen, da kam es nicht auf jedes Wort an.

So standen z. B. im Hintergrund der Bühne marmorne Götterfiguren auf Podesten, und in einer Aktivitätspause kam der mächtige und edle Oberon vorbei und klemmte sie sich unter den Arm, weil er offenbar wusste, dass das kein Marmor, sondern Polystorol war. Aber vielleicht war es doch Marmor, und Götter können sowas -))

Lohnend ist ja immer auch der Blick auf’s Publikum. Auch vielfarbig- bunt, aber eher europäisch. Erstaunlicherweise waren mindestesn 40 % junge Paare, Typ Student:in, weitere 40 % waren Familien mit Kindern, teils mit Großeltern, höchstens 5 % waren alte Kulturbürger wie wir, die anderen waren größtenteils Gruppen von jungen Leuten, teils Jungs/ Mädchen-Cliquen, teils gemischt. Das Bild stammt aus der Pause, da waren eher ältere Leute am Platz geblieben.

Wenn das Verstehen sich auf optische Nachverfolgung beschränkte, gingen die Gedanken natürlich an die alte Penne zurück. Shakespeare haben wir gelesen und gelernt, einige seiner Sonette konnte ich auswendig und sie gehörten zum Fundus der frühen Flirtversuche: „Shall I compare the to a summer’s day? Thou art more loveley an more temperat“ (dumm nur, dass die Mädelz, wenn sie aufgepasst hatten, wussten, dass die Rede vom Sonett, nicht von einer Schönen war).

Amüsanterweise hat uns schon Herr Scheuermann ca. 1970 beigebracht, dass die Frage nicht lautet: „To be or not to be“, sondern: That is the question: Whether it’s nobler in the mind, to suffer the slings and arrows of an outrageous fortune or to take arms against a sea of troubles and by opposing end them“.

Tatsächlich macht der abendliche Blick auf den Schrittzähler von Margits Gesundheitsapp klar, wie sie sich entscheidet: Die Hälfte von 14.700 Schritten des Tages hatte sie im Globe bereits hinter sich.

30.05.2026

London I

Entschuldigung, heute wird es historisch anspruchsvoll…

Man macht sich das nicht immer klar genug: 1801 war Griechenland Türkei, präziser: Teil des Osmanischen Reiches. In allen Irrungen und Wirrungen der Geschichte gehörte es immer dazu, dass auch Mächte, die wenig Sympathie füreinander empfanden, Botschafter austauschten. Und wenn sich dann die Gelegenheit ergab, mit irgendeiner belanglosen Kleinigkeit die Stimmung untereinander zu verbessern, war das eine tolle Chance. Den Türken waren die alten Trümmer aus dem 4. Jahhundert vor völlig egal, ganz ähnlich wie den Taliban die Buddhastatuen von Bamyan und dem IS die römischen Säulen in Palmyra.

In dieser Zeit hatte England einen Botschafter an der Hohen Pforte, der von einer Frühform des sich inkubierenden Philhellenismus- Bakteriums infiziert war und der, genau betrachtet, tatsächlich so etwas wie eine Art Patient Null war.

Er besorgte sich von Sultan Selim III einen Ferman, der ihm und seinen Mitarbeitern erlaubte, an der Akropolis zu zeichnen, zu messen, Gerüste aufzustellen, zu buddeln und Abgüsse zu machen, „Und wenn sie einige Steinblöcke mit Inschriften oder Figuren darauf mitnehmen wollen, ist dem nicht zu widersprechen.“

Diese Erlaubnis legte der Lord extensiv aus. Man stelle sich vor: Wer vor dem Tempel steht und durch die erste Säulenreihe tritt, erhebt seine Augen. RUNDUM direkt unter dem Tempeldach findet sich ein Fries, ca. 1,2 m hoch, das ein bedeutungsvolles Bildprogramm aus der griechischen Mythologie enthält, und zwar fokussiert auf den Tempel und die aktuelle geschichtliche Situation: Wie üblich standen die Perser zu Tausenden vor der Tür, der Recurs auf den mythischen Sieg der Griechen unter der Führung von Hercules gegen die legendären vorderasiatischen Amazonen und der nicht minder glanzvolle Sieg der Lapithen mit energischer Unterstützung der Argonauten gegen die Zentauren wurden propagandistisch ins Feld geführt.

Dies ganze Fries und dazu einige Metopen (Reliefs zwischen den sog. Triglyphen, diesen Deko- Feldern mit den drei Minisäulen direkt unter dem Gebälk an der Außenfront des Tempels) sowie größere Teile der obersten dreieckigen Statuenfeldern an Ost- und Westgiebel nebst einer Kariatyde brachte Elgin nach England und verkaufte es knapp 20 Jahre später an die englische Regierung.Über mehrere Stationen wurden die „Elgin Marbles“ Kronjuwelen des British Museum.

Forderungen nach Restitution dieser „Beutekunst“ wurden schon im 19. Jahrhundert laut, wurden aber – m. E. auch mit guten Gründen- wegen der fehlenden Möglichkeiten, sie adäquat in Athen darzustellen, zurückgewiesen. Allerdings hat dieses Argument jede Qualität verloren, seit am Fuße der Akropolis das Akropolis- Museum der Aristoteles – Onassis – Stiftung errichtet wurde. Amüsanterweise haben wir festgestellt, dass wir vor zwei Jahren fast auf den Tag genau dort waren: Diesen Abguss des Fragments eines Pferdekopfes des Wagens der Selene aus dem Ostgiebel haben wir am 28.05.2024 aufgenommen.

Völlig überrascht waren wir, als uns der entsprechende Fries (mit denselben Motiven) vom Apollon- Tempel in Bassae begegnete. Auch ihn haben wir in Griechenland besucht, er steht in all seiner Eindrücklichkeit in der tiefsten Pampa der Peleponnes auf einem hohen Berg und wurde wohl nur deshalb nie geplündert, weil kein Dieb je so dämlich war, die ganzen Tonnen ins Tal zu wuchten. (Gruß an Brigitte und Jürgen).

Und jetzt noch ein Hit für absolute Insider: Genau hier lag von 1475 bis 1853 der Stalhof, das Londoner Hansekontor. Jetzt liegen darauf die Schienen des Bahnhofs an der Cannon Gate.

29.05.2026

Reculver, Rochester

Immer wieder gibt es amüsante Beobachtungen. Im Zuge meiner Reeuropäisierung der EDV fand sich auch „Here we go“, eine niederländische Navi- App. Margit mag sie nicht so sehr, weil die KI- Stimme etwas leierig klingt, ich nutze sie gern, weil sie sehr präzise ist und ich nicht mehr mit Sonderangeboten der Pizzeria um die dortige Ecke gelockt werde, wenn ich irgendwo im Ausland eine Ferienwohnung gebucht habe.

Hier in England hat sie auch noch einen weiteren Vorteil.

Sie rezipiert die hiesigen Geschwindigkeitsbeschränkungen in Miles per Hour und rechnet sie in km/h um. Die obigen 50 sind 30 miles, bei 80 miles sehe ich 115 km/h. Noch größer ist die vergleichsweise Erleichterung, wenn ich nicht während der Fahrt 800 Fuß umrechnen muss, um nicht falsch abzubiegen.

Von REculver hat noch niemand etwas gehört, das ist ein Ort, der es – wenngleich durch einige Jahrhunderte- fertig gebracht hat, sowohl zu verlanden als auch überschwemmt zu werden. Etwa im Jahr 200 und in den folgenden Jahrzehnten noch intensiver wurde dort eine Garnison errichtet, die an der Mündung eines Flussses die Invasion feindlicher Truppen ins Innenland verhindern wollte, dort war die römische Zivilisation schon angekommen, siehe Richborough mit dem Trmpbogen und Canterbury mit dem Fußboden.

Der Ort war auf der Zieleliste gelandet, weil im Süden Englands, wie erwähnt, eine ganze Reihe von Forts gebaut wurde, um den Sachsen die Übergriffezu verleiden. Bei der Vorbereitung dieses Ausfluges las ich dann im Begleitheft der English Heritage, deren neueste Mitglieder wir am 26. für einige Stunden waren, dass die Sachsen damals noch ihre Schwerter schliffen und noch locker 100 bis 200 Jahre auf der Bärenhaut lagen, als die Forts gebaut wurde. Die British Heritage vermutet, dass die Römer sich mit diesen Forts die Römer vom Hals halten wollten, wir reden nämlich vom 3. Jahrhundert- Da gab es, besonders in Gallien und den angrenzenden Gebieten, gelegentlich vier Kaiser gleichzeitig, die erst von ihren Truppen gewählt und gar nicht so selten schon, bevor sie nach Rom zur Krönung gelangt waren, gleich wieder abgemurkts wurden.

Unter dieser schönen grünen Wiese liegt das Hauptquartier der Garnison, der dunkelgrüne Streifen hinter dem Knick ist der alte Flußlauf, der erhöht liegende Teil der Landschaft am Horizont der damalige Hort der Kultur und Zivilisation.

So prickelnd war das nicht, also sind wir bald nach Rochester aufgebrochen. Dort waren wir 1979 gegen Ende der Reise schon einmal gewesen. Wie damals waren wir erneut tief beeindruckt von der bodenständigen Wucht der frühen normannischen Kirchbauten mit ihrem brutal schlichten Schmuck. Damals standen allerdings nur einige wenige Stühle vor dem Altar, der Rest des Gotteshauses war mittelalterlich leer. Vornehm und geschmackvoll verziert war damals nur der – natürlich jüngere- Chorraum der zugehörigen Mönche. Heute gibt das Kirchenschiff (mit der prachtvollen Orgel am Übergang zum Chrorraun im Hintergrund ein anderes, nicht mehr so erdendes Bild.

Um so beeindruckender ist der Kreuzgang gestaltet. Die Säulen und das Dach sind vergangen, jetzt sind dort Blumen, vor allem Rosen, gepflanzt, wer um den Kreuzgang herumschreitet wird alle paar Schritte von einem anderen Duft überwältigt.

Ein charmanter älterer Mann machte mich auf ein neueres Kunstwerk aufmerksam, das sein Vater vermittelt hatte, der mit dem Künstler und einem jungen amerikanischen Soldaten namens Bill Gates gedient hatte. Der letztere hat offenbar von seiner bekannten Großzügkeit zugunsten der Kathedrale Gebrauch gemacht. Große Kunst ist diese Madonna nicht, allerdings ist das Motiv spannend:

Um das Thema „Maria spielt mit dem vierjährigen Jesus“ haben sich sowohl die Evangelisten als auch die christlichen Maler aller Jahrhunderte herumgedrückt. Gelegentlich trifft man auf Madonnen, bei denen die Kinder reichlich groß geraten sind, aber sie kommen immer als Kleinkinder auf dem Arm daher.

Was es 1979 auch noch nicht gab: Das Café in der Krypta. Auch dieses kam uns bei aller langjährigen Routine im Besuch von historischen Kirchen sehr innovativ vor. Die haben in Rochester einen großen Club von „Friends of the Cathedral“, die es offenbar geschafft haben, diesen unglaublich schönen Raum diesem äußerst nützlichen Zweck zuzuführen. Einige der Freundinnen haben auch Kuchen gebacken, der für kleines Geld feilgeboten wurde: Wir haben jetzt verstanden, warum die Engländer schon länger eine Zuckersteuer haben.

Ein Blick aus dem Westportal hatte uns schon auf das nächste Ziel neugierig gemacht:

Die erste Befestigung wurde- wenngleich noch hölzern- schon im Jahr der Eroberung 1066 angelegt, 21 Jahre später stand dort bereits eine steinerne Burg, die schon im Folgejahr einer Belagerung durch Normannische Barone standhielt. So, wie sie da steht, ist sie das prächtigste und älteste Festungswerk aus der frühen Normannenzeit.

Das folgende Bild zeigt Spuren der schmückenden Gestaltung des Wehrgebäudes. Unten erkennt man schlichts Mauerwek, dick und wehrhaft, darüber erkennt man in den Wänden die Löcher für die Fußbodenbohlen der großen Halle. Die Wände sind von dog- tooth- geschmückten Bögen unterbrochen, die dem Raum sicher eine wertige Ausstrahlung verliehen haben. Sie waren mit Sicherheit ferstiggestellt, als 1522 Karl V. seinen königlichen Kollegen Heinrich VIII besuchte. Der hatte das Gemäuer offenbar in so guter Erinnerung, dass er es 18 Jahre später zum Liebesnest für seine 4. Frau erkor.

Anschließend sind wir nach London aufgebrochen, wo wir jetzt vier Nächte in einem Hotel in Battersea verbringen werden.

28.05.2026

Canterbury 3

In einem so traditionsverbundenen Land wie Großbritannien ist es nicht verwunderlich, dass sich Altes wenig verändert. Immerhin ist das Haus jetzt als Buchhandlung genutzt.

The crooked house 1979
The crooked house 2026

Weil es uns hier gut gefiel, haben wir uns kurz entschlossen, noch einen Tag dranzuhängen, für Besichtigungen, aber auch für Nach- und Vorbereitungen. Das Haus haben wir nur zufällig gefunden, wie auch das folgende Kunstwerk:

„Alluvia“ von 2024, aus recyceltem Glas und marine stainless steel geschaffen, war bei der heutigen Hitze direkt zu beneiden! Ich war begeistert davon, dass auch nach so vielen Jahren Kunst und Kunstgeschichte irgendwo auf der Welt ein Jason deCaires Taylor noch eine völlig neue, unverbrauchte, kreative und witzige Idee hat.

Wenige Straßenecken weiter fanden wir unser nächstes Ziel, ein Museum, das über den Fundamenten eines Hauses aus der Römerzeit errichtet war und eine sehr gute Darstellung dieser denn doch kurzen Epoche bot. Kern der Ausstellung waren Reste eines Mosaikfußbodens, die vom Lauf der Jahrhunderte im feuchten Boden zwar nichts von ihrer farblichen Brillianz verloren hatten, sehr wohl aber ihr Planum. Das Ganze sah aus wie der Versuch, einen bedruckten Stoff auf dem Tisch in der Mitte zusammenzuschieben. Weil das hinter schützenden und spiegelnden Vitrinen nicht zu fotografieren war, mussten wir uns mit diesem Stück Esszimmmerfußboden begnügen.

Die Fundamtenreste sind erst im 2. Weltkrieg wieder ans Licht gekommen, als bei einem „Blitz“ – so nennen die hier die überfallartigen Luftangriffe der Wehrmacht- ein tiefes Loch im Zentrum der Stadt gerissen wurde. Immerhin konnten Archäologen umgehend dies – und mit dem Wissen darum- später auch anderes vom römischen Erbe bewahren. Uns erinnerte das an den überwältigenden Marktplatz in Terracina, ca. 100 km südlich von Rom an der Küste, auch dort hatten ein (allerdings amerikanischer) Bombenangriff unverhofft eine römische Marktplatzpflasterung freigelegt.

Nach einem Eis (11 Pfund für 4 zugegeben große Kugeln) haben wir uns bald aus der Hitze der Stadt auf unseren ländlich gelegenen Campingplatz verzogen, uns entspannt und die nächsten Tage schon mal vorgedacht.

27.05.2026

Canterbury 2

sog. Weberhäuser, erbaut von Hugenottischen Flüchtlingen aus Frankreich

Die „Burg der Kenter“, Bewohner Kents, ist zunächst und vor allem ein sehr hübsches altes Städtchen voll netter Menschen. Vermutlich wird hier eine größere Siedlung gelegen haben, die von den Römern bei der Eroberung des Landes übernommen wurde – Handel und Wandel förderten ihre Bedeutung, die auch nach dem Abzug der Römer und dem Entstehen der angelsächsischen Königtümer (von -reichen mag man wegen der Winzigkeit nicht reden) erhalten blieb.

Gegen Ende der Römerzeit gab es schon Christenmenschen und Anfänge einer kirchlichen Struktur, die aber von den Sachsen („Paganissimi“, Heiden der übelsten Sorte, wie einer der mittelalterlichen Historiker schrieb) versprengt und zum guten Teil nach Wales, Irland und Schottland, also an die Ränder des Landes, verdrängt wurden.

Rückstandslos verschwunden waren sie offenbar nicht, 597 entsandte Papst Gregor I. den Mönch Augustinus ans dortige Königshaus. Die bessere Hälfte mit dem schönen Namen Bertha, in die Wildnis verheiratete Tochter aus dem Geschlecht der Merowinger, war Christin und förderte den Mann nach bestem Vermögen. Er baute umgehend eine Kirche und ein Kloster, die erstere ist mit der Zeit immer grandioser geworden, das letztere wurde von Heinrich VIII plattgemacht. Die ebenfalls gleich nach 597 begründete Schule wurde nach der Reformation Heinrich zuliebe in Kings’s School umbenannt und gilt heute als die älteste ununterbrochen bestehende Schule in England und eine der besten Adressen für Bildung im Vereinigen Königreich.

Es ist nicht unbekannt, dass wir Lübecker m/w/d sehr stolz auf unsere schöne große Mutter der Backsteingotik sind, aber im Angesicht der Kathedrale von Canterbury kommt sie mir vor wie eine der Dorfkirchen, in denen wir gearbeitet haben. Noch weniger unbekannt ist, dass unsere katholischen Geschwister, Freund:innen und Verwandte dazu neigen, St. Peter in Rom für eine Art ästhetischen Nabel der Welt zu halten. Kann man machen, wenn man unterkühlte Renaissancearchitektur mag mit zugegeben teilweise geglückter Deko (ich denke da an den ausgemergelten Hippie auf dem Schoß eines Teenies gleich rechts vom Haupteingang).

Allerdings muss ich bekennen: Noch nie habe ich eine so riesige Kirche (176 m, selbst der Lübecker Dom bringt es nur auf 130) so zierlich und zugleich so wuchtig, so leichtfüßig und zugleich so würdig gesehen.

Wir haben es zu schätzen gelernt, für den Gesamteindruck einer Kirche ein erstes Bild sozusagen mit den Schulterblättern am Westportal zu machen:

Voilà, das Kirchenschiff, Typ dreischiffige Basilika, hohe englische Gotik. Hinter dem Altar (dem für die normale Gemeinde) erkennt man eine Treppe, die zum Chorraum führt – durch eine Chorschranke, die es vor dem Krieg auch in St. Marien gab und die wir jetzt noch in Aegidien bestaunen können.

Hinter der Chorschranke gibt es nicht nur schöne Frauen in blauen Kleidern, sondern einen gottesdienstlichen Raum mit 100 Stühlen und eine Treppe zu einem weiteren Altar, dann folgt eine weitere Treppe zu einem Hochaltar. Nur der Vollständigkeit halber: Unter diesen Treppen und dem Hochaltar findet sich eine Krypta, von der wir im Vorbeigehen einen Guide rühmen hörten: „The biggest crypt in Great Britain“. Auch wir haben noch nie eine größere gesehen, und da können die in Süditalien durchaus einiges leisten.

Rechts vorbei, die Frau bei der Hand genommen und eine weitere Treppe hoch:

Unterwegs trifft man alte Bekannte…

Der „Black Prince“ (of Wales, 1330 – 1367) war königlicher Thronfolger und wurde vor allem durch seine Ritterlichkeit und seine militärischen Erfolge im 100- jährigen Krieg (den treffen wir noch oft genug) bekannt.

Eine Treppe höher dieses Bild (nun aber wirklich ganz oben in der Riesenkirche), dann folgt nur noch ein Kapellenumgang und der Rückweg gen Westen

Da allerdings kommt man an dieser nördlichen Tür vorbei:

Der erwähnte Thomas ist der heilige Thomas Becket, der auf Inspiration des Königs Heinrich II genau hier ermordet wurde, weil es dauernd Konflikte in Sachen Investiturstreit gab (Wir erinnern uns, Kaiser Heinrich IV und Canossa). Er war Erzbischof von Canterbury. Heinrich II war der Sohn von Heinrich I und von Königin Mathilde, der Witwe von Heinrich V., Kaiser des Heiligen Römischen, verheiratet war er mit Eleonore von Aquitanien, einer Wahnsinns- Powerfrau, von der sich Ludwig VII, der Fromme, von Frankreich gerade hatte scheiden lassen, weil sie ihm keine Söhne gebar. Das glückte ihr mit Heinrich II deutlich besser, Richard Löwenherz und Johann Òhneland entstammten dieser Verbindung. Weil der Gute sowieso kein Englisch verstand, lebte er meistens ín Frankreich, wo er mit seiner Eheliebsten und seinem Sohn Richard Löwenherz in der bezaubernden Abtei Fontevraud beigesetzt wurde. Geschichte kann so einfach sein ;-))))

Nun reicht es aber für heute, das Kloster hat der 8. Heinrich in eine Ruine verwandelt, und die Kapelle der Königin Bertha steht zwar unverdrossen seit 590 an ihrem Ort, aber außer dem Datum ist wohl nichts mehr wirklich alt.

26.05.2026

Von Dover nach Canterbury

Immer war die Südküste Englands das Einfallstor für Invasionen, entsprechend war es auch immer ein Gebiet, in dem Defensivstrukturen entwickelt wurden, wie wir gestern in den Kelleretagen des Dover Castle erlebt haben.

Heute führte uns der erste Weg nach Walmer Castle, einer Küstenartilleriebastion, die Heinrich VIII, das ist der mit den vielen Fauen und der englischen Reformation, errichten ließ.

Diese ursprünglich kleeblattförmige Absonderlichkeit gehörte zu einer Kette von fünf Befestigungen (cinque ports), deren Name wegen der antiuierten französichen Schreibweise italienisch daherkommt. In späterer Zeit war es ein (nicht immer gern genutzter) Dienstsitz der leitenden Festungsoffizere, zu denen wegen seiner besonderen Verdienste auch Lord Wellington („Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen“), der Sieger von Waterloo gehörte. Er hielt sich da gern auf und starb sogar in diesen Räumen. Zu seinen Meriten gehören Siege in Portugal und Spanien gegen die napoleonischen Armeen.

Erneut schloss sich für uns ein Kreis: 2019 waren wir in Leon in Kastilien, dort haben wir die Kirchen besucht, in denen zu napoleonischen Zeiten die Lazarette untergebracht waren. In einer der beiden ist 1812 Margits Ur-Ur-Ur- Großvater Franz Adam Tesch aus der Baumgarten- Linie „an seinen Wunden gestorben“, die er sich in der Schlacht gegen Wellington in Portugal eingehandelt hatte. Als „eroberter Rheinländer“ war er zur französischen Armee gezogen worden, zum Glück fand er vorher noch Gelegenheit, eine Tochter Maria – Eva zu zeugen, die seine Lebenslinie bis zu Margit und darüber hinaus fortführte.

In den zugehörigen Gärten gab es diese bildschöne Wasserrose zu bestaunen.

Unsere nächste Statiion war Richborough, ein vor der Verlandung römischer Hafen mit großer Garnison und einem Trump- Bogen, der dort errichtet wurde, um deutlich zu machen: Hier betritt man in das römische England. Nach dem ursprünglichen Heerlager wurde bald eine ummauerte Stadt angelegt, die ein Handels- Hotspot zwischen zwei Kulturen war, dazu gehörte für Römer vor allem eine Therme – auch die fand sich in der großen Anlage.

Weiter ging’s ins ebenfalls nahe gelegene Ramsgate, berühmt für seine Tunnel.Schon in der Frühzeit des I. Weltkrieges hatten Zeppeline (!) nachts den Einwohnern Bomben auf die Köpfe geworfen, schon damals wurden die vielen unterirdischen Höhlen in den (leicht zu bebeitenden) Kreidefelsen, also Keller, unterirdische Lagerstätten, Schmugglertunnel und Ähnliches genutzt, um im Krisenfall Unterschlupf zu finden. Ein bereits vorhandener Eisenbahntunnel wurde als logistischer Zugangspunkt am Hafen genutzt, jetzt ist da der Eingang für Touris.

In Ramsgate hegte man aus schlechten Erfahrungen ein ziemliches Misstrauen gegen „die Deutschen“, die ganzen Entwicklungen mit der Machtübernahme der Nazis, dem Anschluss Österreichs, die Münchner Konferenz und der Überfall auf Polen mit dem umgehenden Kriegseintritt Englands war klar zu lesen: Wir müssen für Schutz sorgen, und seit 14/18 wissen wir, wie das geht.

Natürlich gab es ein grenzenloses Hin und her: „Viel zu teuer“, „Geht auch einfacher“, „Chamberlain hat doch gerade (nach München) gesagt, der Friede ist sicher“, aber am Ende der Vorkriegszeit und in den ersten Kriegsmonaten wurde ein System von gut 3 1/2 Meilen, fast 6 km, von Tunneln unter den Straßen der Stadt angelegt, mit Zugängen an neuralgischen Punkten wie Schulen oder Kirchen. Die Tunnel konnten beleuchtet werden, hatten Belüftung und Chemieklos, außerdem Erste- Hilfe Stationen.

Der Nutzen der Anlage erwies sich umgehend. Nach dem Übrfall auf Polen hatte der britische Botschafter ultimativ den umgehenden Rückzug der deutschen Truppen gefordert, andernfalls sei England wegen der Bündnisverpflichtungen im Krieg mit Deutschland. Der Rückzug erfolgte bekanntlich nicht, dafür flogen die ersten Bomber schon am 3. September über die Südküste Englands. Hatte man die Ramsgater bis dahin für Spinner gehalten, wechselte die Stimmung zu Bewunderung: „Ramsgate has the world’s finest shelters“.

Ganz so idyllisch wird es nicht immer gewesen sein.

25.05.2026

Dover II

Kannst Du kommen in Europa, wo Du willst, die Nazis waren immer schon da. Heute gingen wir den Hügel zum Castle of Dover hinauf, noch vor dem ersten Tor in der ersten Verteidigungsmauer gingen Wege in Tunnel unter der Oberfläche hinein. Eine charmante Dame mit dem Symbol der British Heritage auf der weißen Bluse führte uns in ein System von unterirdischen Gängen, deren älteste Teile schon aus der napoleonischen Zeit stammen, als Frankreich mit Invasion drohte. Damals wurden untreirdische Kasernen angelegt, für bis zu 2.000 Mann, einschließlich leichtluxuriöserer Offiziersräume. Über das Leben und die Lebensumstände gibt es sonderbarerweise keine Berichte. Bekanntlich fiel die Invasion aus, es reichte nur zu der berühmten Kontinentalsperre, die nächste Großbedrohung ging vom Nazi- Deutschland aus, und das System der Tunnel wurde ganz erheblich auf mehrere Meilen Länge in teilweise 5 Etagen erweitert.

Leider gibt‘ s hiervon keine Bilder, in den Tunneln waren sie nicht erlaubt, und eine offene Tür in ein dunkles Loch prickelt niemanden an.

Lange wurden wir durch Gänge geführt, ca. 6 m breit, mit einem quasigotischen Spitzgewölbe. manchmal mit (sekundärer) Möblierung wie zur Zeit des Krieges ausgestattet. Tausende von Menschen haben dort teils Jahrelang gelebt und gearbeitet und ihren Beitrag für die Landesverteidigung geleistet: Radarüberwachung, Funkkontakte, Zielleitung, Einsatzkoordination für Schiffe und Flugzeuge usw.

Die heißeste Phase im ganzen 2. Weltkrieg war die Zeit der Operation Dynamo, die Evakuierung der in Dünkirchen eingekesselten britischen Einsatzkräfte, die nach dem 10. Mai 1940 (Krieg gegen Frankreich und Nachbarstaaten) in Marsch gesetzt und durch den „Blitzkrieg“ zurückgeworfen und abgetrennt wurden. Vom 26. Mai bis zum 5. Juni wurden mehr als 338.000 Soldaten evakuiert. Historisches Filmmaterial, das mit großen Bildern und den zugehörigen Geräuschen (jaulende Flieger, Explosionen) an die Wände der Tunnel projiziert wurde, zeigten die Bedingungen: Unter stetem Druck der bestens ausgerüsteten Wehrmacht durch Infanterie, Panzertruppen, Luftwaffe und Marine wurden die Soldaten zum allergrößten Teil gerettet.

Anschließend sind wir bei lieblichem Frühsommerwetter auf die grünen Hügel der zweitgrößten Schlossanlage Großbritanniens geklettert, umgeben von jungen Familien aller Hautfarben, teils mit, teils ohne Großeltern, Paare jeden Alters wanderten händchenhaltend bergan, im Schatten sah man überall picknickende Gruppen: Tiefer, schöner Friede.

Allerdings: Schon beim Eintritt in die innerste Festung begegnete uns ein römischer Leuchtturm, den die kaiserlichen Truppen mit seinem Zwilling auf der anderen Seite des Hafens erbaut hatten, um den Nachschubtruppen einen sicheren Weg zu weisen. Sie wussten, was sie taten, denn einige Generationen vorher hatten an genau dem Ort keltische Oberbefehlshaber Spähtruppen eingesetzt, die pünktlich zur Invasion durch Gajus Julius ihre Heere zusammenriefen, so dass der bekanntlich allzeit Siegreiche mit eingezogenem Banner wieder in See stechen musste.

Die Römer kamen denn doch und gingen auch wieder, dann kamen die Angeln und Sachsen und blieben, bis ihnen von Norden die Wikinger (793 Lindisfarne) und von Osten die Normannen (1066 Hastings) das Leben schwer machten.

Indem wir wichtige Teile auslassen (100 – jähriger Krieg, spanische Armada, regelmäßige französische Begehrlichkeiten) stellen wir fest: Ruhig geschlafen hat in Dover wohl seit 55 vor Christus nie einer.

Jetzt ist die riesige Burg wie eine Art Mittelalter-Installation. Sehr gepflegt, sehr gut instandgesetzt, sehr freundlich präsentiert kann man in ganz eigener Geschwindigkeit das gesamte Areal abwandern und gewinnt einen Eindruck, wie es quasi in konzentrischen Kreisen mit dem Fortgang der Festungsbaukunst und der Konsolidierung des Britischen Königreiches – und den Bedrohungen desselben- von einer Festung Typ „Motte“ auf dem Hügel zu einem bebauten, in mehreren Kreisen befestigten und zuletzt gar ausgehöhlten Festung wurde. Eindrucksvoll und lohnend.

Die Große Halle, in der die Normanenkönige und ihre Nachfolger Hof hielten (nachempfunden).

Natürlich ist Dover nicht nur das Castle, stolz ist man hierzulande auch auf ein „painted roman house“, u. E. ein Offizierscasino der Classis Romana, die gleich jenseits der Thermen ihre Kaserne hatten.

Eindrucksvoll auch ein Stück eines Bootes, das dendrochronologisch auf ca. 1500 vor datiert wird. Gefunden wurde es in einer Baugrube im Stadtzentrum. Der ehemalige Hafen war verlandet und Teile des Bootes, das wohl in einem Sturm noch vor dem Hafen gesunken war, wurde durch die Bodenfeuchtigkeit konserviert. Weil die Baugrube logischerweise begrenzt war, musste in den Folgejahren gleich nebenan weitergegraben werden, um weitere Teile zu suchen, vor allem Bug oder Heck. Einiges kam hinzu, aber die Konstruktion war so beispiellos, dass es bis heute verschiedene Projetionen gibt: Wenn Heck, sah es vielleicht so aus, wenn Bug, dann so.

Weil das Original zm Schutz in einer Art düsterem von der Umwelt luftdicht abgesschlossenen Glasbiotop liegt, kann man auch hier nicht vernünftig fotografieren, dies Stück einer Rekonstruktion muss zur Veranschaulichung reichen.

Anstelle eines Kiels werden die Hälften des Bootes erkennbar von dieser tapferen Konstruktion zusammengehalten, die an der Wasseroberfläche liegenden Planken wurden offenbar zunächst angebunden, dann mit den schmalen Leisten bekniffen und (sicher) irgendwie kalfatert.

Der Fund ist natürlich enorm aufregend: Sowas konnten die 1500 vor. Das allerdings ist auch alles, was mit wissenschaftlichem Anstand gesagt werden kann. Wer das gebaut hat, in welcher Kultur (Dörfer, Städte, Herrschaft, Wirtschaft, Handel?) die lebten, weiß kein Mensch. Stonenhenge II war seit ca. 400 Jahren im Gebrauch, die Kelten trieben sich allerdings noch weitere 500 Jahre nördlich des Kaukasus herum, bevor sie sich ab 1000 vor Richtung Griechenlasnd / Bulgarien auf den Weg machten. Interessant immerhin, dass im Dreck der Bilge Sandkörner von der französischen Küste gefunden wurden, die nahelegen, dass einer der Matrosen dort an Land gegangen war. Bei gutem Wetter konnte man also offenbar mit diesem flachbödigen Nachen den Kanal überqueren.

24.05.2026

Dover

Endlich sind wir angekommen, im traditionsreichen Dover, das am heutigen Pfingstsonntag einen gewaltigen lauten Jahrmarkt im Stadtpark veranstaltet. Weil der neben dem Parkplatz liegt, sind wir für eine Wurst mit Pommes drübergeschlendert, das beste war natürlich die über dem Ganzen schwebende/ thronende Normannenburg, die morgen auf Punkt 1 der Tagesordnung steht.

Mir wird niemand unterstellen, dass ich den gesichert Rechtsextremen das Panier halte, auffällig war am ganzen Spätnachmittag dennoch, dass mindestens 40 % der Passantinnen und Passanten ganz eindeutig erkennbar Zuwanderer aus Pakistan / Indien waren, mit den zugehörigen entzückenden Kindern (und etlichen niedlichen Teenies), die am Eisstand und bei den Karrussels allerbeste „native speaker“ waren. Niemandem, der seine fünf Sinne beisammen hat, wird es gelingen, sich von so einem streichholzbeinigem Kleinkind mit wallenden dunklen Locken bedroht zu fühlen, aber dort wie bei uns sind seit Jahrzehnten politische Hausaufgaben nicht gemacht worden – wie in der Schule bleibt man dann (auf den ungelösten Fragen) sitzen.

Die Fahrt von Lüdinghausen nach Dünkirchen war schön (wunderbares Wetter und tiefgrüne Natur), stressig wurde es allerdings gegen Ende. Was macht der gemeine französische Franzose an einem traditionsreichen Frühsommertag? Ein oder mehrere Radrennen. Durch die Pampa zu rasen, bringt keine optischen Klicks am Straßenrand, also verlegt man mindestens das Ende ins Zentrum der Städte. Hässlicherweise wollten zahlreiche Autos, vorwiegend mit Kennzeichen UK (postbrexitisches GB), aber ein weiteres Drittel sicher aus Deutschland), auf denselben Straßen zum Fährhafen. Ging nicht, und entsprechend sind wir, von unterschiedlichen Navis stimuliert, wie die Billiardkugeln von Kreisverkehr zu verkehrtem Kreis geirrt, bis Margit und ich das ganze Elend großräumig umfahren haben und irgendwo durch die Dünen zum Fährhafen gelangten. Wie das Leben spielt, kamen wir an einem der „wilden“ Flüchtlingslager vorbei, die sich im Hinterland der Fährhäfen finden. Verglichen damit gleichen die rumänischen Lagertreffen der dortigen Sinti einem stinkbürgerlichen Campingplatz am Ostseestrand. Das zu sehen, Menschen zu sehen, die so leben, tat weh, aber so sind ja wir Europäer, unsere Sorge war, rechtzeitig zur Fähre zu gelangen. Hat denn auch geklappt.

Wenn da mehr Zeit zur Vorbereitung der Reise gewesen wäre, gäbe es mit Sicherheit etwas zu den Tagen vom 26.Mai bis 5. Juni 1940, aber das fällt hier aus.

23.05.2026

Der Weg nach Dünkirchen führt bekanntlich am dem berühmten Ort Lüdinghausen vorbei, in dessen großzügigen Rosengarten auch Abgüsse der dort gefundenen beiden größten auf der Welt bekannten Ammoniten zu bewundern sind. 1887 und 1895 wurden in einem dortigen Steinbruch Versteinerungen von gigantischen Ammoniten, Vorgänger / Verwandte von heutigen Tintenfischen, gefunden. Der zweite, größere hat ohne die verschwundene Wohnkammer einen Durchmesser von 1,80 m,

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Natürlich sind nicht einmal wir so gaga, dass wir die Anfahrt nach Großbritannien für ein parr Repliken von Versteinerungen unterbrechen.

Wir hatten uns dort mit unserem ehemaligen Au- Pair – Mädchen aus Litauen verabredet, die es „zu ihrem Glück“ dorthin verschlagen hat. Nach ihrer Zeit in Siebenbäumen und Ahrensburg hat Giedre in Marl ihren Mann kennengelernt, seither bauen die beiden sehr erfolgreich an einem gemeinsamen Leben, dessen beste Früchte zwei sehr nette gut erzogene Kinder sind.

Wäre die Tochter nicht auch schon schmucke 18 Jahre, hätten wir denken können, dass wir uns nicht vor über 20 Jahren zum letzten Mal gesehen haben, sondern vor 20 Wochen. Fröhlich, offen und neugierig konnten wir uns in buchstäblich „alter Vertrautheit“ wechselseitig auf den Stand des aktuellen Lebens bringen. Auch mit ihrem Mann entstand sofort ein entspanntes, freundliches und offenes Verhältnis, nach diesem kleinen halben Tag kann ich sagen, dass wir Freunde geworden sind.

Zum Schluss des Tages sind wir in ein mongolisches Restaurant gezogen, das unglaublich reichhaltige internationale Buffet ließ keine geschmacklichen Wünsche offen, und die angefangenen Gespräche wurden gut gelaunt und mit großer Offenheit fortsetzt. Schwer beeindruckt haben mich die Sprösslinge, die mit stoischer Ruhe die temperamentvollen Wortwechsel der Erwachsenen ertrugen! Es war ein rundum schöner, herzerwärmender Tag.

22.05.2026

Mit Erinnerungen begann der Tag. 46 Jahre sind seit unserer Turbo- Hochzeit auf dem Hunsrück vergangen: Ursprünglich hatten wir am 10. September, dem Tag zwischen unseren Geburtstagen, heiraten wollen, aber meine damalige konservative Gemeinde am Kieler Ostufer rümpfte gar zu deutlich die Nase über die Zustände im Pfarrhaus, wo eine junge, hübsche Studentin erkennbar regelmäßig nächtigte. Also haben wir kurzentschlossen eine standesamtlich Praecox- Hochzeit angezettelt. Nachdem wir die Hochzeitsnacht in dem Bett verbrachten, in dem Jahre zuvor Margits Onkel gestorben war, sind wir am nächsten Morgen zur Hochzeit von Margits Schulfreundin Susanne in den Breisgau gefahren- schon damals prallvolle Tage.

Vor 46 Jahren auf dem Hunsrück

2026 haben wir den Rest unseres Geraffels ins Auto geladen, ein paar unverzichtbare Erledigungen gemacht und sind aufgebrochen:

Ein Ende fand dieser Tag auf unserer Baustelle in der Nordheide, dort haben wir den Geburtstag meines Bruders und den Hochzeitstag mit einer kleinen Gartenparty gefeiert.

21.05.2026

Ein paar Boten der kommenden Blütenpracht sendet der Rosenstock vor der Haustür voraus, aber wir schließen die Tür morgen hinter uns und folgen den Angelsächsischen Ahnen.

Von etlichen Verwandten und Freunden sind wir gefragt worden, ob wir uns die weite und auch körperlich anspruchsvolle Reise wegen Margits Befund (ALS) wirklich zumuten wollen. Darum haben wir uns entschlossen, wieder einen Blog zu schreiben, einerseits als Reisetagebuch, in dem wir von der Schönheit der Welt berichten, nebenbei können Familie und Freund:innen zugleich sehen, wie wir mit der neuen Situation umgehen. Allerdings gehen wir davon aus, dass wir 2026 noch damit klarkommen, etwas weniger und das etwas langsamer zu machen.

Nach 152 Besuchen in 42 Ländern gilt nach all den Jahren auch für England, dass wir „altes Bekanntes“ wieder besuchen. Margit war dreimal als Kind und Teeny da, wir beide einmal allein (siehe Logo- Foto oben), einmal mit Kindern und Giedre, unserem Au Pair- Mädchen aus Litauen, und ein drittes Mal auf Björns Familienabschieds- Abi- Tour, die uns bis auf die Orkneys führte.

Allerdings schwimmt man ja nie zweimal im selben Fluss. Wir haben einige hochinteressante neue Aspekte gefunden, die wir vertiefen möchten.

Unseren Reisen verdanken wir vielfältigste Wahrnehmungen, die sich auf manchmal überwältigende Weise verknüpfen. EIN Beispiel (andere werden folgen) ist diese Abkühlanlage für frisch geschmolzene Bronze auf Kreta. Hier wurde ca. 1500 vor in der Hafenstadt Zakros, einer der minoischen Palastanlagen, Kupfer (lat cuprum, siehe Chemieunterrricht) von der Kupferinsel Cypros =Zypern mit Zinn aus Cornwall legiert, um den begehrten Rohstoff für Waffen, Gebrauchsgegenstände und Schmuck zu gewinnen. Das flüssige Metall floss zum Abkühlen in diese Lehmrinnen, anschließend konnten die Blöcke ganz oder in Teilen gehandelt und verschifft werden. In Cornwall wollen wir mal schaun, wie das Zinn gewonnen wurde.

Kelten, Römer, Angeln, Sachsen, Normannen haben ihre kulturellen Spuren hinterlassen, aber schon in der Steinzeit gab es Einflüsse. Das grandiose Stonehenge findet eine andersartige Parallele im grandiosen Carnac in der Bretagne, Steinkreise wie auf Orkney haben wir auch in Portugal gesehen, und wer keinen Bock hat, ganz nach Woodhenge (nahe Stonehenge) zu reisen, findet ähnliche Spuren aus dem späten 3. Jahrtausend vor in Pömmelte bei Magdeburg.

Großbritannien

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Ein Gedanke zu „Großbritannien“

  1. Ihr Lieben, ich habe es geschafft euch zu verfolgen. Konnte es jetzt aber nicht alles lesen und habe nur kurz gescrollt. Das Bild von euch vor 46 Jahren ist so zauberhaft und man kann eure gegenseitige große Liebe sofort erspüren.
    Herzlichst Renate ´

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